|
www.critic-service
Neue
CD-Bewertungen/New Evaluations of CDs
Neu/New - Buchkritiken/Book critic
(63) Temporal Variations.
Music for Oboe and Piano between 1935 and 1941. Birgit Schmieder, Oboe,
Akiko Yamashita, piano. Audite, Deutschlandradio Kultur. Audite92 539 ©
2012.
(62 ) ‚Round Midnight. Hommage to Theloneous Monk. Emanuele
Arciuli, Piano. Stradivarius. STR 33898. © 2011. Vertrieb: Klassik
Center Kassel.
*
(61)
Johann Sebastian Bach, die Französischen Suiten BWV 812-817. Christophe
Rousset an einem Ruckers-Cembalo. 2 CDs. ambroisie AMB 9960. Sound
Arts AG, © 2004. www.ambroisemusic.com
Diese Einspielung der Französischen Suiten
von Johann Sebastian Bach hat sich rar gemacht. Sie tritt nicht mit einem
großen Label auf und fand aus dem Jahre 2004 erst am Anfang des Jahres
2011 den Weg auf meinen Schreibtisch. Sie verdient durch ihre Qualitäten
größte Beachtung. Ich könnte viele Zeilen schreiben, um meine Begeisterung
für diese Aufnahmen zu rühmen. Christophe Rousset verdient höchstes Lob
für seine natürliche und lebendige Spielweise und seine makellose
Technik. Er widmet sich liebevoll jedem Satz der sechs Suiten. Dadurch
tritt der individuelle Charakter jedes Stücks plastisch und detailgetreu
hervor. Mit diesen Wiedergaben reiht sich Rousset in die Reihe der
bedeutendsten Interpreten dieser Suiten ein. Man kann sich an jedem der
eingespielten Sätze nicht satthören. Als Beispiele dienen die Gigue aus
der 2. Suite BWV 813, Track 13, mit ihren glitzernden und flirrenden
Verzierungen, Triller und Pralltrillern. Oder man höre die Courante aus
der 6. Suite, BWV 817, Track 16, weiterhin die hinreißend fröhliche und
tänzerische Gigue aus der 5. Suite, BWV 816, ferner die Courante der 1.
Suite, BWV 812, als Beispiel für die wunderbaren Register. Aber auch über
die langsamen Sätze, wie etwa die Sarabande dieser Suite, Track 10, gerät
man ins rückhaltlose Schwärmen.
Den Klang dieses zweimanualigen Cembalos kann
man nur in höchsten Tönen und größter Begeisterung beschreiben. Wie
füllig, wie sonor, wie klar, wie farbig und vor allem wie warm, frisch
und lebendig klingt dieses Instrument in jeder Lage und Kombination der
Register. Es wurde, laut Zustandsbericht, in den Jahren 1632 und 1745
gebaut beziehungs- weise ergänzt und 1787 einer Restauration
unterworfen. Dieses überaus reich verzierte und kostbare Instrument steht
im Musée d'Art et d'Histoire de Neuchâtel. www.mahu.ch.
Die Schönheiten und der einzigartige Klangreichtum der Instrumente von
Johann Ruckers, auch dieses opus' sind bis heute unerreicht. Auch die
penibelsten Nachbauten reichen nicht an die Originale heran.
Fazit: Diese Einspielung der sechs
Französischen Suiten von Johann Sebastian Bach, gehören zum Schönsten und
Wertvollsten, was die Interpretationen dieser Werke, jedoch auch der
weiteren Barock-Werke dieser Gattung anbetrifft. Das Cembalo von Johann
Ruckers ist ein einzigartig in Klang und Lebendigkeit. Rousset spielt mit
herrlicher Natürlichkeit und Lebendigkeit. Diese beiden CDs kann man
jedem Musikfreund wärmstens empfehlen.
Summary: These recordings of the six French Suites by Johann
Sebastian Bach are of utmost beauty and sound quality. The harpsichord by
Johann Ruckers is a wonderful instrument, just the right one for this
admirable music. Rousset is a highly perfect virtuoso and musician.
Warmest recommendation for these two CDs.
*
(60) Emmanuel Le Divellec, Orgue de l'Église française de Berne.
de Grigny, J. S. Bach, A.P.F. Boëly. Orgelbau Goll AG, Luzern
1991. Gallo CD 1186. Vertrieb: Klassik Center Kassel
Die Werkauswahl für diese CD ist für die
Präsentation der vielfältigen Möglichkeiten in stilistischer als auch
klanglicher Hinsicht der Goll-Orgel bestens geeignet. Hier stehen Werke
des 17. und 19. Jahrhunderts auf dem Programm. Die Goll-Orgel entfaltet
für die Hymnen über "Veni creator" nicht gerade das ideale
Klangbild, wenn man als Vergleich eine Cliquot- Orgel heranzieht. Der
Diskantbereich ist ziemlich scharf geraten. Dagegen sind Krummhorn oder
Cornet eine reine Ohrenweide. Die Bach-Werke, insbesondere die Fantasie
BWV 562, werden recht schwerfällig wiedergegeben. Das Mikrophon war bei
der Pièce d'orgue zu nah am Pfeifenwerk und klingt daher unnötig scharf.
Das Lentement, über dessen "wahres" Tempo man auch in Zukunft
immer noch rätseln wird, ist dennoch einfach zu lentement. Das gilt auch
für das Choralvorspiel "Herr Gott, nun schleuß den Himmel auf"
BWV 617, das zu träge gespielt wird.
Die eigentliche Überraschung und damit die
wärmste Empfehlung für diese CD bilden die Stücke von A.P.F. Boëly. Es
sind hauptsächlich Teile aus op. 15 und op. 18. Sie liegen Emmanuel Le
Divellec hörbar deutlich am Herzen, wählt er doch die Tempi ausgesprochen
flüssig und mit exquisiter Registrierung. Die ausgewählten Werke sind im
Konzertleben, auch in Frankreich, nahezu unbekannt und können hier
mustergültig und zur Begeisterung des Orgelfreunds angehört werden. Auch
die Bearbeitung und Ergänzung des letzten Kontrapunkts von Bachs "
Kunst der Fuge" hat Boëly außerordentlich interessant gestaltet. Die
Toccata op.42, Nr. 13 bildet einen strahlenden Abschluss für diese
Einspielung.
Fazit: Diese CD ist vor allem wegen
der eingespielten Werke von A.P.F. Boëly empfehlenswert. Sie werden hier
nicht nur auf hohem künstlerischem Niveau auf einer großartigen
Goll-Orgel interpretiert, sondern zeigen vor allem, was für ein
meisterhafter Komponist Boëly war.
Summary: This is a suitable CD for the representation of the fine
Goll-Organ. While the compositions by Bach and de Grigny might be known
to the organ connaisseur, the works by Boëly reveal the outstanding
mastership of this master of the 19th century. These pieces find in Le
Divellec a worthy and excellent interpretation.
*
(59) Johann Sebastian Bach, Orgelwerke.
Orgel: Ladegast 1862, Eule 2004. Nikolaikirche Leipzig. Jürgen Wolf,
Organist. ram 50504. Vertrieb: Klassik Center Kassel
Auch diese CD bringt vom Programm her gesehen
einige der bekanntesten und wichtigsten, sicherlich auch schönsten Werke
Johann Sebastian Bachs zu Gehör. Eine solche CD ist legitim, um einem
Besucher der Nikolaikirche, einem geschichtsträchtigsten Orte
Deutschlands, oder einem Orgelfreund die Klangmöglichkeiten der Orgel und
die Interpretationsfähigkeiten des Organisten auf den Nachhauseweg
mitzugeben. Die technischen Fähigkeiten und die künstlerischen
Ausdrucksmöglichkeiten Jürgen Wolfs sind ausgezeichnet. Er vermag den
Registerreichtum und die reiche Auswahl der Farbpalette der
Ladegast/Eule-Orgel bei Bachs Hauptwerken - der Partita "Sei
gegrüßet, Jesu gütig" BWV 768 und "O Gott, du frommer
Gott" BWV 767, der Passacaglia c-Moll BWV 582 oder der "Pièce
d'orgue" BWV 572 - überzeugend einzusetzen. Der Zuhörer wird von dem
starken und dichten Einsatz des Hauptwerks gleich eingangs in der Toccata
d-Moll BWV 565 sicherlich mächtig beeindruckt. Auch dies ist legitim.
Wozu sollte sonst eine Orgelein- spielung dienen? Die Vielfalt der
Register zeigt sich besonders beim Einsatz als Solo-Register oder im
Verbund mit Nachbarregistern als cantus firmus in den Partiten.
Wunderschön kann man diesen Klangreichtum auch in der Passacaglia
genießen. Die Steigerung zu den Schlußtakten hin gelingt Wolfs mit seinem
klug disponierten Elan hinreißend. Der c.f. bleibt jedoch stets im
stärksten Stimmgewühle klar durchhörbar. Der warme, frische Klang der
Orgel kommt besonders in der Pièce d'orgue zur Geltung. Ungewohnt bleibt
die leise Grunddynamik im fünfstimmigen Mittelteil. Auf alle Fälle ist
der schnelle Duktus des abschließenden "Lentement" die beste
Lösung dieser seltsamen Tempoangabe.
Fazit: Eine hervorragende Demonstration
für die künstlerischen Fähigkeiten des Organisten Jürgen Wolf und ein
überzeugender Einblick in die grandiosen Möglichkeiten der
Lagegast/Eule-Orgel in dieser geschichtlich bedeutsamen Kirche.
Summary: An excellent demonstration of the artificial potential of
Jürgen Wolf and a convincing feature of the grand Ladegast/Eule-Organ in
the historically momentous Nikolaikirche in Leipzig, not only since the
peaceful revolution in 1989.
*
(58) Vom Dunkel zum Licht. Musik für
Posaune und Orgel aus dem Dom zu Trier. Enjott Schneider. Olivier
Messiaen. Petr Eben. Helmut Bornefeld. Simone Candotto. Bruno Bjelinski.
- Stefan Geiger, Posaune. Josef Still, Hauptorgel. Ulrich
Krupp, Chororgel. Larissa Boie, Glocke. Hauptorgel Johannes
Klais, 1974. organum, Classics Ogm 291071, 2009. Vertrieb: Klassik Center
Kassel.
Oft genug muß die alte Sentenz - per aspera ad
astra - als Verlegenheitslösung herhalten, wenn kein zutreffender Titel
für eine CD zu finden ist. Hier aber ist der Titel "Vom Dunkel zum
Licht" für die Programmfolge absolut passend. Die zwei Stücke
"Golgatha" von Bornefeld spiegeln mit tiefen, drohenden,
langgezogenen Posaunentönen und dissonanten Orgelklängen das unheilvolle
Geschehen um Jesus wider. Insgesamt vier meditative, leise Stücke von
Messiaen gliedern die Nummernfolge dieser CD, weisen aber schon auf die
Erlösung und Wendung zum Licht hin. Die beeindruckenden
"Anrufungen" von Eben künden eher von der Ungewissheit als von
der Gewissheit nach Erlösung. Dann aber beginnt ein herrlicher,
besinnlicher und gehaltvoller Spaß mit Bornefelds "Appenzeller
Kuhreigen mit Abendsegen "Nun sich der Tag geendet hat." für
Posaune, eine Glocke, Positiv und Orgel. Es kein platter Spaß, sondern
ein originelles Spiel mit verschiedenen Tonarten und Instrumenten.
Bornefeld weiß die Posaune von ihrem Timbre her richtig einzusetzen und
fügt sie in einem polytonalen Tonsatz zu einem hinreißenden
Naturerlebnis. Bis der vierstimmige Choralsatz schließlich eine
beruhigende Ordnung schafft. Wunderbar tänzerisch in einer
lichtdurchfluteten, heiteren Atmosphäre bewegen sich die "Drei
Legenden" von Bjelinski (1909-1992). Diese Sätze lassen sich sogar
zur rechten Zeit im Kirchenjahr liturgisch einsetzen. Die Qualität
der Klais-Orgel ist über jeden Zweifel erhaben. Sie klingt gerade
bei Messiaen authentisch. Geigers Posaunenspiel bringt die Stimmungen in
den jeweiligen Kompositionen technisch perfekt und außerordentlich
lebendig zum Ausdruck.
Fazit: Die Folge der Kompositionen auf
dieser CD ist in der Tat ein Weg aus der Dunkelheit ins Licht. Organist
und Posaunist sprechen den Hörer sehr eindringlich an und überzeugen
durch technisch perfektes und lebendiges Spiel. Diese CD ist in
musikalischer und aufnahmetechnischer Hinsicht sehr empfehlenswert.
Summary: The sequency of these musical works is really a way from
dark to light. Especially the atmosphere of light and hilarity is
absolutely convincing and charming. Organist and trombone player are
masters of their instrument. This CD can be recommended without any dout.
*
(57) Ludwig van Beethoven par Friedrich Wührer. Intégrale
des concertos pour piano et orchestre. Triple concerto pour piano, violon
et violoncelle. Sonates pour piano op. 109, 110, 111.
Enregistrements VOX. harmonia mundi, distribution www.tahra.com. Thara TAH 704-707. Vertrieb Deutschland: Klassik Center
Kassel.
Daß der Pianist Friedrich Wührer heute nur
noch wenigen Musikfreunden bekannt ist, hat mehrere Gründe. Er vertrat
nach dem Zweiten Weltkrieg eine andere Generation von Pianisten, die das
Pathos und die große Inszenierung von Interpretationen streng vermieden.
Die objektive Wiedergabe von Kompositionen war ihm oberstes Gebot. Ihm
selbst fehlte jedoch die technische und musikalische Überlegenheit, die
seine nur wenig jüngeren Kollegen auszeichnete. Er war als Pädagoge sehr
bekannt und bildete zahlreiche Pianisten heran. Er stellte in seinem
Unterricht höchste Maßstäbe an die perfekte Ausführung des manuellen
Anschlags. Diese Strenge ist seinen Einspielungen anzuhören. Dabei blieb
er gegenüber seinen Zeitgenossen zumeist im Schatten eindrucksvoller
Wiedergaben. Nicht umsonst trägt diese CD-Kollektion im Obertitel die
Schlagzeile "Back from the Shadows". Hört man seine
Beethoven-Einspielungen an, so gewinnt man ein klares Bild der unsentimentalen
Einstellung gerade zu diesem Komponisten.
Fazit: diese CD-Sammlung ist vor allem für
den Freund und Interessenten der Interpretationsweise der Nachkriegszeit.
Klarheit und Objektivität bestimmen die technisch gut aufgearbeitete
Doppel-Kassette.
Summary: the interpretations of Friedrich Wührer, here solely with
piano music by Beethoven, stand for the objective, clear and german style
of piano playing in Germany after World War II. The technical mastering
of these CDs is excellent and give a good feature of this great teacher
and pianist.
*
(56) Robert Schumann, Das Orgelwerk.
Studien für den Pedalflügel op.56, Skizzen für den Pedalflügel op.58,
Sechs Fugen über den Namen BACH op. 60. Olivier Vernet, Orgel. Stiehr-Jaquot-Orgel
(1859/1873), L'église St-Michel de Wisches (Dep. 67). Ligia Lidi
0104222-10, Vertrieb: Klassik Center Kassel
Diese CD setzt in jeder Hinsicht höchste
Maßstäbe. Beginnen wir mit der Aufnahmetechnik. Die musikalischen Werke
erklingen hier in einer ganz natürlichen, frischen Räumlichkeit. Die
Balance von den höchsten Diskantstimmen bis zum Baß ist perfekt
ausgewogen und unverzerrt. Diese Orgel ist als romantisch konzipiertes
Instrument für die Wiedergabe der Werke perfekt geeignet. Die Vielfalt
der verschiedenen Registergruppen - sowohl die Prinzipale als auch die
Zungenregister - entfaltet einen wunderschönen Farbenreichtum. Man höre
nur das Stück "Nicht zu schnell" mit seinen klangvollen
Staccati und den hinreißend knorrigen Zungenstimmen, oder die gefühlvoll
streichende Begleitung zum führenden Melodie in Stück Nr. 2 "Mit
innigem Ausdruck". Wunderschön auch der Kontrast zwischen den
streichenden Prinzipalen und den markanten Zungen im Mittelteil von Nr. 7
"Nicht zu schnell und sehr markiert". Der strahlende
Gesamtklang in Nr. 8 "Nicht zu schnell und sehr markiert"
könnte auch gut als ausleitende "Sortie" am Schluß einer
kirchlichen Feier stehen. Die dynamische Steigerung im Schlußstück Nr. 16
"Mäßig, nach und nach schneller" gelingt Vernet einfach
grandios. Auch insgesamt kann man die Interpretationen von Vernet und
damit des "Orgelwerks" von Robert Schumann nur als perfekt und
vorbildlich bezeichnen. Er registriert die Stücke nicht als akademische
Schulaufgaben, sondern als Charakterstücke in strengem Fugenstil, aber
doch jede mit eigener Form und eigenem Klang. Für diese Einspielung
gebührt Vernet höchstes interpretatorisches Lob.
Und noch eines: Vernet zeigt uns, mit welch
einzigartiger Genialität Robert Schumann jedes einzelne Stück konzipiert
und geschrieben hat. Waren schon die "Kreisleriana" oder der
"Carnaval" von unfaßbarer Modernität und Erfindungskraft, so
beweist Schumann, wieviel kompositorische Freiheit auch in der scheinbar
gebändigten Form der Fuge liegt. Derart - ich wiederhole mich gerne -
"genial" hat erst wieder Max Reger sich in diese musikalische
Form eingelassen und erfüllt. Trotz Rheinberger oder Zeitgenossen. Franz
Liszt natürlich ausgenommen, jedoch mit völlig anderen formalen Lösungen.
Fazit: Olivier Vernet ist hier eine
Referenzeinspielung der drei Werksammlungen gelungen. Höchste Anerkennung
für seine hinreißende und wunderschöne Ausführung, die den genialen Wurf
von Schumanns Stücken adäquat zur Geltung bringt. In jeder Hinsicht grandios.
Vernet's interpretation of Robert Schumann's pedal keyboard
instruments is unrivalled. His organ version is colourful and technically
perfect. With the wonderful sound of the french-romantic instrument he
reveales the often underestimated genius of these three work groups. This
adorably CDs can highly be recommended.
*
My new artificial left knee joint is healing
perfectly. I can walk nearly like in former days. I am back again.
(55 a) Olivier Messiaen, Orgelwerke Vol.
1. La Nativité du Seigneur. Eberhard Lauer, Kuhn-Orgel der
Evangelisch-Lutherischen St. Johanniskirche, Hamburg-Altona. ambitus amb
96 920. © 2007. Distribution: Klassik Center Kassel.
(55 b) Olivier Messiaen, Orgelwerke Vol.
2. L'Ascension. Messe
de la Pentecôte. Apparition de l'Eglise éternelle. Le Banquet
céleste. Eberhard Lauer, Kuhn-Orgel im Dom zu Minden. ambitus amb
96 940. © 2008. Distribution: Klassik Center Kassel.
(55 c) Olivier Messiaen, Orgelwerke Vol.
3. Les Corps Glorieux. Verset pour la Fête de la Dédicace. Diptyque.
Eberhard Lauer, Kuhn-Orgel im Dom zu Minden und Kuhn-Orgel der
Johanniskirche Hamburg-Altona. ambitus amb 96 943. © 2008. Distribution:
Klassik Center Kassel.
(55 d) Olivier Messiaen, Orgelwerke Vol.
4. Méditations sur le Mystère de la Sainte Trinité. Eberhard Lauer an der
Kuhn-Orgel im Dom zu Minden. ambitus amb 96 944. © 2008. Distribution:
Klassik Center Kassel.
Olivier Messiaen hat sein gesamtes Orgelwerk
für Orgeln von Aristide Cavaillé-Coll konzipiert. Die Vielzahl von
Aliquoten, extrem hohen und tiefen Register und die spezifischen
Klangkombinationen sind auf diesen Orgeltyp abgestimmt. Dazu kommt die
Notwendigkeit, seine Werke in einer Kathedralakustik erklingen zu lassen,
wie wir sie in den großen Kathedralen Frankreichs vorfinden. Alle
diese Komponenten ergeben die von Messiaen angestrebten
Klangvorstellungen und erwecken die in den Klängen enthaltenen
Glaubensinhalte.
Ist demnach Orgelmusik von
Messiaen nur auf einer C.-C.-Orgel realisierbar? Ist es demnach nicht
erlaubt, Instrumente anderer Orgelbaufirmen für Konzerte oder
CD-Aufnahmen heranzuziehen? Keineswegs. Die Orgeln der schweizerischen
Orgelbaufirma Kuhn in Männedorf am Zürichsee besitzen in ihrem
Registerbestand die meisten Register, die für Messiaen wichtig und
notwendig sind. Außerdem hört man in der Akustik des Mindener Doms jeden
Ton mindestens acht Sekunden lang, was durchaus den Eindruck einer
Kathedralakustik vermittelt. Innerhalb dieser klanglichen Bedingungen hat
Eberhard Lauer vier CDs mit wichtigen Werken von Messiaen aufgenommen.
Die Phrasierungen seines Spiels folgen
ziemlich genau den Ausführungen in der Partitur und den Aufnahmen von
Messiaen selbst an seiner Orgel in Ste. Trinité. So sind die
Staccato-Akkorde in "Les Bergers" des Zyklus "La Nativité
du Seigneur" oder in "Le Verbe" recht kurz geraten,
ähnlich der Vortragsweise von Messiaen. An der Kuhn-Orgel in
Hamburg-Altona hätten sie ein wenig länger ausgehalten werden können. Der
allgemeine Klang ist bei beiden Orgeln sehr stabil, fest und durch rasche
Einschwingvorgänge sehr diskret am Ohr des Hörers, anders als bei den
großzügig einsetzenden Tönen der C.-C.-Orgeln. Andererseits betört
beispielsweise die sichere Tongebung des fünffachen Cornet 8' in Altona
sogleich in seiner ganzen Schönheit und authentischen Klangfärbung im
Mittelteil von "Le Verbe". Die typischen Messiaen-Farben kommen
bis zum "Dieu parmi nous" gut zur Geltung. Lediglich hätte die
gesamte Wiedergabe mehr Elan und magische Stimmung vertragen.
Die Kuhn-Orgel im Dom zu Minden vermag alle
Klangvorstellungen Messiaens wiederzugeben. Beispielhaft für den
Farbenreichtum der verwendeten Register und die Ausnutzung der
vorteilhaft langen Hall-Dauer mag "L'Apparition de l'Église
éternelle" auf Vol. 2 stehen. Zu hören ist ein grandioses Finale.
Die gesamten Aufzeichnungen dieser vier CDs sprechen demnach für
eine Aufführung von Messiaens Orgelwerken außerhalb einer französischen
Kathedrale. Wer Klangbeispiele für streichende, schwebende Klangflächen
sucht, sollte den "Combat de la mort et de la vie" aus
"Les Corps Glorieux" oder die "Méditations VII"
der "Méditations sur le Mystère de la Sainte Trinité" auf Vol.
4 hören. Dort kommt man nochmals in den wunderbaren Genuß des
weittragenden, ungemein schön klingenden und klaren Cornets, sowie der
verschiedenen Register, welche die Vogel-Stimmen von Goldammer, der
Gartengrasmücke oder der Mönchsgrasmücke. Auch hier ein mitreißend
rauschhaftes Finale.
Die Booklets informieren vorbildlich über die
Titel und Untertitel der einzelnen Partituren in deutscher, französischer
und englischer Sprache. Außerdem gibt es von Messiaen und
Lauer eine ausführliche Beschreibung des religiösen Inhalts der Zyklen.
Die grundlegenden Themen der "Méditations" werden im Drucksatz
wiedergegeben. Reichliche Erläuterungen zur Registerwahl findet man in
den drei Sprachen ebenso wie die Dispositionen der beiden Kuhn-Orgeln.
Sehr schöne Farbphotos der beiden Instrumente zieren die Rückseite
des Booklets.
Fazit: Diese vier Einspielungen mit
Orgelwerken von Olivier Messiaen können als Leitbild dienen, wie und wo
man dessen Werke außerhalb von Frankreich mit seinen Cavaillé-Coll-Orgeln
und der Kathedralakustik aufführen kann. Die Interpretationen von
Eberhard Lauer stehen auf hohem technischen Niveau. Die Booklets erfüllen
jeden Wunsch nach ausgiebiger Information über die Orgeln, die jeweiligen
Dispositionen und die eingespielten Kompositionen.
These four recordings of organ works by Olivier Messiaen can be
taken as model how to play his compositions outside of french cathedrals
and their acoustic conditions as well as non-Cavaillé-Coll-organs.
Eberhard Lauer plays the music with great technical skills. The booklets
meet every wish in respect to informations about the organs, the
dispositions and the wordings of Messiaen about the theological content
of his music, given in his scores.
*
(54) Musik aus sächsischen Schlosskirchen. Music from Saxon
Castle Churches. Ensemble Concert Royal Cologne, Karla Schröter,
Barockoboe. Chiharu Abe, Barockvioline. Ulrich Schardt, Baroque Trombone.
Willi Kronenberg, historische Heinemann-Orgel, Historical Organ in
Wetter. Werke für Barockoboe, Barockposaune, Barockvioline und
Orgel.
Sonaten und Choralbearbeitungen von
Johann Ludwig Krebs, Gottfried August Homilius, Johann Sebastian
Bach, Gotthilf Friedrich Ebhardt und Christian Gottfried Tag.
Cantate C 580038. © 2009. Vertrieb
Klassik Center Kassel.
Mit dem Tod von Johann Sebastian Bach
im Jahre 1750 war in der Tat die imposante Epoche des musikalischen
Barock einschneidend zuende gegangen. Die zu seinen Lebzeiten geborenen
Epigonen, deren Werke in der zweiten Jahrhunderthälfte erschienen sind, verwendeten
zwar noch die überkommenen Formen, beispielsweise des Choralvor- spiels,
erschienen jedoch in einem verkleinerten Format, oft nur innerhalb
weniger Minuten. Statt der formalen Dominanz bekam jedoch nach Bach der
Klangreiz mehr Beachtung und Gewicht.
Diese Einspielung versammelt eine attraktive
Auswahl von Werken aus der unmittelbaren Nach-Bach-Zeit. Die grundtönig
konzipierte Heinemann-Orgel besitzt nur ein Aliquotregister, eine
Sesquialtera 2fach. Farbe bringt vor allem die Beteiligung der Barockoboe
und der Oboe d'amore ins Spiel. eine Barockposaune ist lediglich in zwei
Choral-Werken von Homilius und eine Barockvioline in der Choral-Fantasie
"Jesus, meines Lebens Leben" BWV 1107 von Johann Sebastian Bach
zu hören. Für den Orgelfreund gehören die Choräle und die Komponisten
sicher zum Stamm einer historischen Sammlung. Außerordentlich erfreulich
ist jedoch die musikantische Spielweise von Karla Schröter auf den beiden
Barock-Oboen. Sie spielt außerordentlich lebendig und artikuliert ganz
natürlich in der alten Manier der Klangrede. Sie versteht in
hervorragender Weise, das runde, klangschöne Volumen ihrer Instrumente
zur Geltung zu bringen. Ihre Interpretation trägt in großem Maße dazu
bei, daß diese CD sehr empfohlen werden kann.
Fazit: Die eingespielten Werke bereichern
wegen ihrer historischen Stellung nach Johann Sebastian Bach das Archiv
eines jeden Orgelfreundes. Das hervorragend lebendige und authentische
Spiel von Karla Schröter auf Barock-Oboen macht diese CD jedoch besonders
empfehlenswert. - The collection of significant post-bachian epoque is
one of the preferences of this CD. None the less, important is the admirable
interpretation of Karla Schröter. Her vital and variable play fits
perfectly to the two colourful and voluminous barock-hoboes.
*
(53) Louis Vierne, Pierre Moreau aux
Grandes Orgues de Notre-Dame de Paris. Éditions André Charlin. AMS 107 ©
1967 P 2009. Vertrieb: Klassik Center Kassel.
Wenn man von der Orgel in der weltberühmten
Kathedrale Notre-Dame in Paris spricht, so muß man korrekterweise, wie im
Französischen, von mehreren Orgeln sprechen. Seit dem 13. Jahrhundert
erklingen in diesem Zentralbau der französischen Christenheit Orgeln. Die
erste Orgel wurde in Jahren 1863 bis 1868 von Aristide Cavaillé-Coll
ersetzt. durch ihre einzigartigen Klangmöglichkeiten und -schönheit hat
sie jahrzehntelang als Vorbild für den französischen Orgelbau gedient und
zahlreiche, bis heute unerreichte Künstler an dieser Orgel zu
unvergleichlichen, genialen Werken inspiriert. Mehrere Umbauten haben das
Instrument ergänzt, erweitert und modernisiert, ohne seinen
majestätischen Grundcharakter wesentlich zu verändern. Manche Orgelbauer
sprechen von fünf Orgeln in einem Instrument auf der Westempore der
Kathedrale.
In der vorliegenden Einspielung hören wir die
Notre-Dame-Orgel in ihrer Klanggestalt des Jahres 1967. Ihr Charakter ist
ein wenig weicher und geschlossener als heute. Er entspricht in idealer
Weise den Klangvorstellungen von Louis Vierne, der dort von 1900
bis zu seinem Tod - er starb während eines seiner Orgelkonzerte an seinem
Instrument im Jahre 1937 - als Titulaire-Organist tätig war. Man sollte
nie versäumen, seine sechs Symphonien für Orgel anzuhören, da sie mit zu
den großartigsten Werken seit Johann Sebastian Bach gehören. Man
überzeuge sich selbst. Auf dieser CD finden wir je fünf Stücke aus den 24
Pièces en style libre op. 31 und den Pièces de fantaisie aus den Jahren
1926 und 1927. Pierre Moreau, der 1907 geborene Organist, spielt sie
stilsicher und virtuos dem Inhalt der Kompositionen und der gesamten
Ambiance entsprechend majestätisch und unter dem Einsatz der Farbvielfalt
der 111 Register. Das gilt herrlich anrührend bei der "Hymne au soleil"
oder der "Légende". Grandios gestaltet er die
"Cathédrale" oder "Sur le Rhin". Das "Carillon
de Westminster" klingt hier in keiner Weise abgedroschen und
durchgehetzt, sondern schwelgt genüßlich in der hin- und herwogenden
Thematik und himmlischen Harmonien. Man darf diese Aufzeichnung durchaus
mit allen aufgedrehten Knöpfen der Stereoanlage hören, sie klingt nie
übersteuert, sondern klar und frisch.
Fazit: Natürlich klangen die Orgeln in
Notre-Dame in allen Epochen überwältigend. Als Zeuge einer schon entfernteren
Epoche und als hervorragendes Beispiel einer authentischen Interpretation
ist diese Einspielung unbedingt empfehlenswert.
*
(52 a) claXL - Wilhelm Kempff, Brahms,
Klavierkonzert Nr.2. Orchestra "Alessandro Scarlatti" della
Radiotelevisione Italiana, Dirigent Pietro Agento. Konzertmitschnitt
21.02.1958. © 2009. HCD 0909. www.claXL.de
Mit dem Erwerb dieser beiden CDs hat claXL
einen glücklichen Griff getan. Es gibt viele Tonaufzeichnungen von
Wilhelm Kempff, diese beiden waren es unbedingt wert, dem Schattendasein
entrissen zu werden. Hört man die Meinungen von Pianisten-Kollegen,
Kritikern und allgemein Musikfreunden, so wird immer wieder das singende,
fast unmaterielle Spiel Kempffs hervorgehoben. Viele Pianisten sehen ihn
noch heute als musikalisches und pianistisches Vorbild an. Zunächst
eigenartig mutet es an, wenn Kempff es mit der Treffsicherheit nicht so
genau nimmt. Er befindet sich dabei in guter Gesellschaft. Alfred Cortot
greift in seinen Chopin-Interpretation ungerührt in die falschen Tasten.
Oder gar Arthur Rubinstein nannte sich selbst den "Champion der
falschen Noten". Kempff hat darüber eine klare Auskunft gegeben. In
den Jahren vor dem 2. Weltkrieg war es nicht so wichtig, unbedingt auf
technische Fehlerfreiheit zu achten. Die musikalische Gestaltung stand an
erster Stelle und die allgemeine technische Kompetenz für das zu bewältigende
Klavierwerk.
Konzentriert man sich also auf die klangliche
Wiedergabe des 2. Klavierkonzerts von Brahms, so kommt man sehrschnell
ins Schwärmen über den wohlklingenden, runden Anschlag. Es gibt keinen
stumpfen oder unbedachten Ton, alles klingt glanzvoll und rein. Das
Orchester steht ihm hinsichtlich Lebendigkeit und dynamischer
Differenzierung kaum nach. Herrlich leicht und hell erklingt das Scherzo,
mit geradezu französischem Charme und durchgehender légèreté.
Die Reinheit des Tons im singenden Spiel
kommt natürlich besonders berückend zur Geltung im Dialog zwischen
Klavier und Solo-Cello im konzertanten Lied "Immer leiser wird mein
Schlummer." Nichts von dem Brahms-Gedonner, das sich manche Künstler
angewöhnt haben, ist hier zu vernehmen. Ob Triller oder schnelle Läufe,
immer wieder bewundert man die klangvolle Leichtigkeit des Spiels von
Wilhelm Kempff.
(52 b) claXL - Wilhelm Kempff in Potsdam,
Johann Sebastian Bach, Französische Suite Nr. 5 G-Dur, BWV 819. Franz Schubert, Impromptus
op.90, Nr. 1 bis 4. D 899 1 bis 4. Johannes Brahms, Capriccio h-moll
op.76,2. Rhapsodie g-Moll op.79,2. © 2008 HCD 0808.
Die herrliche französische Leichtigkeit
treffen wir auch in der Wiedergabe der 5. Französischen Suite BWV816 von
Johann Sebastian Bach an. Fast schwerelos, ohne akademische Strenge oder
Trockenheit, fließen die Stimmen voran, teilweise mit einem leichten
Sordino-Effekt abgedunkelt. Triller, und noch mehr die Mordente, sind
Farb- und Erregungsträger, die einem Werk zusätzliche Spannung und
Lebendigkeit verleihen. Spritzig leicht wird die Gavotte, betont hüpfend
im Secco-Ton und stürmisch und akzentreich die Bourrée wiedergegeben.
Ganz zurückhaltend, wie mit einem 4' und Lautenzug ist die Loure
eingefärbt. Als Beispiel seines unglaublich genialen Klavierspiels dient
die Gigue. Derart inspiriert, zauberhaft leicht und lebendig sprudelnd
hat man diesen Satz, wie aber auch die gesamte Suite noch nie gehört.
Derart leicht beflügelt und von einem wohldosierten Elan hat sie wohl
noch kein Pianist gespielt.
Nochmals: einfach genial, inspiriert und
klangschön!
(51) Arthaus Musik - Der Ring des
Nibelungen, Richard Wagner. Deutsches National Theater und Staatskapelle
Weimar, Dirigent: Carl St. Clair. Regie Michael Schulz. Life Aufnahme
2008. 4 Blu-ray Discs
Das Rheingold 101 354, Die Walküre 101 356,
Siegfried 101358, Götterdämmerung 101 360.
Sprechen wir nicht von den sängerischen
Leistungen in dieser Produktion. Es wäre unfair den Sängern gegenüber und
unwichtig, weil diese Aufzeichnungen aus dem Staatstheater Weimar viele
hervorragende Aspekte aufweist, die sehr außerordentlich bemerkenswert
sind. Dennoch dürfen zwei Gesangssolisten herausgehoben werden, da sie
sowohl gesanglich als auch wegen ihrer darstellerischen Präsenz besonders
beeindrucken. Da ist einmal Nadine Weissmann, deren stabile und
voluminöse Stimme die Macht als Götterwesen und die tragische
Betroffenheit als Betrogene tief unter die Haut geht. Und da ist Hidekazu
Tsumaya, der - wie einst der legendäre Karl Ridderbusch - eine wundersame
Wärme in den Gesang und die Gestaltung des Fafner legt. Er zeigt keinen
tumben Riesen, der tölpelhaft überlistet werden kann. Als Riesenwurm
sympathisiert er mit starken menschlichen Zügen mit dem wahrlich noch
unbedarften Siegfried.
Das Orchester spielt die anstrengende und
überwältigende Partitur einwandfrei. Mehr lässt sich mit gutem Gewissen
nicht sagen, da die technischen Gegebenheiten meiner TV-Lautsprecher
nicht den vollständigen Sound wiedergeben können. Die Vorteile der
Blu-ray-Technik liegen zunächst einmal in der überaus eng komprimierten
Datenfülle, die es ermöglicht, je eine ganze Oper auf einer Scheibe zu
vereinigen. Dies bedeutet eine enorme Platzersparnis. Sie ermöglicht,
Bild und Ton im großen Umfang auf einem Datenträger ohne Probleme
unterzubringen.
Insgesamt stellt man fest, daß im Verlaufe
der vier Ring-Abende alle Sänger zunehmend an darstellerischer Intensität
gewinnen. Es wird immer deutlicher, wie sehr die schicksalhaften Pläne,
Entwicklungen und Konsequenzen den Dramen einer antiken Tragik mit einer
abgründigen Tiefe gleichkommen. Dies ist sicher im Sinne Richard
Wagners, der die antike Dramen-Welt sehr genau kannte und in seine
Ring-Welt einbrachte. Es liegt vor allem an der außergewöhnlichen Regie,
welche einen so tiefen und nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Es ist
das schlüssige, logische und sinnerhellende Gesamtkonzept, das - endlich!
- ohne Firlefanz in Einzelaktion auskommt. Das beginnt mit der
anrührenden Anwesenheit der Erda, die, so scheint es, zumeist stumm in
allen vier Opern das Geschehen auf der Bühne mitverfolgt. Klar, sie ist
allwissend und überprüft, ob alles nach dem Plan des Schicksals und der
Nornen abläuft. Sie leidet mit in der erschütternden Waltrautenszene der
"Götterdämmerung" und formt den toten Siegmund und Siegfried zu
einer beklemmenden Pietà, die zugleich an das Gemälde des liegenden
Leichnam Jesu im Kunstmuseum Basel erinnert. Die Verwandlung Erdas in
Grane in der Schlußszene des "Rings" ist unmittelbar einsehbar.
Das reinigende Wasser aus dem Himmel, auch als Sintflut deutbar, ist der
wesentliche Vorgang für einen Neuanfang der Welt, ohne Götter. In einem
kurzen Szenenausschnitt sieht man, wie der Ring auf dem Speer aufgespießt
ist. Markanter kann man die versammelten Symbole der Macht und Verträge
nicht anschaulich machen.
Selbst der Quicky mit dem Waldvögelein, kurz
und oberflächlich, appelliert nicht vordergründig an unsere Instinkte,
sondern offenbart das moralfreie, nicht amoralische, Verhalten der
Naturwesen. Dies trifft ebenso auf die Rheintöchter zu, die im
"Rheingold" mit ihrem tändelnden Verhalten den Raub des
Rheingolds ermöglichen, oder in der "Götterdämmerung" die
Gelegenheit verscherzen, den verfluchten Ring dem Rhein wiederzugeben.
Selbst die wahrhaft aufreizende Begattung von Brünnhilde durch Gunther in
der "Götterdämmerung" hat ihren Sinn als Rache gegenüber
Siegfried und der beschleunigten Herbeiführung des Untergangs der
Götter.
So ließen sich noch zahlreiche Assoziationen,
Symbole oder Bilder aufzählen, die zu einem sinnträchtigen Verständnis
dieser "Ring"-Aufführung anleiten.
Das Fazit für diese Blu-ray-Einspielung
und dieser Aufführung der vier "Ring"-Opern kann deshalb nur
lauten, daß diese Aufnahme allemal die Anschaffung lohnt - zum Anhören
und Ansehen und Nachdenken.
*
(50) oehms
classics - Frédéric Chopin, Hélène Tysman.
Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op.35. 24 Préludes op. 28
OC 782 © 2010.
Solch eine Interpretation der Klaviermusik von F. Chopin hat man
bisher noch nie gehört. Was man hier von der 28jährigen Pianistin Hélène
Tysman angeboten bekommt, ist entfernt von aller gefühligen Romantik oder
ausgiebigen Pedalverschleierung. Zugegeben, so wie Chopin seine eigene
Musik vorgetragen hat, kann man heute nicht mehr spielen: fast stets im
Pianobereich, mit zurückhaltender Brillanz und ganz auf die Dimensionen
eines Salons abgestimmt. Tysman jedoch verzichtet überwiegend auf das
Fortepedal und beweist in allen hier eingespielten Stücken eine enorme,
durch die Aufnahmetechnik stets überprüfbare einwandfreie Technik. Die
Künstlerin beruft sich dabei auf Chopin-Editionen, in denen auf lange
Strecken hin kein Pedal-Zeichen eingetragen ist. Daß dies keinesfalls auf
Chopins Willen hin geschieht, steht fest, da es keine wissenschaftliche
Urtext-Ausgabe von letzter Hand des Komponisten gibt. Was spätere Drucker
und Herausgeber überliefert haben, ist bereits eine Interpretation. Es
geht also auch in dieser Einspielung um eine Ausführung des Notentextes,
die danach zu beurteilen ist, ob der musikalische Inhalt uns authentisch,
also inhaltlich nachvollziehbar, erscheint. Und dies ist, bei aller
Exzentrik der Agogik oder des Anschlags, sehr beeindruckend gelungen.
Nach den wuchtigen Akkorden der Intrada der zweiten Klaviersonate
entfesselt Tysman kein dramatisches Gewühle, sondern gibt uns quasi ein
Strukturbild der Hauptthematik, détaché, nahe am reinen Staccato, im
Anschlag trocken und absolut durchhörig, so daß jede Note jederzeit
vernehmbar ist. Nichts ist verschwommen. Selbst im raschesten Tempo und
bei aller souveräner Kraftentfaltung bleibt das Notenbild klar, ja
gläsern durchsichtig. Überzeugend ist die Gestaltung des lyrischen
Nebenthemas, eingehüllt in ein wohldosiertes Pedalspiel und
kontrastierender Nachdenklichkeit.
Wunderbar gelungen ist die Gegensätzlichkeit im darauffolgenden
Scherzo, bei dem sich nach den anfänglichen Secco-Takten ein überaus
spannungsreicher, stimmungsvoller Mittelteil anschließt. Die
introvertierte, wunderschön singende Melodielinie, die wir auch im
Mittelteil des Trauermarsches wiederhören, zeichnet Tysman als große
pianistische Künstlerin aus.
Der Trauermarsch schleppt sich nicht tränenreich dahin, Tragik oder
Trauer scheint erst in Mittelteil durch. Aus Moll wird eine hinreißend gesungene
Melodielinie in Dur. Schön und zärtlich hält Tysman innere Einkehr.
Vollends rätselhaft bleibt der Schlußsatz sowohl als Komposition von
Frédéric Chopin als auch in der Ausführung durch Hélène Tysman. Die
Presto-Oktaven rasen nicht dahin, sondern werden trocken, ohne Pedal,
ohne Crescendo-Dynamik in den Schlußtakten und durchwegs leise
vorgetragen. Das Hörergebnis ist fast absurd. Jede Note ist hörbar,
nichts ist gestaltet. Und dennoch – das Unerhörte bleibt im Gedächtnis
des Hörers hängen und zwingt zum Nachdenken. Die Interpretation dieser
Sonate ist allemal bedenkenswert.
Préludes, op. 28. – In gleicher Weise, nämlich völlig
ungewohnt, unorthodox, jedoch neuen Erkenntnissen über die Quellenlage
verbunden, hören wir die 24 Préludes von Frédéric Chopin. Die Tempi sind,
wie schon das erste Stück beweist, eher elegant als auf Geschwindigkeit
getrimmt. Dies ist sicher kein „agitato“, aber akzeptabel. Die
Dies-irae-Stimmung von Nr. 2 wird düster und leise ausgeführt. Manche
Eigenheiten sind nicht willkürlich eingesetzt, aber auch nicht immer
einsehbar. Warum die drei Schlußakkorde von Nr. 4 so stark vom Hauptstück
abgetrennt sind, erschließt sich nicht aus der vorangegangenen
Interpretation. Ihr Hang zum Secco-Klang und Spiel ohne Haltepedal finden
wir in Nr. 5 und 6 wieder. Nr. 8, 9 und 10 erinnern ein weiteres Mal an
die eminenten technischen Fähigkeiten der Pianistin. Ihre Fähigkeit zum
singenden Legato-Anschlag und Melodiespiel finden wir ausgeprägt in Nr.
13 oder beispielsweise im „Regentropfen-Preludium“ Nr. 15. Die Nr. 14,
das Pendant zum Schlußsatz der b-Moll-Sonate, ist denn doch zu akkurat
und unpersönlich geraten. Warum der „Choral“ Nr. 20 so wenig
zusammenhängend in den Akkorden vorgetragen wird, sodaß die Akkorde fast
vereinzelt, ohne musikalischen Zusammenhalt erklingen, ist nicht ganz
einsehbar. Nach einem wuchtigen, tollen g-Moll-Agitato von Nr. 22 geht es
mit leicht gebremster Leidenschaft in das überragend ausgeführte
d-Moll-Schlußstück von Nr. 24.
Fazit: was für eine
eigenständige, technisch absolut beeindruckende, musikalisch mit jedem
Takt zum Aufhorchen zwingende Interpretation zweier Hauptwerke von
Chopin! Dies könnte der Interpretationsstil für Chopins
Klaviermusik der kommenden Jahre werden.
*
(49) Musica rediviva - Johann Sebastian Bach, Die
Kunst der Fuge. Bengt Tribukait, Orgel. Cahman Orgel 1728, Kirche von
Leufsta Bruk, Schweden. MRSACD-017. © 2008
Wieder einmal beeindruckt einmal mehr das
Label Musica rediviva durch ein liebevoll gestaltetes, informatives
Booklet. Die Farbphotos des Orgelprospekts und des tief in Pelze
eingemummelten Tribukait, die vereiste, dennoch farbige Landschaft und
des Spieltischs, samt Registerzügen, geben schon einen signifikanten
Eindruck von der Umgebung, in der diese Aufnahme entstanden ist. Die
Texte im Booklet sind in englischer, japanischer und schwedischer Sprache
geschrieben. Eine kurze Einführung in das Werk, sowie die Disposition und
Registrierungen machen die Informationen besonders wertvoll. Der warme,
schöne Gesamtklang der Cahman Orgel aus dem Jahre 1728 nimmt der
"Kunst der Fuge" alles Akademische oder Nüchtern-Sachliche.
Klare Labialflöten ergeben einen klaren Klang als Solo-Register oder im
kräftigen Plenum, das von keinem Überdruck getrübt wird. Wunderschöne
Diskantflöten erhalten zusätzlich eine quecksilbrigen Glanz in Fuge 9,
oder eine virtuos gespielte charaktervolle Trompete 8' bereichert die
Fuge 18. Die Schlußfuge interpretiert Tribukait stilsicher in einem
großartig majestätischen Tonfall.
Fazit: Diese Einspielung empfiehlt sich durch ihr wunderschönes
Klangbild und die anregende Interpretation.
(48) arta - Johann Sebastian Bach,
Goldberg-Variationen BWV 988. Jaroslav
Tůma, Clavichord und Cembalo. 2 CDs. Arta F 10136. ©2005. Vertrieb: Klassik Center Kassel
Das Clavichord ist im
musikalischen Leben fast ausgestorben. Es führt lediglich ein Orchideen-Dasein.
Das Cembalo spielt bei Aufführungen von Werken aus der Barockzeit jedoch
noch eine vitale Rolle. Um so mehr ist es begrüßenswert, wenn Aufnahmen
mit Clavichord und Cembalo erscheinen, vor allem wenn sie den
authentischen Klang für die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian
Bach wiedergeben. Bach hat, laut Inventarliste seines Nachlasses mehrere
Clavichorde und Cembali besessen. Zeitgenossen rühmten, wie
außerordentlich rein und harmonisch er ein Clavichord zu stimmen wusste.
Er benutzte beide Instrumenten-Typen, ohne sich kategorisch festzulegen.
Das bedeutet, dass man dieses Variationswerk, wie etwa auch das
„Wohltemperierte Klavier“, ohne ideologische Festlegung auf dem einen
oder anderen Instrument spielen kann. Oder, um einen wichtigen Begriff
der Barockzeit zu verwenden: man spiele, wie damals, nach dem guten
Geschmack. Diese Sichtweise ist heute natürlich absolut verpönt. Also ist
es nur konsequent, dass man beispielsweise die Goldberg-Variationen
einmal auf einem Clavichord gespielt anhört und andererseits mit einem
Cembalo.
Auf der vorliegenden Doppel-CD
hat Tůma je ein Instrument des Jahres 2004 aus der Werkstatt des
Hamburger Instrumentenbauers Martin Kathers gewählt. Der Stimmton liegt
bei 415 Hz, jedes Instrument wurde ungleichmäßig gestimmt.
Insgesamt wählte Tůma ruhige
und angemessene Tempi, so dass auch 32tel-Läufe in den späteren
Variationen klar und sicher nachvollzogen werden können. Bei einem
Clavichord werden baubedingt etliche Nebengeräusche hörbar, vor allem der
Aufschlag einer Taste auf den Instrumentenrahmen. Wegen des relativ
kleinen Instrumentenumfangs und des Holzrahmens entwickelt der
Resonanzboden noch nicht so starke und voluminöse Töne wie die
Tasteninstrumente späterer Jahre. Dafür besitzt der Clavichordton ein
zartes, süßes und außerordentlich farbenreiches Timbre, das der Spieler
mit jedem Anschlag variieren kann.
Das kommt der Stimmung der
einleitenden Aria und den zunächst folgenden Variationen sehr entgegen.
Später wird es bei Bach jedoch mehr und mehr turbulent und virtuos, so
daß man kaum glauben kann, daß sie gegen die Schlaflosigkeit des
Gesandten von Kayserlinck komponiert seien. Mit jedem weiteren Stück
wendet Bach eine neue Variationsform an. Da laufen 16tel-Ketten
gegeneinander, werden aber sogleich von einem kantablen und weich
fließenden Abschnitt bei variablem Anschlag abgelöst. Bei diesen
ständigen Hin und Her der schnellen Läufe wird hörbar, wie ausgewogen und
gleichmäßig ausbalanciert das hier verwendete Instrument klingt. Und noch
eines wird deutlich: daß beim Clavichord die motorischen Abläufe viel
deutlicher bemerkbar sind als beim Cembalo, bei dem die Dynamik und
Brillanz eher im Vordergrund stehen. Man kann beim Clavichord gut
nachvollziehen, wie schnell die Finger über die Tasten rennen oder wie
sensibel jeder Ton individuell angeschlagen wird. Man wird unmittelbarer
Zeuge, wie die Hände überkreuz nebeneinander laufen, sich entflechten
oder einer gleichmäßigen Kette Pralltriller oder Staccato-Noten
entgegengesetzt werden. Eine elegische oder gar tragische Grundstimmung
weiß Tůma der g-Moll-Tonart in den Variationen 21 oder 25 abzugewinnen.
Seine unfehlbare technische Meisterschaft beweist Tůma in den
wahnwitzigen Trillerketten der Variation Nr. 29.
Ein gemütlich vorgetragenes Quodlibet (Nr. 30) und die erneut schöne,
intime Stimmung der einleitenden Aria beenden diese außerordentlich
kompetente Einspielung.
Der Klang des Cembalos ist
natürlich weitaus silbriger und stabiler. Durch den noch schneller
reagierenden Anschlag einer Taste können Akkorde oder Tonketten leichter
und klarer ausgeführt werden. Die Register des Cembalos – ein 4’- und ein
8’-Register sowie ein Lautenzug - bereichern die Klang- und Farbpalette.
Hier offenbart sich auch die majestätische Pracht einer Französischen
Ouvertüre in der Variation Nr. 16. In der g-Moll-Variation Nr. 25 nimmt
Tůma durch den Einsatz des Lautenzugs sinnigerweise Bezug auf das Andante
des Italienischen Konzerts von Bach und damit auf das Klangmodell eines
dreisätzigen Concertos von Antonio Vivaldi.
Fazit: Diese lehrreiche, anregende, spannende und ja amüsante
Einspielung der Goldberg-Variationen auf einem Clavichord und einem
Cembalo hat Seltenheitswert und sollte sich jeder, nicht nur ein
historisch orientierter, Musikfreund zu Gemüte führen.
(47) audite - Friedrich Gulda. The
Early Recordings.
4 CDs. 1.) Ludwig van Beethoven: Klaviersonate op.14,2 und
op.109. 15 Variationen und Fuge op. 35, Eroica-Variationen. 32
Variationen c-Moll WoO 80. 2.) Claude Debussy: Pour le piano,
Estampes II, Image III, Préludes 1er livre, VI, IX, Suite Bergamasque. Maurice
Ravel: Gaspard de la nuit. 3.) Frédéric Chopin: Préludes op.28,
Nocturne op. 48,1, Barcarolle op.60. Sergej Prokofiev, Klaviersonate Nr.
7, op.83. 4.) Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert c-Moll KV 491.
RIAS-Sinfonie-Orchester, Igor Markevitsch. Ludwig van Beethoven:
Klaviersonate: .A-Dur op. 101. Friedrich Gulda, Klavier. - audite
21.404
Diese Box mit 4 CDs des Pianisten Friedrich
Gulda ist ein überaus wertvolles Zeugnis eines großen Künstlers. Einmal
wegen der Überlieferung seiner Interpretationen aus den Jahren 1950 bis
1959, als auch wegen einer Musikerpersönlich- keit, die einen eigenen
Darstellungstil geschaffen hat, durch einen schicksalhaften Wandel jedoch
nicht wieder angeknüpft hat oder geschweige denn anknüpfen wollte. Wenn
man die hier eingespielten Werke anhört, empfindet man tiefes Bedauern
über diese Wende, aber auch Genugtuung, dass diese Tonaufzeichnungen nun
wieder dem Musikfreund zugänglich sind. Gulda ist in der Phase der 50ger
Jahre als einer der ganz großen Pianisten des 20sten Jahrhunderts
erkennbar. Er praktizierte zu dieser Zeit einen Gestaltungsstil, der sich
markant von dem Pathos und der Monumentalität zur Zeit des III. Reiches
abkehrte. Es ist jedoch nicht eine nüchterne oder sachliche Ausführung,
die sein Spiel prägt, sondern eine durchaus emotionale, ganz deutlich
klassische Gestaltung. Eine derartig wohlgeformte, niemals strenge
Formenklarnheit, sowie auf Schönheit und geradezu lateinische
Linienklarheit bedachtes Klangbild hätte man ihm kaum zugetraut, so sehr
überdeckte sein späteres Konzertgehabe seine außergewöhnliche
musikalische Gabe. Lediglich annäherungsweise wurden sie in den 60er und
70er Jahren seiner Interpretationen der Sonaten von Wolfgang Amadeus
Mozart und Ludwig van Beethoven erkennbar.
Neben der klassischen Deutlichkeit,
beispielsweise in der fast abgeklärten, gar nicht ironischen Färbung im
zweiten Satz der 7. Klaviersonate von Prokofiev, und im positivsten
Sinne Formgebundenheit seiner Ausführungen sind als weitere
Charakteristika seines Spiels die phänomenale manuelle Technik, seine
stilistische Vielfalt und vor allem sein auf allen vier CDs herrlich
beeindruckendes Piano und Pianissimo, verbunden mit einer eigentlich
schon historisch, also heute nicht mehr zu vernehmenden, Anschlagskultur
zu nennen.
Seine interpretatorische Größe, ja
Einzigartigkeit hat Gulda bei den Werken von Beethoven und Mozart
bewahrt. Sie klingen bei ihm völlig natürlich, aus dem Moment heraus
geschaffen und ohne jede Attitüde, in der Ausdruck und Emotion explizit
gewollt sind. Als man ihn einmal fragte, warum sein Beethoven-Spiel so
natürlich und so echt beethovenisch klinge, hat er geantwortet: ich
setze mich ans Klavier und beginne und dann fließt alles von ganz allein.
Auf diese Weise hat man in jeder der hier eingespielten Sonaten das
wohltuende Empfinden, so hat es der Komponist intendiert. Nicht vergessen
sollen die 32 Variationen c-Moll sein, bei denen Beethoven genial ein
profiliertes Thema von acht Takten Themenlänge findet und in einen ganzen
Kosmos verschiedenster Variationen von gleichfalls nur acht Takten gießt.
Gulda modelliert daraus im reaktionsschnellem Wechsel von Dynamik und
emotionalem Ausdruck zu jedem Stück den ihm eigenen Charakter. Die
emotionale Flexibilität kommt den 24 Préludes von Chopin in höchst
beeindruckendem Maße zugute, wie gleichfalls beispielsweise im
Klavierkonzert c-Moll von Mozart. Die Selbstverständlichkeit der
Gestaltung aller drei Sätze lässt alle vermeintlichen Schwierigkeiten in
Mozarts Werken vergessen. Der wunderbar sonore und stets singende
Anschlag weckt die Erinnerung an Clara Haskil, bei der ebenso Schönheit
des Tons und Tragik des Ausdrucks vollkommen verschmolzen.
Einen hinsichtlich perfekter Klarheit und
angemessener Leichtigkeit französischen Gulda lernen wir in der so
liebenswerten "Suite Bergamasque" von Debussy und noch mehr
stupend beim "Gaspard de la nuit" von Ravel kennen. Die
Wasserfluten in "Ondine" entwickelt er aus einem sanften
Gemurmel zu aufschäumenden Wellen. Die irrlichternden Verwandlungen des
"Scarbo" meistert er mit großer Sensibilität und überragender
Brillanz.
Was wohl kaum einem Musikfreund oder Kritiker
noch in Erinnerung ist, stellt Guldas überragende Piano- und
Pianissimo-Kultur dar, die ihm jedoch auch zu Konzertzeiten kaum jemand
so definitiv zugesprochen hat. Wie ebenmäßig und leicht verschattet
spielt Gulda das "Clair de lune" von Debussy. Wie viele
Pianotöne findet er in den langsamen Sätzen der Beethoven-Sonaten oder
den "Préludes" von Chopin. Unfassbar, wie er das Piano im
Prélude Nr. 20, dem weihevollen Choral, in der Wiederholung an der Grenze
zum Hörbaren, noch leiser, klangvoller, noch sonor klingender
ausführen kann. Ein derart subtiles Anschlagsvermögen und, nochmals,
Pianokultur pflegt heute kam noch ein Pianist (falls er es überhaupt
vermag).
Fazit. Hier liegt nicht nur eine der
schönsten Musik-Kassette der letzten Jahre vor. Sie ist zugleich eine der
wertvollsten, da sie die Kunst eines der ganz großen Pianisten des
letzten Jahrhunderts überliefert.
*
(46) audite - Wilhelm Furtwängler.
Live in Berlin. The Complete RIAS Recordings. 12CDs. Berliner
Philharmoniker, Wilhelm Furtwängler. Gerhard Taschner, Violine.
Yehudi Menuhin, Violine. 1. Ludwig van Beethoven, Sinfonie Nr.
6 F-Dur "Pastorale" op.68 (1947). Sinfonie Nr.5 c-Moll op.67
(1947). 2.) Felix Mendelssohn Bartholdy, Ouvertüre "Ein
Sommernachtstraum", op. 21. Ludwig van Beethoven, Violinkonzert D-Dur op.61. Yehudi Menuhin, Violine. Johann
Sebastian Bach, Orchestersuite D-Dur BWV 1068.3. Franz
Schubert, Sinfonie h-Moll D 759 (1948). Johannes Brahms,
Sinfonie Nr. 4 e-Moll op.98 (1948). 4.) Anton Bruckner, Sinfonie
Nr. 8 c-Moll 5.) Robert Schumann Ouvertüre "Manfred"
op.115. Johannes Brahms, Sinfonie Nr. 3 F-Dur op.90 (1949). Wolfgang
Fortner, Konzert für Violine und großes Kammerorchester. Gerhard
Taschner, Violine. 6.) Richard Wagner, Vorspiel "Die
Meistersinger von Nürnberg", Georg Friedrich Händel, Concerto
grosso d-Moll op.6,10. Johannes Brahms, Haydn-Variationen op.56a. Paul
Hindemith, Konzert für Orchester op.38. 7.) Ludwig van Beethoven,
Sinfonie Nr.3 Es-Dur op.55 "Eroica" (1950), Christoph
Willibald Gluck, Ouvertüre "Alceste". Georg Friedrich
Händel, Concerto grosso D-Dur op.6,5. 8.) Carl Maria von Weber,
Ouvertüre "Der Freischütz". Paul Hindemith, Sinfonie
"Die Harmonie der Welt". 9.) Ludwig van Beethoven,
Sinfonie Nr.3 (1952). Franz Schubert, Ouvertüre
"Rosamunde" D 644. Boris Blacher, Konzertante Musik für
Orchester op.10. 10.) Franz Schubert, Sinfonie h-Moll (1953).
Sinfonie Nr. 9 C-Dur D944 (1953). 11.) Johannes Brahms, Sinfonie
Nr. 3 (1954), Richard Strauss, Don Juan op.20, Richard Wagner,
Vorspiel und Isoldes Liebestod zu "Tristan und Isolde". 12.) Ludwig
van Beethoven, Sinfonie Nr.6 (1954). Sinfonie Nr.5 (1954). Bonus-CD
Kolloquium in der Hochschule für Musik, Berlin. Werner Egk und
seine Studenten interwieven Wilhelm Furtwängler, 27.2.1951. - audite
21.403.
Diese Kassette mit zwölf CDs bietet die Interpretationen
von Wilhelm Furtwängler und den Berliner Philharmonikern aus den Jahren
1947 bis 1954 an. Es ist jedoch ebenso wichtig, darauf hinzuweisen, daß
dieser Sammlung eine 13. CD beiliegt, die ein Kolloquium mit Furtwängler
und Musikexperten über die Prinzipien der Interpretation und praktische
Probleme der Musikausübung wiedergibt. Diese Podiumsdiskussion fand
1951 in der Berliner Hochschule für Musik statt. der Diskussionsleiter
ist Werner Egk. Es kommen jedoch auch Musikologen, Musikkritiker und Studenten
zu Wort. Dieses öffentliche Gespräch erhöht den Wert dieser CD-Sammlung
außerordentlich. Nach anfänglich ziemlich oberflächlichen Fragen, gewinnt
der Dialog zwischen Dirigent und Publikum an Tiefgang. Wir erfahren die
Einstellung Furtwänglers zu Regisseuren und Sängern, zu Mozarts
"Zauberflöte" oder Wagners Opern, zu Kompositionen der Romantik
und der Moderne. Daß er dem Jazz nichts abgewinnen kann, sollten wir ihm
nicht übelnehmen. Insgesamt ist das lebendige Gespräch sehr informativ und
auch in der Wiederholung aufschlußreich.
Zum zweiten ist die Lektüre des Booklets sehr
empfehlenswert. Es enthält einen umfassenden und detaillierten
Überblick über das politische Verhalten Furtwänglers in der NS-Zeit. Der
ausführliche Essay enthält Fakten und Schlussfolgerun- gen, denen man
sich anschließen kann oder nicht. Des weiteren wird die Charakteristik
der Musik-Interpretationen um den Begriff "Spätwerk"
diskutiert, ebenso die Bedeutung der Programmgestaltung. Die akribisch ausgearbeiteten
Editorischen Hinweise sind vorbildlich. The booklet wordings are
translated very carefully, the bibliographic descriptions of each musical
work are written in English anyway.
Die Klangqualität ist größtenteils sehr gut,
wenn man sich bewußt ist, daß die Aufzeichnungen in den Nachkriegsjahren
gemacht wurden. Das Bandmaterial und die Mikrophone konnten noch nicht
den Standard späterer Jahre und technischen Entwicklung erreichen. Die
erste CD klingt, wohl durch exzessives Remastering, viel zu scharf. Die
restlichen CDs kann man problemlos anhören. Das Orchester und einige
Solisten erreichen nicht das technische und klangliche Niveau der
Vorkriegszeit. Und dennoch erfüllen die Musiker den höchsten
interpretatorischen Maßstab, vor allem dank dem Dirigenten Wilhelm
Furtwängler. Alfred Brendel schreibt in seinem Buch "Nachdenken über
Musik", daß man sich im Gespräch gerade mit jungen Menschen am
ehesten auf einen Musiker einigen könne - das sei Furtwängler.
Gemeint war dabei der musikalische Gehalt, die Nachdringlichkeit, der
innere Nachhall, der unendliche Spannungsbogen bei jedem Werk. Heute oder
auch schon seit den achtziger Jahren bemäkelt man die langsamen Tempi des
Dirigenten. Häufig spielt man dabei Furtwängler gegen Toscanini aus, was
rein metrisch nicht stimmt; es sind oft nur Sekunden, die beide
Dirigenten voneinander trennen. In der Tat verschreibt Furtwängler
manchen Werken ein sehr langsames Tempo, etwa der 6. Sinfonie von
Beethoven, dem Concerto grosso von Händel oder der 3. Sinfonie von
Beethoven. Das fällt deswegen auf, weil man keine Begründung für die
Langsamkeit eines Allegro findet. Die übliche Kabbelei um die richtige
Metronom-Zahl, die Beethoven auf manche seiner Kompositionen
niederschreibt, ist müßig und unnötig. Die MM-Zahlen sind zumeist
widersprüchlich, und man sollte stets Beethovens Urteil über Metronome
beherzigen: "Zum Teufel mit allen Maschinen." Beethoven selbst
interessierte die metrische Genauigkeit eines Tempos nur zeitweilig. Die
erste Frage an seinen Adlatus Schindler nach einem Konzert war: wie war
die Prosodie. Das heißt: er wollte erfahren, ob die Musiker auch
verständlich und verständig, sowie angemessen ihren Notentext artikuliert
und phrasiert gespielt hätten.
Ähnlich geht es um die Größe eines Orchesters
und die breitgefächerte Dynamik bei Furtwängler. Die gesamte Konzeption
des Barock, ob in Literatur oder höfischem Leben, lebt von dem
größten Kontrast und der sicht- und hörbaren Kraft und Fülle der Worte,
des Ausdrucks und der Töne. Von Johann Sebastian Bach über Georg
Friedrich Händel bis Wolfgang Amadeus Mozart kennen wir Zeugnisse und oft
Klagerufe nach mehr Fülle, nach mehr Umfang in der Stimmenbesetzung.
Warum sollten wir Musik der Barockzeit plötzlich in höchster
Magerstufe spielen? Bei Furtwängler spielen die Begriffe Kraft und Fülle
eine enorme Rolle. Es mag sein, daß Genossen unserer Zeit die
Barock-Interpretationen nicht mehr mögen. Legitim ist Furtwänglers
Auffassung allemal.
Eine ähnliche Haltung nimmt Furtwängler zum
Thema Tempo ein. Im Podiumsgespräch (CD 13) äußert er einmal, daß die
Organisten (in den dreißiger Jahren zumindest) alle zu schnell spielen.
Sie würden, nicht nur bei Bach, die zahlreichen hörenswerten Klänge,
Akkorde, Melodien und Farben gar nicht ausspielen und dem Hörer in den
Genuss dieser Dinge kommen lassen. Bei zahlreichen Einspielungen dieser
CD-Sammlung kann man jedoch kaum einen Unterschied zwischen der damaligen
und heutigen Tempowahl feststellen.
Es gibt jedoch einen, ganz entscheidenden
Unterschied in der Spielweise Furtwänglers, die ihn auch heute noch als
einen der größten Dirigenten der Musikgeschichte machen. Kein anderer
Musiker vor und nach ihm besitzt diese einzigartige Fähigkeit: es ist das
Sostenuto. Definition des Sostenuto lautet: gehalten. Ein Ton oder Akkord
soll so lange gehalten, ohne Minderung in Lautstärke und Tempo, gehalten,
gespielt oder geblasen werden, wie er notiert ist. Wagner macht in seinen
Partituren ausgiebig davon Gebrauch, weil er die Praxis des Abschlaffens
zu einem Takt- oder Passagen- Endes hin kannte. Die deutsche Orchesterkultur
zeichnet sich seit vielen Jahrzehnten durch die Beachtung des Sostenuto-
Klanges aus. Bei Wilhelm Furtwängler ist es geradezu ein dominierendes
Interpretationsprinzip. In allen Musikstücken dieser CD-Kassette hören
wir dies konzentrierte, bezwingende Aushalten von Klang, Farbe und
Intensität. Dieses Insistieren, diese unnachgiebige Forderung nach
vollem, der Partitur gemäßen Ausführung eines musikalischen Werks
zeichnet ihn wie kaum ein anderer Dirigent aus. Am ehesten Herbert von
Karajan hat dieses Sostenuto-Spiel weiter kultiviert. Man höre nur das
Finale der vierten Sinfonie von Johannes Brahms mit Furtwängler, dann
kann man nur mit höchster Bewunderung staunen, wie er, ohne das Tempo
anzuziehen, die Intensität immer noch weiter und weiter steigert. Und
noch ein Merkmal von Furtwängler gilt zu bestaunen: das ist die
Leidenschaft, mit der er sich der Musik und den Ausführenden widmet.
Leidenschaft in dieser Intensität und grandiosen Kraft hört man heute
kaum noch. Lautstärke und Tempo sind die bestimmenden Parameter bei den
meisten der heutigen Ausführungen. Um so wertvoller ist die Auswahl
dieser Aufführungen mit Wilhelm Furtwängler.
Fazit: Eine überwältigende Dokumentation des
großen Genies von Wilhelm Furtwängler. Wir können uns glücklich schätzen,
diese Interpretationen zu besitzen. Diese Einspielungen muss jeder
Musikfreund gehört haben. Diese Musik mit Wilhelm Furtwängler
gehört mit zum Wertvollsten, das man in seinem Musikarchiv bewahren
kann.
*
(45) Bärenreiter-Verlag/J. B. Metzler,
Verlag, Kassel
Lewis Lockwood, Beethoven. Seine Musik.
Sein Leben. ISBN 978-3-7618-1846-6. 456 Seiten. 2009.
Hier haben wir eine in jeder Hinsicht moderne
Beethoven-Biographie an der Hand. Lockwood verarbeitet in einem wohltuend
flüssig geschriebenen, doch seriös fundiertem Werk die Literatur bis zum
Jahre 2008 und vermittelt uns ein außerordentlich lebensnahes Bild von
der Persönlichkeit Ludwig van Beethovens und etliche wissenschaftlich auf
neuestem Stand gebrachte Analysen seiner wichtigsten Werke. Ein
erster Pluspunkt geht an die stilistische Gelassenheit der biographischen
Beschreibung des Komponisten (1770-1827). Die bis ins 20. Jahrhundert
reichende Vergötterung und Heldenverehrung seiner Persönlichkeit ist
einer sachlichen, mit vielen Details unterlegte Beschreibung gewichen.
Das fängt bereits mit der ausführlichen Erwähnung an, wie häufig
Alkoholmissbrauch in Beethovens Familie anzutreffen war. Großvater, Vater
und Mutter waren für ihren Abusus stadtbekannt. Es ist verständlich, dass
der junge Ludwig aus diesem Familienmilieu floh, jedoch auch in
Wirtshäuser, wo er ebenfalls dem Alkohol zusprach.
Der Dirigent Michael Gielen hat Richard
Strauss vorgeworfen, dass dieser inmitten der größten Grausamkeiten
seiner Zeit eine Oper wie "Capriccio" schreiben konnte und so
nicht auf die unmenschlichen Umstände in der Welt reagiert hätte. (Das
könnte man Bach und Händel auch vorwerfen). Gielen hatte dabei wohl eher
Arnold Schönberg und insbesondere dessen Komposition "Ein
Überlebender aus Warschau" im Blick. Für Ludwig van Beethoven trifft
die enge Verbundenheit mit der politischen, gesellschaftlichen und
kulturellen Gegenwart in außerordentlich starkem Maße zu. Entsprechend
geht Lockwood sehr detailliert und ausführlich auf die geschichtlichen
und soziologischen Ereignisse ein, an denen Beethoven regen Anteil nahm.
Weiten Raum widmet der Autor dem Geist der philosophischen Aufklärung und
den Klassikern Friedrich von Schiller und Johann Wolfgang von Goethe.
Napoleon Bonaparte erhält zurecht ein eigenes Kapitel, da besonders in
Wien, das Beethovens Lebensmittelpunkt war, die Auswirkungen seiner Taten
spürbar waren. Waren die ersten seiner Kompositionen im 18. Jahrhundert
noch von äußeren Ereignissen unberührt, so gipfelt die pathetische
Verehrung und nachfolgende Verachtung für den Imperator in der
Werkgeschichte, nicht nur der Widmungsgeschichte, in der Konzeption der 3.
Sinfonie, der "Eroica".
Ausgeprägt fallen bei Beethoven, neben der
Heldenverehrung, das Streben nach Anerkennung und Erfüllung der
Liebesgefühle aus. Lockwood bespricht ausführlich die Widmungen fast
jeder Komposition, zumeist für Exponenten des Hochadels oder eine seiner
Schülerinnen. Diese spielen beim durchaus abwechslungsreichen Liebesleben
des Komponisten eine große Rolle, es werden zahlreiche Namen genannt.
Jedoch den Namen der Frau, an die das Heiligenstädter Testament gerichtet
ist, kann auch der Buchautor nicht mit Sicherheit angeben. Der Grund,
warum Beethoven keine Ehepartnerin gefunden hat, liegt einerseits an
seinem Unabhängigkeitsstreben, das eine enge Gefühlsbindung schwerlich
zuließ, andererseits war er, wie es bei einer Ablehnung eines Heiratsantrags
von ihm hieß, ausgesprochen ungepflegt und häßlich.
Ein bedeutsames Kapitel, die zunehmende
Taubheit, nimmt viele Seiten ein. Es wird bei der Lektüre deutlich, dass
bei Beethoven schließlich kein vollständiger Verlust des Gehörs eintrat.
Das bezeugen nicht nur die Hörhilfen, die er bis zu seinem Tode in
Anspruch nahm, sondern auch Aussagen, die über ein chaotisches
Stimmgewirr bei größeren Menschen- ansammlungen oder gleichzeitigem
Vortrag mehrerer Instrumente klagen. Dass es sich bei der Todesursache
letztlich um eine "Bindegewebsschwäche und Immunkrankheit"
gehandelt habe, ist jedoch nicht akzeptabel. Hier hätte Lockwood sich auf
die deutsche medizinische Fachliteratur stützen können, die den
Alkoholabusus und die Leberzirrhose glaubhaft belegt.
Erwähnt wird eigens in einem Abschnitt
Beethovens zweifelhaftes Verhalten gegenüber seinem Neffen und seiner
Schwägerin, die für ihn kein Ruhmesblatt des Humanismus darstellen. Es
ist nun einmal bekannt, wie brutal, ja inhuman sich der angemaßte Pflegevater
verhalten hat.
Nicht jedes Werk Beethovens wird von Lockwood
angesprochen, jedoch die meisten Werkgruppen, zu denen Beethoven Werke
geschrieben hat. In immer wieder mehr oder weniger ausführlichen
Beiträgen und in verschiedenen zeitlichen Zusammenhängen werden die
Streichquartette op.18, op. 52 und ab op.127 als Beginn einer neuen
Epoche für die Kunstform des Streichquartetts und das innovative Schaffen
Beethovens dargestellt. In gleicher Weise gelingt es Lockwood, die
herausragende Bedeutung der Klaviersonaten aufzuzeigen, deren
traditionsfreier und genialischer Neuanfang schon bei den Sonaten op.3,
dann im Verlauf der klavieristischen Karriere bis zu den Sonaten op.106,
109, 110 und 111 hörbar wird. Die neun Sinfonien bekommen genügend Platz
in Lockwoods Buch; über zwanzig Seiten erhält allein die neunte Sinfonie.
Weitere Werkbeschreibungen sowie einige tonale und strukturelle Analysen
erhält der Leser zu kammermusikalischen Werken, Militärmusik,
Klaviervariationen, Liedern sowie Oratorien und Messen,
Die flüssig zu lesende Darstellung Lockwoods
über Beethovens Leben und Werk steht auf der Höhe unserer Zeit und
gewinnt ihren besonderen Wert durch die ausgewogene und informative
Betrachtung des Komponisten Ludwig van Beethoven.
(44) Bärenreiter-Verlag, Kassel.
Bärenreiter Basiswissen.
-
Grundwortschatz Musik, 55 Begriffe, die man kennen sollte. Marie-Agnes
Dittrich.
ISBN 978-3-7618-1841-8
-
Musikalische Meilensteine Band 1. 111 Werke, die man kennen sollte. Silke
Leopold, Dorothea
Redepenning, Joachim Steinheuer. ISBN 978-3-7618-1942-3
-
Musikalische Meilensteine Band 2. Leopold, Redepenning, Steinheuer. ISBN
978-3-7618-1943-2
© 2008.
Hier liegen drei außerordentlich nützliche
Helfer auf dem Gebiet der Ernsten Musik vor. Abiturienten, Studenten,
Fachjournalisten, Redakteure und jeder interessierte Musikliebhaber
finden in den drei Büchlein im A6-Format nützliche Hilfe und eine
wissenschaftlich unbestechliche Orientierung bei ihrer Arbeit. Die
Maßgabe, hier 111 musikalische Werke vorgelegt zu bekommen, die ein Muß
für den Laien und Kenner bedeuten, sollte nicht dazu verführen, sie für
die absoluten Top-111 der Musikgeschichte zu halten. Jeder Musikkenner
wird ohne Mühe etliche Kompositionen und Sachwörter anführen können, die
gleichfalls einen Platz unter die 111 wichtigsten Werke oder
unverzichtbares Kennwort einnehmen sollten. Hier liegt keine Rangliste
oder ein Elite-Pool der ewig Besten vor. Die Zahl 111 ist eh ein adretter
Hinweis auf das opus magnum unter Beethovens Klaviersonaten. Oder, wie
die Herausgeber im Vorwort schreiben: dies sei ein Leitfaden, sich
im Labyrinth der Musikgeschichte zurechtzufinden. Außerdem kann man
nachprüfen, welche wichtigen Kompositionen dem jeweiligen Leser im
persönlichen Musikrepertoire noch fehlen.
Jedes Lemma stellt also ein Hauptwerk oder
einen maßgeblichen Begriff zur Kennzeichnung einer Epoche, eines
Hauptwerks eines Komponisten oder die Standardbezeichnung eines
musikalischen Inhalts vor. Die Qualität der
Beiträge liegt durchwegs auf hohem Niveau; sie lassen sich in ihrer
streng wissenschaftlichen und flüssigen Sprache ohne weiteres verstehen.
Als ein guter Einfall stellen sich die kurzen und prägnant formulierten
Kommentare, Hinweise oder Definitionen am Rande einer Seite dar.
Zahlreiche Querverweise sorgen für einen erweiterten Überblick über ein
Stichwort. Am Schluß eines jeden Kapitels der Musikalischen Meilensteine
wird eine repräsentative Literaturstelle und eine bedeutsame Einspielung
vorgeschlagen. Oft erhält der Leser durch einen Hinweis auf ein
bestimmtes Musikstück eine konkrete Vorstellung zu einem Stichwort des
Grundwortschatzes. Sachliche Fehler findet man kaum (die Darstellung der
wohltemperierten Stimmung sollte jedoch noch einmal überdacht werden. Der
fehlende Bindebogen auf Seite 11 im Büchlein Grundwortschatz im zweiten
Takt des Tristan-Akkords wurde in Meilensteine Band 2, Seite 193 beim
Stichwort Tristan und Isolde nicht wiederholt). Zahlreiche
Literaturhinweise und ein Werkverzeichnis ergänzen jeden Band.
Fazit: mit den drei Bändchen Basiswissen
hält man nicht nur ein ausgezeichnetes Repetitorium in den Händen, das
sachliche Informationen zur Geschichte und Rezeption auf neuestem Stand
liefert, sondern auch als anregende Lektüre für die Freizeit.
(43) Audite - Ouverture, Works for
Trombone Quartet. Münchner Posaunen Quartett
Transkriptionen für Posaunen-Quartett von Michael Praetorius,
Johann Sebastian Bach, Joseph Bodin de Boismortier, Gioacchino Rossini,
Samuel Barber, Claude Debussy, Johannes Brahms und Gaetano Donizetti. Münchner
Posaunen Quartett: Thomas Horch, Dany Bonvin, Ulrich Pförtsch, Volker
Hensiek. Arrangements: Thomas Horch. audite 97.533, 2007.
Trompeten-Ensembles hört man oft, weil sie
zumeist brillant schmettern und den Gesamtklang unüberhörbar dominieren.
Darüber sollte man nicht die Posaunen vergessen, die ebenso glanzvoll und
virtuos musizieren können. Ein schönes Beispiel bildet diese CD mit dem
Münchner Posaunen Quartett, das über alle Maßen schon eingangs die Tanzsuite
von Michael Praetorius präzise und technisch meisterhaft vorträgt. Doch
es wird eben nicht ständig im Forte-Bereich aufgetrumpft. Die im
traurigen Moll auftretende der Sonata à 4 geht in ihrem abgedunkelten
Affekt ebenso zu Herzen. Einmal nicht nur bekannte Barockmusik, sondern
durch und durch romantische Klänge hören wir mit der Ouvertüre zu
Rossinis Oper "Wilhelm Tell". Ganz spannungsvolle Passagen
treffen auf ein rasantes Gewitter und einen anschließenden flotten
Galopp. Das alles wird technisch perfekt und hinreißend schwungvoll
ausgeführt. Im schlendernden Swing geht es in Debussys "Golliwogg's
Cakewalk" vorbei. Mit einem flinken und witzigen Ausgang bei der
Ouvertüre zu Donizettis Oper "Don Pasquale" schließt diese
absolut empfehlenswerte Einspielung. Als Geschenk zu allen Jahreszeiten
und Anlässen bestens geeignet.
*
(42) Melba Recordings
(Alle Melba-Recordings sind in Deutschland bei Klassic Center
Kassel erhältlich)
a.)Encore, my Good Sir. Lin Jian, Horn; Benjamin Martin, Piano
Music for horn and piano by Robert Schumann, Peter Maxwell Davis,
Gunther Schuller, Esa-Pekka Salonen, Francis Poulenc, Marin Marais, Paul
Hindemith, Johann Sebastian Bach, Otto Ketting, Thaddeus
Huang. © 2008. MR 301116
This is another example for fine and apart music on a CD by
Melba. The program promisses delicate and rare pieces of music for horn
and piano. But also the outside and inside that means the cover sides
show in an "art nouveau" style a golden horn, followed by
tastefully designed wordings in English, German and French about the
compositions and the performers. All pieces can be played as an encore to
end an concert. Nearly all stem from important composers, but are nearly
unknown, since they are set for the rare combination of horn and piano.
Each piece is worth to be praised because of their originality and
musical substance.
That starts with the Adagio and Allegro op. 70 by Schumann, and
continues with the Sea Eagle for horn and piano, composed by Peter
Maxwell Davies What a nice tale and description by the famous conductor,
and what a wonderful homage to the majesty of these great sea birds.
Don't forget the romantic Nocturne by Gunther Schuller or the Horn Music
by Esa-Pekka Salonen. We know that Hindemith was a great composer of the
20th century. His sonata for Alto Horn and Piano substantiate the
positive estimation. Really whitty and exhilarating is the short piece
"La Basque", a vitalizing dance which the great horn legend
Dennis Brain preferred to play as an encore, also one week before his
death. A precious discovery is the Intrada (1958) by Otto Ketting. This
is a great contribution to the horn literature. The "Encore, My Good
Sir" (2006) by Thaddeus Huang gives a great pleasure for an audience
and gave the name for this unique CD.
Lin Jiang is a great horn player and musician. He is capable of
either a perfect legato playing as well as a narrative articulation. The
dynamic range of his performance goes from a solid, voluminous fortissimo
to a pianissimo nearly at the edge of listening. Technically his piano
partner is adequately gifted. His contribution to a romantic atmosphere
and rhythmic accentuation is admirable.
To sum up: a rare and exquisite program, played by two young but
nevertheless masterlike playing musicians. I recommend warmly to enjoy
these wonderfull tones.
*
b.) Rhapsodie, Fantasie, Poème. Music for horn and orchestra by
Jean-Michel Damase, Charles Koechlin, Paul Dukas, Camille Saint-Saëns,
G.W.L. Marshall-Hall.
Ben Jacks, Horn. Orchestra Victoria, The Queensland
Orchestra, Barry Tuckwell, Conductor.
© 2008. MR 301117
Likewise to the preceeding CD ""Encore, My Dear
Sir" we listen here to first class horn music in an excellent
blowing technique. Ben Jacks gives as horn soloist and the Queensland
Orchestra under the legendary horn player Barry Tuckwell in every piece
the best. Nearly all composers own a fine reputation, their works for
horn and orchestra are nearly forgotten or unfortunately neglected. It is
the merit of Melba bringing the Concerto or the Rhypsodie by Jean-Michel
Damase, the Poème by the great Charles Koechlin, and the absolutely
inspired Phantasy (1905) by G.W.L. Marshall-Hall to public daylight. The
last work is at the first time to be enregistated on CD. Because of
the admirable performance of all musicians, equally to Lin
Jiang, this CD is as well highly to be recommended.
*
c.) Tzigane. Music for violin, cello and piano by Maurice
Ravel.
Kristian Winther, violin; Anthony Romaniuk, piano; Michelle Wood,
cello.
© 2008 MR 301115
"Tzigane" is for every violin virtuoso an absolute
touchstone for craftsmanship and genuine temperament. Winther and
Romaniuk meet the high level of technical perfectness and musical
lambency without any dout. The wild final ends after a convincing
crescendo and furious accellerando. The sonata for violin and piano gives
Winther the opportunity to demonstrate his exzellent manual facilities
and taste for colors. The pièce en forme de habañera is the moment for
the piano player and his chime-like keystroking. The sonata for violon
and violoncelle let us hear a dreamlike conversion of the mutual timbre.
The set "très vif" is a masterpiece of vividness and strong
impulses.
Here play two young masters, convincing the listener through
technical skill and mature insight in this wonderful music.
*
d.) The Galant Bassoon. Sonata for Bassoon and Harpsichord, and
basso continuo. Bassoon-Sonata by Georg Philipp Telemann, Johann
Sebastian Bach and Carl Philipp Emanuel Bach. Matthew Wilkie, Bassoon.
Neal Peres Da Costa, Harpsichord, Kees Boersma, Dobble Bass. Melba
Recordings, MR 301124. © 2009
Six sonatas of serene chamber music from older
times. According to the nicely designed booklet (in English, German,
and French) five of them are transcritions. Nonetheless, the adaption to
a wonderful softly and warm sounding bassoon are quite natural and
sacrificed by other transcrition habits of each composer. Every sonata is
a pearl by itself, but, frankly, to be subjective, I like the sonata in d
minor by Carl Philipp Emanuel Bach most. A delightful allure of
tenderness guides to the loveableness of the rokoko. So, common in the
epoch of baroque time, these works are individual examples of this
time.
Listen to it in an intimite moment, but why not in times of joy
and comfortness.
*
e.) Gothic Toccata. Organ music by Richard Mills, Andrew Schultz,
Graeme Koehne, Ross Edwards, Colin Brumby, Sir George Thalben-Ball,
Alfred Hill, Phyllis Batchelor, Fritz Hary, Percy Aldridge
Grainger.
Cavin Bowman at the Grand Organ of Melbourne Town Hall
© 2007. Melba Pantheon PD 70001
With whatever you begin to praise this CD and the music therein
engraved - it doesn't matter. Let's start with the booklet. As its
compagnons of all other CDs of Melba Foundation, it is perfectly designed
in respect to layout and printing. It is a pleasure to read the letters
and the text. Just the content is a masterpiece of clearness and qualitiy
of information. Two colour photos show the organ artist at the organ
console and once en face. Follows a short essay about the history and
final restoration of the Melbourne Town Hall Grand Organ by the Schantz
Organ Company of Orrville, Ohio, USA in 1997. Very usefull are the short
and authentic explanations to each composition, in most cases as
contributions of the composer. A highlight is the accurate enumeration of
all 150 ranks in the Great Organ, Swell, Choir, Solo Organ, Bombarde
Sub-Division, Fanfare Sub-Division, Orchestrial Organ, Echo Organ
and Pedal, and Pedal Organ. Together with the couplings and other
helping devices you can count to 246 stops. The names of many
ranks reveal their French, Italian or German origin, like Harmonic Flute,
Violette, Tercina, Lieblich Gedackt, Posaune or Glockenspiel. One
can realise a complete symphony orchestra by this differentiated choice
of voices. Curricula vitae of Dr. Calvin Bowman and the composers
complete the booklet.
The jubilant entrance with "Epithalamium" (1983) by
Rhichard Mills gives a good glimpse into the power and freshness of the
voices of this instrument. This is also true for the introvert tenderness
of the middle part and the fanfare final. The "Études Espace
I-III" (1986) by Andrew Schultz combine modern abstract sounds with
the beauty of an harmonic choral like an even song. All these four
compositions are recorded here as a world première. The "Gothic
Toccata" (1983) by Graeme Koehne got it's title by "the
organist David Kinsela for the tenth anniversary of the
Sydney Opera House Organ. Both the nature and title of the work are
derived from John Ruskin's definition of the 'characteristicor
moral elements of Gothic' in his book the Stones of Venice (1853).
the elements he describes are: Savageness; Love of Change; Love of
Nature; Disturbed Imagination; Obstinacy and Generositiy." The
result is a wonderfull conglomerate of all these constituants,
worth to give this outstanding CD its name. A tribute to nature and
voices of Australia are "Dawn Canticle & Organmaninya"
(2004) by Ross Edwards, even if some mantralike and pentatonic scales may
belong to world music. It is typical Austalian through its mystical bass
foundation of a didjeridu. The sympathetic touch of times long ago come
from the "Elegy" (1944) by Sir George Thomas Thalben-Ball. The
remaining pieces - "Valse triste" (1914) by Alfred Hill,
"When I was one-and-twenty" by Phyllis Batchelor, the
"Fantasia in G minor" (1912) by Fritz Hart and the Children's
March - Over the hills and far away" (1919) by Percy Aldridge
Grainger - carry us to the first half of the 20th century and keep alive
the heritage of the anglo-american organ music.
Calvin Bowman is an excellent organ player, gifted with outstanding
technical skills. He makes us familiar with the eminent riches of the
organ, without any exaggeration, but due virtuosity. So we can enjoy the
wonderfull voices of this organ and the multifaceted treasure of English
organ music and from down under.
*
(41) Johann Sebastian Bach, The
Welltempered Clavichord - Das Wohltemperierte Clavichord, Teil I und II.
Teil I Clavicord von Martin Kather (1999), nach einem Manuskript von
David Tannenberg, ca. 1761. Teil II, Clavicord von Martin Kather (1997),
nach deutschen Meistern im französischen Stil. Jaroslav Tuma,
Clavicord.
Aufgenommen Teil I Januar 2000, Teil II
August 2002. ©
2008 2HP Production s.r.o., Prag. F 10165. Vertrieb:
Klassik Center Klassik.
Das Clavichord hat es nie, wie das Cembalo,
auf die Podien von Konzertsälen geschafft. Mit ihm wurde auch keine
Renaissance Alter Musik eingeleitet, da Wanda Landowska, die Urheberin
der historischen Aufführungspraxis, das Cembalo bevorzugte. Dennoch ist
das Clavichord nie ganz in Vergessenheit geraten. Es hat sogar seinen
Zugang zum Jazz gefunden, als Oscar Peterson vor etwa vierzig Jahren an
einem elektrisch verstärkten Clavichord ein Medley aus George Gershwins
"Porgy and Bess" einspielte.
Unter den zahlreichen Einspielungen des
Wohltemperierten Klaviers ist die von Jaroslav Tuma am Clavichord
aufgezeichnete Version etwas ganz Besonderes. Er wählte für den ersten
Teil ein eher norddeutsch timbriertes Clavichord und für den zweiten Teil
ein eher französisch klingendes. Das "französische" Clavichord
klingt ein wenig grundtöniger sowie weicher, und eben
"französischer", sehr geeignet für die Clavierwerke von Rameau
oder Couperin le Grand. Das Booklet in tschechischer und englischer
Sprache enthält ein ausführliches Interview mit Tuma zu den Umständen,
wie diese Clavichord-Aufnahmen entstanden sind, dazu noch eine kurze
Biographie des Meisters. Ein Photo eines stattlichen Clavichords ziert
die Frontseite des Booklets und des vorderen Covers. Die Rückseite zeigt
einen nachdenklichen Tuma.
Nur zur meisterhaften und wunderschönen
Interpretation der beiden Bach-Zyklen durch Tuma. Wie wohltuend gemütvoll
und geduldig sind die Tempi, mit denen der tschechische Meister sich
jedem Präludium und jeder Fuge widmet. Er spielt die Stücke für einen
privaten Kreis, ohne Konzertsaal-Attitüde. Dass die Töne der meisten
Clavichorde wie aus einem Pappkarton hervorkommen, macht er rasch
vergessen. Je länger man durch die Tonarten geführt wird, umso mehr
begeistert man sich an dem unerschöpflichen Reichtum des Spektrum der
Klangfarben. Aus jedem Stück entwickelt er dessen Eigencharakter mithilfe
überzeugendem Tempo, äußerst empfindsamen Anschlagsnuancen und variabler
Agogik. Man höre sich beispielsweise die sensiblen Anschlagsnuancen der
cis-Moll-Fuge des ersten Teils an, oder den schöngestalteten Klangfluß im
Präludium D-Dur I. Angemessen temperamentvoll und tänzerisch hören wir
das Präludium es-Moll I, oder sehr eilig und dennoch filigran, dazu außerordentlich
virtuos das Präludium E-Dur I, das niemals zu einer neutralen Etüde
verkommt.
Fazit: Man kann mit Tumas farbenreichen
und lebendigen Vortrag die grandiose Formenwelt des Wohltemperierten
Clavichords mit wachsender Begeisterung genießen. Diese Aufnahme des
Bachschen Klavierkosmos' stellt viele Einspielungen, auch großer
Pianisten, durch die warmherzige und technisch exzellente Gestaltung
mühelos in den Schatten.
*
(40) Charles-Marie Widor, Complete organ works, volume
1.
Symphonie IV op. 13, no. 4. f-Moll.
Symphonie VI op. 42, no. 2, g-Moll
Olivier Vernet, Orgel. Orgue Aristide Cavaillé-Coll (1879),
Cathédrale Sainte-Croix d'Orléans. © 2008 Ligia Digital
Lidi 0104193-08. Vertrieb: Klassik Center Kassel.
Schon der äußere, nicht musikalische Part
dieser großartigen Einspielung kann man nur als vorzüglich bezeichnen.
Das umfangreiche Booklet in französischer und englischer Sprache
informiert ausführlich und sachkundig über die musikalische Situation
zuzeiten Charles-Marie Widors. Danach folgen Kommentare zu den beiden
eingespielten Sinfonien und jeden einzelnen Satz. Ungewöhnlich viel Platz
wird den Editionen der Orgelwerke Widors eingeräumt, nicht zuletzt derer
von John R. Near, dessen Widor-Ausgabe dieser Einspielung zugrunde liegt.
Die Disposition der Cavaillé-Coll-Orgel in der ehrwürdigen Kathedrale
Saint-Croix zu Orléans wird ebenso mitgeteilt wie ein optischer Eindruck
mit Photos von der Kathedrale, dem Spieltisch und dem Künstler.
Es ist ein großer Glücksfall, dass diese
Aufnahme die überwältigende Räumlichkeit der Kathedrale und die
Klangfülle sowie die Klanggestalt der Register zur Geltung bringt. Mit
zunehmendem Alter nimmt die Anzahl der spielfähigen und nicht umgebauten
Cavaillé-Coll-Orgeln rapide ab. Hier erlebt man noch den authentischen
Klang der C.-C.-Orgeln und die adäquaten Stimmencharaktere, welche die
Symphonien Widors optimal zu Gehör bringen. Eine musikalische Ära, die
nun auch schon über 120 Jahre zählt, berührt und fasziniert nach wie vor
durch ihren genialen Erfindungsreichtum.
Der Einstieg in diese herrliche und
majestätische Kathedralmusik der Symphonie Nr. 4 op. 13 Nr.4 f-Moll
gelingt Vernet bewundernswert. Sowohl die Toccata als auch die Fuge
(Track 1 und 2) hört man in einer wohlausgewogenen Balance von Diskant-,
Mittelstimmen- und Bass-Partie. Das Andante cantabile erhält mit den
seraphischen Streicherregistern einen silbrigen Glanz. Das Finale
wiederum spielt Vernet äußerst vital und mit großem Elan, dabei, trotz
massivem Stimmeneinsatz klar und flüssig.
Ebenso hinreißend und überwältigend beginnt
die Symphonie Nr. op. 42 Nr. 2 g-Moll. Mit meisterhafter
Technik, sowohl manualiter und pedaliter, dazu authentischer
Registrierung entfaltet er die großangelegte Dimension dieses Werks. Das
Cantabile, wohl eine der schönsten Eingebungen der romantischen
Orgelmusik, lädt unter der Stimmführung der wunderschönen flûte
harmonique zum Meditieren ein. Der Finalsatz erklingt kräftig und temperamentvoll,
jederzeit geeignet als prachtvolle Sortie für ein hohes Kirchenfest.
Ganz besonders erwähnt seien jedoch das
Scherzo der Symphonie Nr. 4 und das Intermezzo der Symphony Nr. 6.
Wie quecksilbrig, technisch rasant und nahezu schwerelos gelingt Vernet
die hoch inspirierte Wiedergabe der quirligen, teils flüsternden, teils
aufbrausenden Musik.
Maître Vernet: congratulations pour cette interpretation tellement
légère, ingénieuse et ravissante!
Fazit: Diese Einspielung der beiden
Orgel-Symphonien von Charles-Marie Widor ist in jeder Hinsicht
empfehlenswert.
*
(39) Carpe diem
De profundis - Tre Bassi
Alain Buet, Paul Willenbrock, Philippe Roche
(Baß), Michel Godard (Serpent), Hille Perl (Viola, Lirone) und Lee
Santana (Chitarrone). 1.
Godard, Improvisations on de produndis clamavi 2. Ebner, De profundis
clamavi 3. Godard/De Schepper, L'arraignée 4. Santana, Island on an
island 5. Santana, Mr Ed &. 6. Santana This time the last
7. Benevoli, Collocet eum cum principibus 8. Gandi,
Deus misereatur nostri 9. Mazak, Factum est praelium
magnam 10. Cazzati, Factum est praelium magnam 11. Godard,
Magnificat 12. Cifra, Magi videntes stellam 13.Gletle, Ave
Maria 14. Eisenhuet, Salve Regina. - Carpe diem, CD-16274. © 2008. Vertrieb:
Klassik Center Kassel.
Diese Einspielung erzählt in vierzehn Etappen
die Leidens- und Erlösungsgeschichte einer menschlichen Seele,
vergleichbar mit dem antiken per aspera ad astra. Die Texte jeder
Etappe bestehen aus Psalmversen, Hymnen, modernen Songs und
biblischen Erzählungen. Daß dieses Tableau nun kein frömmelnder Traktat,
sondern eine herrlich ausdrucksstarke und musikalisch überragende Abfolge
von wunderschön gesungenen und gespielten Werken besteht, liegt an den
meisterhaften Musikern, den aparten Instrumenten und den großartigen
Kompositionen. Sehr lebendig und lebensnah, ohne jede mystifizierende
Verschleierung, wird hier musiziert. Die Musik vermag den Zuhörer zu
bezaubern, wenn beispielsweise der Serpent, ein Instrument aus frühen
Tagen der Instrumentalmusik, einen archaischen Klang quasi aus
alttestamentarischer Zeit erzeugt. Ebenso gebannt hört man den
ungewohnten Streicherklängen der Viola und Lirone zu. Hierfür konnte die
weltberühmte Expertin für diese Instrumente Hille Perl gewonnen werden.
Der Chitarrone, eine langhalsige Erzlaute, gibt der gezupften Begleitung
zu den barocken Klageliedern ein sonores, edles harmonisches und
klangliches Fundament. Nicht nur in den frühbarocken Stücken,
sondern auch Werken aus unserer Zeit vernimmt man ausgedehnte
improvisatorische Passagen, die in ihrem Jazzstil durchaus authentisch
wirken. Die drei kraftvollen, perfekt ausgebildeten und sich sehr gut
mischenden Baßstimmen sind bei dem Gassenhauer-Ton bei "Mr. Ed"
ebenso überzeugend wie in der an Weill erinnernden Ballade "This
time the last". Dem Wunder des Englischen Grußes, Magnificat,
entspricht ein "unerhörtes", faszinierendes Konglomerat aus
textfreiem Gesang sowie Streicher- und Zupfklang. Eine frohe Botschaft
auf herrlich swingenden Rhythmen, bis schließlich alle irdischen und
englischen Stimmen ihre Freude und Erregung einbringen. Ein
harmonisch-schöner Juwel ist das Ave Maria von Johann Melchior Gletle
(1626-1629). Die CD schließt mit einem beseelten, stimmungsvollen
Lobgesang aller Stimmen an die Himmelskönigin Maria.
(38) Oehms Classics
a) Johann Sebastian Bach, Goldberg-Variationen, BWV 988. Arrangiert
für Orgel von Hansjörg Albrecht. Hansjörg Albrecht, Orgel.
Mühleisen-Orgel, 2000 in Bad Gandersheim. OC 625, © 2007.
b) Pictures from Russia. Mussorgsky, Rachmaninow, Strawinsky.
Three Organ Transcriptions by Hansjörg Albrecht. Modest
Mussorgsky, Bilder einer Ausstellung. Organ transcription by Hansjörg
Albrecht. Sergej Rachmaninow,
Die Toteninsel op. 29. Organ transcription by Axel Langmann. Igor
Strawinsky, Three Dances from the Ballet "Petruschka". Organ
Transcription by Hansjörg Albrect. Große Orgel von St.
Nikolai, Kiel. OC 632. © 2008.
a) Nach meiner lobenden Besprechung der
Einspielung mit Ausschnitten aus dem "Ring des Nibelungen" von
Richard Wagner in der Orgelzeitschrift "organ" Heft 3/08, gibt
es einen weiteren erfreulichen Anlass, nämlich die Einspielung der
"Goldberg-Variationen" BWV 988 von Johann Sebastian Bach und
Werke von Mussorgsky, Rachmaninow und Strawinsky in Transkriptionen
vorzustellen. Oehms Classics ist zu beglückwünschen, Hansjörg Albrecht
als Interpreten für diese Orgeleinspielungen gewonnen zu haben. Dieser
Erzmusiker reüssiert ja ebenfalls als Dirigent, Chorleiter und Cembalist,
und erreicht nun mit seiner grandiosen Wiedergabe der
Goldberg-Variationen einen derart hohen Qualitätsrang, der ihn in die
oberste Klasse der Interpreten-Skala mit Helmuth Walcha, Jean Guillou
oder Glenn Gould aufnimmt. Ausschlaggebend ist dabei nicht nur die
exzellente, einwandfreie technische Ausführung, sondern wie stilsicher er
den Eigencharakter einer jeden Variation erfaßt. Er verwendet dabei
originelle Registerkombinationen und verteilt diese effektvoll auf die einzelnen
Klaviere und das Pedal. Grandiose Kraft und prachtvoller Grand-Jeux-Glanz
steht wirkungsvoll neben zarten Prinzipalklängen und silbrigen
Aliquotgirlanden. Die Mühleisen-Orgel aus dem Jahre 2000 ist mit ihren 50
Registern und drei Manualen nebst Pedal ein hervorragendes Instrument für
diese Wiedergabe. Das von Albrecht verfaßte Booklet ist in deutscher und
englischer Sprache vorbildlich informativ und ästhetisch schön gestaltet.
Jede Variation stellt er kurz in ihrem Charakter vor und begründet evident
die dafür gewählte Registrierung. Die Disposition dieser Orgel, die in
der Stiftskirche in Bad Gandersheim steht, liest sich klar und
übersichtlich.
Fazit: Wegen der originellen und
stilgerechten Gestaltung von Bachs Goldberg-Variationen, sowie der auch
ästhetisch vorbildlich gestalteten Booklets verdienen Hansjörg Albrecht
und Oehms Classic höchstes Lob.
b) Auch diese CD ist ein
Musterbeispiel für stupende Gestaltung von Orgelmusik, eindrucksvolle
Räumlichkeit des Klangbildes und perfekte Aufnahmetechnik. Die mehrmals
umgestaltete Kleuker-Orgel in St. Nikolai zu Kiel, deren baulicher und
intonatorischer Lebenslauf nebst aktueller Disposition im hervorragenden
Booklet aufgezeichnet ist, nutzt Hansjörg Albrecht außerordentlich
virtuos aus. Die 48 Register werden in bisher ungehörte
Klangkombinationen gebracht, und man hat immer noch das Gefühl, daß
Albrechts reiche Klangphantasie noch längst nicht erschöpft ist.
Auf dieser CD werden triumphale und majestätische Klangbilder
entfaltet, deren Farbigkeit und Stimmungsdichte absolut überzeugend sind.
Die Promenaden-Abschnitte der "Bilder einer Ausstellung" kommen
nicht schüchtern daher, sondern nehmen den Inhalt des soeben verklungenen
Bildes auf, leiten aber auch stimmig auf den folgenden Anblick über. Besonders
tief beeindruckend sind die "Catacombae" und das monumentale
"Große Tor von Kiew", ohne daß die anderen Bilder dagegen
verblassen. - Die "Toteninsel" erhebt sich aus einem
düsteren, unheimlichen Streicherklang. Der dramatische Mittelteil packt
den Zuhörer ebenso wie die ins Nichts verdämmernden Schlußtakte. - Die
bunte Zirkuswelt des "Petruschka" erscheint hier völlig legitim
in einer anderen Farbgebung, als man es von der Orchesterfassung gewohnt
ist. Gerade das ist ein weiterer Vorteil dieser Einspielung. Großartig
die immer noch weiter steigerungsfähige Ballung der Klangmassen und
Durchhörigkeit der vielstimmigen, dynamisch differenzierten Textur. Der
anrührende, silbrige Klang des Zimbelsterns im wuchtigen Finale ist eine
liebevolle Pointe; ebenso, daß sein ungedämpfter Ton in die Stille der
Schlußakkorde hineinreicht.
Fazit: Eine unbedingt empfehlenswerte
Einspielung dreier großer Werke russischer Komponisten. Man hört
Klangfarben der Orgel, die man bisher noch nicht gehört hat. Die
souveräne Gestaltung von Hansjörg Albrecht ist wiederum bewundernswert.
Hohes Lob für einen nachhaltigen musikalischen Gewinn.
(37) Musica rediviva
a) From Castle and Cottage - Torbjörn Näsbom, Nyckelharpa (keyed
fiddle, Schlüsselharfe), Andreas Edlung (Cembalo). MRCD 014 ©
2007.
This is one of the most enchanting and charming pieces of music
which has ever been recorded in the last decades. Both fairly old
traditional instruments - a coupling of hurdy-gurdy with a fiddel and
a harpsichord - let us hear such a magic and ravishing music,
which, I must confess, remained a lot of days in my mind - to my utmost
pleasure. The acoustic delight starts with the Kyrkmarch by Olof
Jansson (1927-1993), which is a derivative of the Allegro ma non troppo
in Beethoven's violin concerto. The glistening sound of the harpa and the
sparkling sound of the harpsichord is an overwhelming ear-catcher. The
Sonate in c major for both instruments by C.Ph.E. Bach means truly
original barock sound, even both instruments are of 20th century origin.
You need nice wedding music? Listen to the Kyrkpolska on the harpsichord
with buff stop. Absolutely convincing is the transcription of Bach's
Cello solo suite in g major on the harpa. It is a new interpretation, one
octave higher, but fully agreable. The hopping, dancing rhythm of the
Courante and the fluctuant Gigue are admirable. The warm and sonorous
tone bares the affect of comfort in two clavecin pieces by Couperin le
Grand and Marin Marais. A genuine finale furioso are the 32 Couiplets de
Folies by Marin Marais. It unbelievable how hilarious both musicians give
every variation a new colour and measure of energy. You hear some in a
ludicrous tempo, you hear the howling of a nice cat, or tender voices.
Here are true masters of music at work! Congratulations!
The booklet in English, Swedish and Japanese is well equipped with
informative texts and nice photographs. Bravo musica rediviva!
b) Bach at Leufsta Bruk, Hans Fagius (Organ). 1.
Pièce d'orgue. - Sechs Choräle von verschiedener Art
"Schübler-Choräle" 2. Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 645 .
3. Wo soll ich fliehen hin BWV 646 4. Wer nur den lieben Gott läßt
walten BWV 647 5. Meine Seele erhebet den Herren BWV 648 6. Ach bleib'
bei uns, Herr Jesu Christ BWV 649 7. Kommst du nun, Jesu, vom Himmel
herunter BWV 650 8. & 9. Präludium und Fuge C-Dur BWV 545 10. -
12. Triosonate e-Moll BWV 528 13. - 21. Partita diverse sopra "O
Gott, du frommer Gott" BWV 767 22. An Wasserflüssen Babylon BWV 653
23. & 24. Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542 Johan Niclas Cahman Organ
1726-28. Temperature Neidhart 1724 "Für ein Dorff". 28 stops, II/P. MRCD 016
© 2007
Another outstanding peformance of Hans Fagius, famous for
his excellent interpretations specially by J.S. Bach. The first movement
of Pièce d'orgue comes fluently and lucid. The Grave is really
majestic and weightly. The Lentement, about which everybody is curious
how fast a organist will play it, is played as a normal allegretto, which
seems right, also here. Each of the following pieces are executed
with a light hand and undiminished virtuosity. In the partita "O
Gott, du frommer Gott" Fagius finds an admirable variety of voices.
Nearly all stops are activiated. The sound of this recording is
transparent, but with some very prominent reeds. Generally, this organ is
an instrument of wonderful sound. The booklet, again, in English, Swedish
and Japanese is explains the special construction of the organ. All stops
are listed, also the registration of every piece. This is another master
product of musica rediviva.
c) Travels with My Lute, Ryosuke Sakamoto (Renaissance Lute). 25
Tracks. MRCD 013 © 2007
The third of these highly recommendable trias is the most calm
one. And it is a nice collage of music especially for lute. Ryosuke Sakamoto
plays a modern instrument by Martin Haycock from 2002. The very
individual booklet in English and Japanese shows the artist while playing
the lute, on another page with a viola da gamba, wandering in a green
landscape, and as charming baby in a craddle. Very sympathetic. We are
acquainted with a lot of famous compositors and composers, like Antonio
Cabezon, John Dowland, J.H. Kapsberger, J.S. Bach, Silvius Leopold Weiss,
and Claude Debussy; or with the famous folk song "Mille regrez"
in the version by Luys de Narváez, or La fille aux Cheveux de lin. Nearly
all important European countries for lute music are incorporated. Some
transpositions like two Swedish folk songs or Spain are convincing. -
Ryosuke plays with skilled technique, with a clear, accurate tone
(perhaps sometimes too accurate). Nevertheless, this record meets the
high level of musical amusement and life, like its predesessors and can
recommended very warmly.
Distribution of all three CDs: CDA/Compact Distribution AB, Box 4225,
SE-102 65 Stockholm , Sweden, Tel +46 8 442 11 20, Fax +46 8 442 11 33,
e-mail: cda@cda.se
***
(36) Saphir Productions - Gabriel
Fauré, Nocturnes. Émile Naoumoff, Klavier. LVC 1077. ©
2007 Vertrieb: Klassik Center Kassel
Der Name Gabriel Fauré ist in Deutschland
selbst dem wenig erfahrenen Musikfreund geläufig. Seine Kompositionen
sind, bis auf wenige Ausnahmen, eher unbekannt. Ganz selten jedoch wird
in deutschen Konzertsälen eines seiner Klavierwerke gespielt oder in den
Medien erwähnt. Dabei gibt es so wertvolle Werke, darunter vor allem die
Nocturnes. Leider haben die ganz großen Pianisten des 20. Jahrhunderts
einen Bogen um das Solo-Klavierwerk gemacht. Und die wenigen
meisterhaften Einspielungen - etwas die mit Germaine Thyssens-Valentin
oder Catherine Scott - werden kaum beachtet. Was heute an Aufnahmen
erhältlich ist, zeichnet sich durch wenig inspirierte Ware aus.
Zum Glück gibt es jetzt wieder eine Neuaufnahme sämtlicher
Nocturnes, die Émile Naoumoff mit bester technischer Akkuratesse
vorträgt. Was jedoch noch viel wichtiger ist, dass er außerordentlich
empfindungs- und stimmungsreich die individuellen Stücke spielt. Sein
Anschlag erzeugt einen wunderschönen, klangvollen Ton. Seine
spannungsvolle Interpretation gibt die Atmosphäre in den melomanen Salons
oder den intimen Charakter von Privatkonzerten ganz authentisch
wieder.
Bref: Eine exzellente, wunderschöne
Einspielung von Faurés Nocturnes. Technisch auf dem besten Standard. Sie
ist in allen Belangen absolut empfehlenswert.
***
(35) audite - Edition Géza Anda, Klavier. Vol. I (2 CDs)
23.407, Vol. II (2 CDs) 23.408, Vol. III (2 CDs) 23.409,
Vol. IV (2 CDs) 23.410
Die Dokumentation mit Einspielungen des
Pianisten Géza Anda war notwendig. Sie hält die Erinnerung an einen der
großartigsten Pianisten des vergangenen Jahrzehnte lebendig. Der Schüler von
Edwin Fischer und Clara Haskil ging eigene Wege. Er orientierte sich an
ihrer überragenden Technik und formalen Seriosität, schloss sich jedoch
der Sachlichkeit des Anschlags und der musikalischen Gestaltung an, die
nach dem Zweiten Weltkrieg beherrschend wurde. Man mied das
interpretatorische Pathos, das nicht zuletzt politisch gefordert und
mißbraucht wurde. Géza Anda fügte zum eher rationalen zeitgenössischen
Klangstil eine unverkennbare Eleganz und einen die klavieristische
Technik betonenden Vortragsmodus hinzu. Unvergessen sind seine rasante
Motorik, die markante Rhythmik und unfehlbare Treffsicherheit seiner
Ausführungen. Diese charakteristischen Merkmale sind auch in den
folgenden acht CDs festgehalten.
Vol. I Wolfgang Amadeus Mozart, a.)
Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll KV 466. Kölner Rundfunk-Sinfonie- Orchester,
Leitung: Géza Anda. Rec. 28.11.1969 b.) Klavierkonzert Nr. 22
Es-Dur KV 482. Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung: Constantin
Silvestri. Rec. 04.04.1960 c.) Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur KV 488.
Camerata Academica Salzburg, Leitung: Géza Anda. Rec. 28.01.1962 d.)
Symphonie Nr. 28 C-Dur KV 200. Camerata Academica Salzburg, Leitung: Géza
Anda. Rec. 28.01.1962 e.) Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur KV 467. Kölner
Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung: Joseph Keilberth. Rec.
16.01.1956.
Der erste Satz des d-Moll-Konzerts wird von
einem weichen Orchesterklang eingeleitet, der den tragisch-dramatischen
Grundcharakter betont. Das dynamisch kontrastreiche Spiel Andas klingt in
den Piano-Passagen mild und nachdenklich. Dominierend ist jedoch der
direkte, diskrete und farbneutrale Anschlag, der jeden Ton des
Klavierparts hörbar werden lässt. Es herrscht eine apollinische
Ausgeglichenheit zwischen der formalen Gestaltung und dem drängenden,
motorischen Impetus. Die vor allem in den romanischen Ländern gepflegte
Klarheit der Tongebung und Konturenreinheit wurde wohl selten so perfekt
erreicht wie von Anda (allenfalls vergleichbar ist hierbei Dinu Lipatti).
Der zweite Satz wird ganz natürlich phrasiert. Das Pedal wird nur ganz
behutsam eingesetzt. Die starke emotionale Erregung im Mittelteil
steigert sich zu einem eindruckvollen Forte. Im Schlußsatz brilliert Anda
mit sicherer Technik auch im raschen Tempo, sein Anschlag klingt hell und
lebendig.
Das Es-Dur-Klavierkonzert wird ebenso klar
und lebendig gespielt. In den von ihm geschriebenen Kadenzen im ersten
und dritten Satz geht Anda originell und einfallsreich mit Mozarts
musikalischen Material um. Der Mittelsatz, ein tief- tragisches Tombeau
vermag den Zuhörer stark zu bewegen. Die auskomponierten Schluchzer, die
aufwärtsspringenden Oktaven und Dezimen, gelingen ganz
unsentimental, wie auch der wunderbar zarte und leuchtende
Melos in der Dur-Wendung der Schlusstakte. Der klare, wenn auch neutrale
Anschlag bestimmt ebenfalls die Wiedergabe des dritten Satzes. Schön und
anrührend innig erklingt die Freimaurer-Musik im Mittelteil.
Zwischen diesen beiden Aufnahmen liegt
immerhin ein Zeitraum von neun Jahren, in denen sich klangästhetisch kaum
Veränderungen nachweisen lassen. Als habe sich Anda dort den
Klangvorstellungen des Orchesters angepaßt, hören wir in seiner
Einspielung des A-Dur-Konzerts KV 488 mit der Camerata Academica Salzburg
ein radikal anderes Klangbild. Die Streicher heben sich mit einer kantigen
Schärfe und dominierenden Lautstärke hervor, zu der die Holzbläser mit
ihrem runden, voluminösen Ton einen erheblichen Kontrast bilden. Die
Tongebung des Klaviers wirkt ebenfalls auf Schärfe und Hochglanz
ausgerichtet. Die Einzeltöne vor allem der rechten Hand werden sehr
distinkt ausgeführt, also fast im staccato, jedoch auf Kosten einer
melodiösen Linie. Manchmal fixiert sich Anda zu sehr auf jeden einzelnen
Anschlag, der dann nur noch farbarm und isoliert erklingt und kaum eine
melodiöse Linie bildet.
Leider ergeht es der Wiedergabe der
C-Dur-Sinfonie KV 200 in gleicher Weise. Die Schärfen der Streicher
ergeben keinen musikalischen Sinn. Die Triller und Mordente im Schlußsatz
gehen im raschen Tempo unter.
Nach dieser doch eher befremdlichen Schärfe
und Kühle ist die Interpretation des C-Dur-Klavierkonzerts KV 467 aus dem
Jahr 1956 eine uneingeschränkte Wohltat. Hier wird mit flüssig und
schönklingend musiziert, ohne aufdringliche Schärfe.
Vol. II Ludwig van Beethoven, a.) Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur
op. 15. Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung Géza Anda. Rec.
28.11.1969 b.) Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10. Rec. 22.07.1955 c.) Klaviersonate Nr. 28
A-Dur op. 101. Rec. 1611.1957 d.) Johannes Brahms, Klaviersonate Nr. 3
f-Moll op. 5. Rec. 16.11.1957 e.) Franz Liszt, Klaviersonate
h-Moll S 187. Rec. 22.07.1955.
Bei diesen Einspielungen imponiert ein
weiteres Mal die absolute technische Kompetenz Andas. Jeder Anschlag ist
eindeutig und hell. Im Beethoven-Konzert führt er seinen Part einerseits mit
einem secco-Anschlag aus, bei dem nichts verschwimmt, andererseits jedoch
weitgespannte Melodiebögen in einem wohlbalancierten Legato. Im langsamen
Mittelsatz wird diese Spannung noch enorm verdichtet. Eine helle Aura der
Empfindsamkeit durchzieht den gesamten Satz. Der dritte Satz erscheint in
einem leichtfüßigen Allegro. - Die Klaviersonaten sind im technischen
Sinne über jeden Zweifel erhaben, lassen jedoch einen warmen Ausdruck und
oder emotionale Empfindung größtenteils vermissen. Die Tongebung erscheint
farblich neutral und wenig wandelbar. Der Ton ist metallisch, der
Anschlag teilweise merkwürdig zackig, so dass keine verbindende, flüssige
Melodielinie entsteht. - Auch die Brahms-Klaviersonate wird in einer
nahezu neutralen, total entfetteten, energischen Interpretationsweise
vorgetragen. Erst im dritten Satz kreiert Anda eine gefühlsselige
Atmosphäre. Erst im fünften Satz mit dem fugierten Choral setzt er seine
manuellen Stärken für eine imponierende Fülle ein. Die Steigerung in die
Schluß-Stretta gelingt ihm mitreißend und überzeugend schwungvoll. - In
den Intermezzi von Johannes Brahms mißt er den Einzeltönen zuweilen eine
zu große Bedeutung bei, so dass der musikalische Zusammenhang teilweise
verloren geht. - Leider enttäuscht die Wiedergabe der Klaviersonate von
Franz Liszt weitgehend wegen dieser Spielweise.
Vol. III Robert Schumann, a.) Kreisleriana
op. 16. Rec. 06.04.1954 b.) Symphonische Etüden op. 13. Rec. 22.07.1955 c.) Carnaval
op. 9. Rec. 05.04.1960 d.) Romance Fis-Dur op. 28,2. Rec. 06.04.1960.
Frédéric Chopin, e.) 24 Préludes op. 28. Rec. 17.11.1957 f.) 12
Études op. 25. Rec. 22.07.1955.
Wie großartig, ja einmalig dagegen sind die
Interpretationen von einigen wichtigen Werken Robert Schumanns! Man
spürt, daß in Géza Anda die musikalischen Seelenbrüder Eusebius und
Florestan leben. Bis heute wird man kaum gleichwertig authentische
Einspielungen finden können. Dieser jugendliche, lebensprühende Elan,
diese rasche Wandelbarkeit zwischen introvertierter Besinnlichkeit und
aufbrausende Phantasie werden mit einer hinreißenden Verve gespielt.
Schon der motorisch aufgewühlte Beginn der Kreisleriana weckt
uneingeschränkte Begeisterung. Ein wahres emotionales Wechselbad sind die
innigen, wunderbar zarten Sätze gegenüber den grandiosen Aufschwüngen der
extravertierten Teile. - Diese großartigen Vorzüge in Géza Andas
Gestaltung treffen ebenso für die Symphonischen Etüden zu. Sie sind,
verglichen mit zahlreichen Wiedergaben anderer Pianisten, wohl die
gelungenste Einspielung dieses Werks. Diese hochdifferenzierte
Gefühlswelt und technisch überragende Ausführung, dazu eine
unwiderstehliche Binnenspannung und formale Geschlossenheit erheben diese
Einspielung zu einem absoluten interpretatorischen Vorbild. Die
Verbindung von einzigartiger klassischer Klarheit und feurigstem,
nie ausuferndem Temperament ist Anda in einzigartiger Weise geglückt. -
Die geniale Ausdruckskunst und Personenbeschreibung in Schumanns Carnaval
bringt Anda ebenso meisterhaft zur Geltung. - Die 24 Préludes und 12
Etüden op. 25 von Chopin leiden bedauerlicherweise wieder unter der
teilweise martellatischen Härte und dem allzu trocken angerissenen,
farblosen Anschlag wie in einigen zuvor beschriebenen Aufnahmen. Warum,
so fragt man sich, konnten nicht Mozart, Liszt oder Chopin so singend, so
sonor, so wunderschön klingend gespielt werden wie in der Romanze
op.28,2. Das ist wunderschönster Schumann und großartigster Anda.
Vol. IV Béla Bartók, a.) Klavierkonzert
Nr. 1 BB 91. Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung Michael
Gielen. Rec. 29.04.1957 b.) Klavierkonzert Nr. 2 BB 101. Kölner
Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung: Ferenc Fricsay. Rec. 27.06.1952 c.)
Kontraste für Klarinette, Violine und Klavier BB 116. Paul Blöcher,
Klarinette. Tibor
Varga, Violine. Rec. 08.01.01953 d.) Suite für Klavier op. 14 BB 70. Rec.
22.06.1955 e.) Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug BB 115. Géza Anda,
Georg Solti, Klavier. Karl Peinkofer, Ludwig Porth, Schlagzeug. Rec.
09.01.1953.
Bei den Einspielungen von Bela Bartók ist der
in Budapest geborene Anda ganz in seinem Element. Hier ist auch der
trockene, emotionsneutrale und helle Tonfall angebracht, sei es bei den
Solo-Werken oder in der Einheit mit einem Orchester oder den gleichfalls
exzellenten Musikerkollegen. Nichts verschwimmt im Ungefähr. Spannung und
Intensität sind wichtiger als Gefühlsfülle oder Romantik. Unnachahmlich
die präzise Rhythmik, der perkussive Anschlag. Andererseits kann man den
singenden und schöngestalteten Anschlag im ersten Satz der Suite
für Klavier bewundern. Die CD schließt mit einer herrlich motorischen und
in spielfreudiger Ausführung der Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug,
mit dem legendären Georg Solti und zwei großartigen Musikern am
Schlagwerk.
Conclusion.- This is a collection of essential recordings of
one of the most outstanding pianists in the fifty and sixty decades of
the last century. Géta Anda, born in Hungary, is a representative of the
modern style of interpretation after the Second Worldwar. Free of any
pathos, neutral in tone and colour, superb technique, motion more than
soft emotion, exposed energy more than introvert retreat - these are the
most telling characteristics of his play. Beside some to hard edged and
metallic sounding examples of his recordings with the Camerata Academica
Salzburg, or the sonata of Beethoven, Liszt, and Brahms, there are
actually divine recordings of Schumann and Bartók. The juvenile impetus
in Kreisleriana, Carnaval, and even more in the Symphonic Etudes is a
ravishing, breathtaking, and marvellous musical experience. Hear
it! Be fascinated!
***
(34) Doron music
Franz Liszt, Drei symphonische Gedichte
für Orgel und Klavier. Mazeppa, Orpheus, Tasso: Lamento et Trionfo. Jean-Francois
Vaucher (Orgel), Christian Favre (Klavier). Doron music DRC 3015 © 2006. Vertrieb:
Klassic Center Kassel.
Man möchte, wenn man diese Einspielungen
hört, leicht abgewandelt, mit Mime (Siegfried, 1. Akt) singen: "Nun
ward ich so alt, wie Höhl' und Wald, und hab' nicht so was
gehört!" Es sind in der Tat ganz unerhörte Klänge, die Jean-François
Vaucher und Christian Favre aus dem Zusammenklang von Orgel und Klavier
hervorzaubern. Dieses herrliche Mirakel wurde bereits 1987 produziert, im
Jahre 2006 jedoch von DORON music, Schweiz, veröffentlicht. Beiden
Künstlern standen am Aufnahmeort in der Église St.François, Lausanne,
eine Orgel aus dem Jahre 1777 zur Verfügung, die in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts im symphonischen Stil von der Firma Walcker umgebaut
wurde. Leider fehlen jegliche Angaben über die Größe und die Register des
Instruments. Der Flügel stammt von der italienischen Klavierbauerfirma
Fazioli. Fest steht, dass das Klavier über einen klaren, glanzvollen
(wenn auch nicht stets intonationsreinen) Ton verfügt und die Orgel
außerordentlich charakteristische und farbige Stimmen besitzt. Beides
ergibt eine wundersame Mischung, ohne technischen oder synthetischen
Schnickschnack. Gerade deshalb bezaubern zumindest "Mazeppa"
und "Orpheus" von Franz Liszt in dieser originellen
Besetzung besonders stark.
Im "Un poco meno presto" von "Mazeppa"
fasziniert ein wunderschönes Zimbelglitzern der Orgel und der Diskant des
Klaviers. Ein lieblicheres jeu perlé kann man auch auf einem Klavier kaum
realisieren. Solche Farbeffekte hat wohl noch kaum ein Orgelfreund
je gehört. Einfach hinreißend. Im "Andante mesto" kann man sich
am reichlich verwendeten "Tristan"-Interval satthören. "Orpheus"
lebt eher von einer generell harmonisch-ästhetischen Stimmung, die von
der Orgel mit orchestraler Dynamik und vom Klavier solistisch-zart
erzeugt wird. Im "Lento" bewundert man respektvoll die
hervorragende Technik beider Musiker, zugleich auch ihre
Ausdrucksstärke in der intimen Stimmung, wie wir sie aus der "Dante-Sonate"
mit der Liebeszene der Francesca di Rimini her kennen. Mit einem
geschmackvollen Tremolo und weichen Streichern in der Orgel deutet sich
die Verklärung des Orpheus an, bis sich schließlich der Sieg über den Tod
mit ziemlich pompösen Schmetterklängen Platz schafft. Cosima Wagner
nannte das in ihren Tagebüchern den unvermeidlichen Apotheosen-Fimmel.
Dennoch, eine großartige Umsetzung des antiken Mythos.
Die Partitur des "Tasso" fällt,
gemessen an den beiden vorangegangenen Werken, qualitativ reichlich ab.
Die übermäßig ausgedehnten Monologe und einstimmigen Gedankengirlanden
verlangen nach einer großen Geduld, die Apotheose meldet sich schon im
"Meno Adagio", wirkt aber wegen der reichlichen Oktavkaskaden
oberflächlich, ohne daß die beiden Künstler den Stimmungsgehalt vertiefen
können. Nach einem überraschenden Vogelzwitschern und einer grazilen
Tanzszene steuert das Werk dem wuchtigen Finale entgegen, nicht unähnlich
dem Einmarsch der Götter in Walhall aus Richard Wagners "Rheingold".
Organist und Pianist spielen zwar großartig, können aber den
musikalischen Leerlauf nicht aufhalten.
Fazit: Allein schon wegen der
Transkription für die Besetzung für Orgel und Klavier und wegen der
einzigartigen Interpretation von Vaucher und Favre lohnt sich der Erwerb
dieser CD. Wer Raritäten sammelt und genießen will, wird sich lange an
dieser Einspielung erfreuen. Kompliment an Künstler und Aufnahmetechnik!
***
(33) Naxos - Maurice Duruflé, Organ Music
(complete)
1. Fugue sur le thème du Carillon des Heures de la Cathédrale de
Soissons op. 12, 2 -4. Prélude, Adagio et Chorale varié sur le
thème du "Veni creator" op. 4, 5. Prélude sur l'Introit
de l'Épiphanie op. 13, 6. Scherzo op. 2, 7-8. Prélude et Fugue sur le nom
d'Alain op. 7, 9. Méditation op. posth., 10. Hommage à Jean Gallon,
11-13. Suite op. 5, Prélude, Sicilienne, Toccata. Henry Fairs,
Orgel. Grandes-Orgues Cavaillé-Coll in Notre-Dame d'Auteuil, Paris. Naxos
8.557924 © 2007
Sobald man den Namen des Maurice
Duruflé (1902-1986) liest, befällt einen stets ein großes Bedauern. Wie
wenig hat der große Orgel-Komponist den Orgelfreunden an Opera
hinterlassen, und wie viele geniale Werke hat er, von Skrupeln behaftet,
zerstört, um nur ein schmales Oeuvre gelten zu lassen. Man kann sicher
sein, daß viele weitere wertvolle Orgelstücke von ihm verbrannt worden
sind. Freuen wir uns also an dem, was wir von ihm haben.
Diese Einspielung fängt den
charakteristischen Klang einer Cavaillé-Coll-Orgel ein und gibt ihn unverzerrt
wieder, ohne daß auf Brillanz oder spezielle Effekte nachgearbeitet
wurde. Gerade der eingedunkelte, außerordentlich warme Klang, der
sich in einer natürlichen Akustik entwickelt, ist dem Klangcharakter
Duruflés angemessen. Nicht die messerscharfe, diskantlastige Tonlage,
sondern das ausgewogene, in den Pedaltiefen wunderbar brodelnde Klangbild
paßt hier besonders sowohl für die kleineren Stücke wie etwa die Fugue
sur le thème du Carillon op.12 oder die Méditation, aber auch für
die großen Kathedralen füllenden Werke, wie etwa Prélude,
Adagio et Choral op.4. In dieser Aufnahme werden die hochvirtuosen
Stücke in ihrer Faktur durch diese Akustik nicht beeinträchtigt. Vielmehr
erfahren wir, wie beispielsweise bei der Toccata op.5 die Virtuosität organisch
in die Klangvorstellungen der Epoche der französischen Kathedralmusik
eingewoben ist. Sowohl die meditativen Werke, wie etwa das Prélude sur
l'Introit de l'Èpiphanie op.13 oder die Hommage à Jean Gallon,
präsentiert Henry Fairs ebenso authentisch wie etwa die großartige Suite
op. 5.
Das Booklet enthält knappe Texte zum
Komponisten und zu den einzelnen Werken. Neben der Disposition der
Orgel aus dem Jahre 1884-1885 ist ein Schwarz-Weiß-Photo mit einem
Ausschnitt des Brustwerks zu sehen. Die Vita des Organisten ist allzu
kurz ausgefallen.
Fazit: eine wunderschöne, emotional sehr
ansprechende Einspielung des Gesamtwerks des großen Maurice
Duruflé.
***
(32) the spot recores - Susanna Yoko Henkel, Violine
- pure bach. Johann Sebastian Bach. sonatas and partitas for
violin solo. bwv 1001 - 1006.
the spot records 28869-4, 2 CD set. Vertrieb: Codaex, VÖ 22.9.2006
- susanna yoko henkel - Ravel
featuring monika leskovar (violoncello), milana chernyavska, piano
the spot records 28869-5. Vertrieb: Codaex, VÖ 22.09.2006
Ravel, Tzigane. Sonata for violin and piano. Piano trio. Sonata
for violin and violoncello.
Diese Einspielung der Sonaten und Partiten für
Violine solo von Johann Sebastian Bach fällt zunächst einmal deswegen
auf, dass sie nicht mit einem Etikett, etwa ganz political correct,
"historisch orientierte Aufführungspraxis" oder ähnlich
ideologiebefrachteten Formeln daherkommt. Die Geigerin Susanna Yoko
Henkel, hat es nicht nötig, sich hinter einem mittlerweile inhaltsleeren
Begriff zu verstecken, sondern tritt mit ihrer eigenen Interpretation
auf, und die ist ganz Johann Sebastian Bach und seiner Musik
verpflichtet. Die Geige dieser Aufnahme wurde im Jahre 1705 von Giovanni
Battista Rogerius, Brescia, gebaut und wird ohne jede ideologische
Verklemmung mit Vibrato und mutiger Tonfülle gespielt. Henkel präsentiert
uns einen Bach der Gegenwart. Es ist immer noch nicht einzusehen, warum
die Musik des Barock historisch aufgeführt werden soll. Bach und alle
seine Vorgänger haben auch die damals "alte" Musik
selbstverständlich in ihre Gegenwart geholt und entsprechend umgeformt.
So hören wir also eine selbstsichere Geigerin, die mit rundem, klaren und
ausdrucksstarken Ton die vorgegebenen Noten mit Leben erfüllt. Unter
diesen Vorraussetzungen kann sich der Gehalt, dabei auch die Schönheit
der Bachschen Werke entfalten. Jeder Satz der drei Partiten und Sonaten
ist ein profunder Genuß. Man bewundert zugleich die manuelle technische
Makellosigkeit, aber auch die räumliche Akustik, in der sich der
symphonische Reichtum der Musik so vorteilhaft entfalten kann.
Die grandiose Fülle und sebstbewußte Geste
der Geigerin kommen auch den Ravel-Interpretationen zugute. Mit Milana
Chernyavska am Klavier hat Henkel bei Tzigane und bei der Violinsonate
eine großartige Partnerin, die nicht lediglich begleitet, sondern bei der
Ausformung der Ravelschen Klangsprache ebenbürtig mithilft. Herrlich
temperamentvoll steigern sich beide Künstlerinnen sowohl in diesen beiden
Werken als auch mit der Cellistin Monika Leskova zu einer mustergültigen
Wiedergabe des Klaviertrios. Die Sonate für Violine und Violoncello sowie
die Berceuse bestätigen die überaus hervorragende, Standards der
musikalischen Interpretation setzende Einspielung.
***
(30a) Wagner, Richard: "Das Rheingold".
Wotan – John
Bröcheler. Donner – Timothy
DuFore. Froh - Andrew Brunsdon. Loge – Christopher
Doig. Fricka – Elizabeth Campbell. Freia – Kate Ladner. Erda – Liane Keegan. Alberich – John Wegner. Mime –
Richard Greager. Fasolt – Andrew Collis. Fafner
– David Hibbard. Woglinde - Natalie Jones. Wellgunde –
Donna-Maree Dunlop. Flosshilde
– Zan McKendree-Wright. Adelaide
Symphony Orchestra. Dirigent: Asher Fisch. MR
301089-90. ã 2006. Vertrieb: Klassik Center Kassel
Nachdem schon die Einspielung
der „Walküre“ aus dem Adelaide Festival Theatre der State Opera of South
Australia einen so hinreißenden und nachhaltigen Eindruck hinterließ,
kann die Interpretation des „Rheingolds“ ebenso glücklich machen. Das
fängt mit der bewundernswert klaren sowie makellosen Aufnahmetechnik und
Räumlichkeit der Einspielung an. Man sitzt wie im Publikum und kann das
dreidimensionale Geschehen auf der Bühne und dem Orchester mühelos
mitverfolgen, ohne dass einzelne Stimmen bevorzugt oder in den
Hintergrund gedrängt werden. Aus dem, ein weiteres Mal, sehr edel
gestalteten Booklet und einigen darin wiedergegebenen Photos kann man
feststellen, dass in der State Opera of South Australia durchaus ein
Bühnenbild aus unserer Gegenwart zu sehen ist. Also, ein großes Lob für
die Aufnahmetechnik.
Dem Regisseur und dem
Dirigenten ist es ein weiteres Mal gelungen, ohne Ideologie und Eifer
eine völlig natürliche, außerordentlich schön klingende Darstellung der
Partitur zu verwirklichen. Dies ergibt eine herrliche Lebendigkeit und
Lebensnähe des Gesamtklangs, die bereits mit dem runden, sonoren Es in
der Tiefe der Kontrabässe im Vorspiel der Oper beginnt. Die hohen
Streicher im submarinen Lichtgeflimmer um das Rheingold suggerieren eine
himmlische Helle. Auch hier wird nicht analytisch sezierend mit dem
Herausstellen von Einzelstimmen musiziert, sondern synthetisch, wobei ein
geschlossener, harmonischer Klangraum vom tiefsten Bass bis zu den
höchsten Höhen vor unseren Ohren entsteht. Ohne Einbrüche in der Spannung
und Konzentration hören wir dieses in Europa kaum noch zu hörende
Klangbild bis zum erlösenden „Zur Burg führt die Brücke“ und dem von
Wagner bewusst bombastisch gestalteten Finale.
Jede Rolle ist hervorragend
besetzt. Bröchelers Wotan strahlt Majestät und Würde aus, die Göttinnen
Fricka und Freia werden mit dramatischer Gestaltung als emotionale Wesen
dargestellt. Die Urmutter Erda ist eine kraftvolle Mahnerin. Froh und
Loge agieren als quicklebendige Naturwesen. Sowohl Alberich, erschütternd
in der Fluch-Szene, und Mime glänzen durch stabile, deutlich
artikulierende Stimmen wie die jugendlich-leichtfertigen, aber auch
bedauernswerten Rheintöchter. Eine besondere Überraschung bieten Fasolt
und Fafner für europäische Ohren. Oft sind diese Rollen bei uns mit
finnischen Bassstimmen besetzt, so
dass sich ihr „schwarzes“ Timbre tief in Gedächtnis eingeprägt hat. Diese
nun in australischer bzw. englischer Klangfarbe zu hören, ist, ohne im
mindestens den finnischen Gesang zu bemäkeln, für das Gehör erfrischend.
Asher Fisch erweist sich ein weiteres Mal als großartiger Dirigent, der
die Musik natürlich und farbenreich zu grandioser Fülle führt.
Facit: This is
again an outstanding recording of Wagner’s „Rheingold“. All singers are
doing their work at its best. The orchestra marks the highest standard of
technical performance and beauty of sound. What a wonderful musical
experience!
(30b) Wagner, Richard: "Die Walküre". The State Opera
of South Australia. Stuart Skelton (Siegmund), Deborah
Riedel (Sieglinde), Richard Green (Hunding), John Bröcheler
(Wotan), Lisa Gasteen (Brünnhilde), Elizabeth Campbell (Fricka). Adelaide Symphony Orchestra,
Asher Fisch. Presented by Dr Douglas D Mitchell. Melba Recordings.
MR 301091-94. © 2006. Vertrieb: Klassik Center Kassel
Was für eine großartige und wunderbare Aufnahme! Sie
hat eine stattliche Anzahl an Vorzügen. Das beginnt bereits mit der
auffallend klaren, unverzerrten Aufnahmetechnik, die ein ganz natürliches, voluminöses
Raumerlebenis ermöglicht. Das gibt dem Live-Mitschnitt einer
„Walküren“-Inszenierung aus State Opera of South Australia eine
authentische, lebensnahe Note.
Für europäische Ohren
überrascht die Inszenierung des Musik in vielerlei Hinsicht. Es wird ohne
jeden ideologischen Krampf musiziert und gesungen. Keine Passage der
Partitur ist analytisch zergliedert oder didaktisch hochstilisiert nach
Art: „Achtung, jetzt kommt ein Paukenschlag.“ Wagners Oper wird einfach
um ihrer Schönheit und Dramatik willen aufgeführt. Dabei leisten das
Orchester und die Sänger Hervorragendes. Das Orchester genügt höchsten
Ansprüchen. Die andersartigen, ästhetisch vorzüglichen Klangfarben der
Blechbläser und vor allem Holzbläser weckt die Neugier des Zuhörers. Das
Blech trumpft imponierend auf, erzeugt aber nicht nur ein jeweils
stärkeres Volumen, sondern sorgt auch für eine Bereicherung der
Farbpalette. Alle Sänger sind wahrhafte Wagner-Stimmen, mit Kraft und
Stabilität der Tongebung, großem Atem und darstellerischer
Ausdruckskraft. Die „Wälse, Wälse!“-Rufe im ersten Akt werden von
Siegmund nicht gepreßt und hochgestemmt, sondern mit bewundernswerter
Strahlkraft ausgehalten, ohne daß er heimlich auf die Stoppuhr guckt, um
zu sehen, wie lange er noch zum Weltrekord im Stentorsingen braucht.
Verwirrend ist lediglich die zuweilen flackernde Stimmführung von John
Bröcheler, der den Wotan ein wenig mit Amfortas verwechselt.
Der Dirigent Asher Fisch
erlaubt sich einige Besonderheiten, die man jedoch ohne Mühe akzeptieren
kann. Das Vorspiel zum ersten Akt ist ein wenig geruhsam geraten, sodaß
der verfolgte Siegmund nicht außer Atem kommt, sondern ohne große Hetze
an Hundings Herd gelangt. Nichts in der Interpretation des Dirigenten ist
schwerfällig, aber dennoch gewichtig und geschmeidig. Statt rasender
Winterstürme leuchtet schon längst mit glutvoller Wärme der Lenz. Das
Finale der „Walküre“ rührt wohl jeden Zuhörer wegen seiner tragischen Dichte
zutiefst an. Von einer geradezu federnden Eleganz gerät der Walkürenritt.
Hier plumpsen die Walküren nicht in jedem Takt schwerfällig in den
Sattel, sondern sausen raumgreifend voran.
Fazit: Die gesamte
Aufführung erfüllt die Ideale der Schönheit und Natürlichkeit einer
musikalischen Wiedergabe von Wagners „Walküre“. Aber auch das Booklet –
mit Texten auf Deutsch, Englisch und Französisch – ist mit seinem Einband
und kostbaren Druck und Einführungstexten ein außergewöhnliches
Schmuckstück.
(30c) Richard Wagner,
Siegfried.
Gary Rideout (Siegfried),
Richard Greager (Mime), John Bröcheler (Wotan), John Wegner (Alberich),
David Hibbard (Fafner), Liane
Keegan (Erda), Lisa Gasteen (Brünnhilde), Shu-Cheen Yu (Waldvogel).
Adelaide Symphony Orchestra, Ahser Fish (Dirigent). Melba MR 301095-98. 2006.
Innerhalb des australischen
Zyklus des "Rings des Nibelungen" von Richard Wagner ist dies zunächst
eine der schwächeren Aufzeichnungen. zwar ist die Aufnahmetechnik wieder
von frappanter Klarheit und plastischer Deutlichkeit. Es sind vielmehr
die Gesangsstimmen, die nicht befriedigen können. Das gilt weniger für
Richard Greager als Mime, der das europäische Timbre des klagenden und
genervten Zwerges gut trifft oder für John Bröcherler, dessen berückend
schöne Bariton-Stimme leider recht scharf und leicht brüchig hörbar wird.
Gary Rideout als Siegfried zeigt hier jedoch gesangliche Schwächen, die
der unglaublich ruinösen und kraftraubenden Rolle in der Schmiedszene
nicht gerecht werden. Das vokale Klangbild ändert sich vollends ab dem 2.
Aufzug. Die Begegnung zwischen Alberich und Wotan vor der Neidhöhle wird
von Wegner und Bröcheler (Wanderer) höchst realistisch mit ihrem Gezänk
dargestellt. Vor allem John Wegners Bass ist von beneidenswerter Präsenz,
Kraft und Ausdrucksstärke. Gary Rideout ist offenbar ein eher lyrischer
Tenor. Gerade in der Waldszene - im Dialog mit der süßen Sopranstimme von
Shu-Cheen Yu als Waldvogel - hört man viel mehr Farbe, Klarheit und
Offenheit heraus. Auch im dritten Aufzug meistert er seinen Part
ausgezeichnet und läßt die gaumige, enge und angestrengte Stimme als
Helden-Siegfried vergessen. Liane Keegan (Erda) und Lisa Gasteen
(Brünnhilde) strahlen eine wahrhaft göttliche Stimmkraft und
Selbstsicherheit aus. David Hibbard (Fafner) singt nicht nur
furchteinflößend tief und riesenhaft, sondern überzeugt auch mit
außerordentlich schöner Stimme im Dialog mit Siegfried, welche die
anrührende und mitleidvolle Seite des einstigen Giganten zum Ausdruck
bringt.
Es zeigt sich einmal mehr,
welch großartiges Stimmpotential sich in dieser Aufnahme präsentiert, und
zwar von einer Qualität, wie sie in Europa kaum mehr zu hören ist. Das
Orchester breitet die gesamte Stimmenfülle in einem gänzlich
unverzerrten, natürlichen, frischen und makellosen Panorama aus. Tempi,
Dynamik und Ausdruckstiefe erfüllen höchste Ansprüche. Das ist zugleich
ein Lob für den Dirigenten Asher Fisch, der meisterlich das realisiert,
was Richard Wagner komponiert hat.
Fazit: Eine exzellente
Einspielung des "Siegfried" mit einigen Anlaufschwierigkeiten.
Sänger und Orchester agieren vital und spielfreudig. Sie bringen die
Vielfalt an Schönheit der Musik und der dramatischen Abläufe souverän auf
die Bühne. Es ist bemerkenswert, dass hier nicht alles auf die Partie des
Siegfried zugeschnitten ist, sondern dass es dramatische Figuren in
dieser Oper gibt, die jede von ihnen dramaturgisch bedeutsam sind und
hier mit prallem Eigenleben
erfüllt werden.
(30d) Richard Wagner,
Götterdämmerung. Timothy Mussard (Siegfried), Lisa Gasteen (Brünnhilde),
Duccio dal Monte (Hagen), Jonathan
Summers (Gunther), Joanna Cole (Gutrune), John Wegner
(Alberich), Elizabeth Campbell
(Waltraute), Liane Keegan (Erste Norn), Gaye MacFarlane (Zweite Norn),
Kate Ladner (Dritte Norn), Natalie Jones (Woglinde), Donna-Maree Dunlop
(Wellgunde), Zan McKendree-Wright (Floßholde). The State Opera of South Australia
Chorus, Adelaide Symphony Orchestra. Asher Fisch, Dirigent. Melba
MR 301099-102. 2007.
Auch diese Einspielung, die den "Ring des
Nibelungen" von Richard Wagner abschließt, ist in der Interpretation
an der State Opera of South Australia ist in vielfältiger Hinsicht ein
singulärer Meilenstein. Das Klangbild ist ein weiteres Mal makellos klar
und von natürlicher Räumlichkeit. Die Breite und Tiefe des Bühnenraums wird
deutlich sinnlich erfahrbar. Wie immer die Regie dieses monumentale Werk
gedeutet hat (die Photos im Booklet weisen auf eine modern-avangar-
distische Aufführung hin), Wagners Musik bleibt, im Gegensatz zu manch
anderer Inszenierung in Europa, von jeder Ideologie unangetastet. Das
Orchester führt Asher Fisch souverän durch die komplexe und kraftraubende
Partitur. Das großartige Sänger-Ensemble bietet ein Höchstmaß an
authentischem Wagner-Gesang. Leider kommt auch hier der Siegfried von
Timothy Mussard im ersten Aufzug nicht auf das Niveau seiner Kollegen,
gewinnt aber im zweiten und dritten Akt den erfreulichen Anschluß. -
Schon in der einleitenden Nornen-Szene schaffen die drei Sängerinnen eine
dichte, bedrohliche und schicksalhafte Atmosphäre durch eine
differenzierte Einfärbung ihrer Tongebung. Die stabilen, kraftvollen
Stimmen bleiben auch in der Höhe beeindruckend voluminös. - Die große
Stimme des Gunther erscheint im Gegensatz zum weichen Charakter, den er
darstellen soll, recht metallisch, paßt jedoch gut zum Timbre seiner
Darsteller- Kollegen. - Wirklich grandios und überwältigend singt Duccio
dal Monte den Hagen. In jeder Stimmlage bleibt sein Gesang klangschön,
offen und kraftvoll. Herrlich! - John Wegner als Alberich bleibt in der
"Götterdämmerung" die zuverlässige Größe an Stimm- und
Gestaltungskraft. - Die Waltrauten-Szene gehört durch den
ausdrucksstarken Gesang von Lisa Gasteen und Elizabeth Campbell mit zu
den am tiefsten anrührenden Szenen der Aufführung. Später gelangt Lisa
Gasteen als Brünnhilde im Schlußgesang des dritten Akts ein weiteres Mal
zu einer grandiosen, erschütternd tiefen Darstellung der Vollendung des
"Rings". - Gutrune und die drei Rheintöchter ergänzen die hohe
Qualität dieser Aufführung. Es gibt also noch Wagner-Stimmen, leider aber
kaum noch an den meisten europäischen Opern-Häusern. Eine
uneingeschränkte und enthusiastische Gratulation für diese Aufführung und
den gesamten "Ring".
Summary. - Richard Wagner died before 125 years.
Arnold Schönberg died 1951 - 57 years until now. Who is the modern
composer? Wagner's
"Ring" was performed 1876 for the first time. Since these 132
years the four operas are enacted again and again, discussed and beloved,
redirected in the most controverse styles on all five continents, freshly every year.
One
of the worldwide most outstaking performances of the "Ring" was
completed in 2007 with The
StateOpera of South Australia, and
we are happy that all four works are now available on CD by Melba Recordings.
The recordings beat in all aspects nearly every recording in comparison
to all available LPs and CDs. Modern is the directness and realistic
appearance of the music.
Let
me tell you why: The recording technique of the Sorround Sound on Super
Audio is sheerly perfect. The music appears absolutely clear,
three-dimensional and undistorted. The listener feels be seated close,
but not too much, before a broad panaroma of the stage and the orchestra.
Asher Fisch conducts vividly and absolutely narrow to the score. Tempi,
colours and agogic procedures are brought together to a wonderful sound
throughout from the first to the last bar. The stilistic unity of sound,
singing, and playing is admirable. All singers let your heart beat,
because of the beauty and expressiveness of their voices. Some
temporarily limitations of the Siegfried-singers are compensated until
the final acts of the opera. Wagner's music is never touched by an
ideological influence.
The
outside appearance of the booklet is charming and very tasteful.
Introductory texts are presented in English, French and German, the
libretto in English and German.
This
Australian "Ring" is a deeply touching and an overwhelming
pleasure!
***
(29 a) Lazar Berman Plays Liszt & Rachmaninov. CD 1 Sergej
Rachmaninov, Six Moments Musicaux op. 16. Franz Liszt, Douze Études
d'exécution transcendante 1 - 7, CD 2 Études 8 - 12. Sonetto del Petrarca
no. 104. Rachmaninov, Prelude g minor op. 23/5. Liszt, Orage. Live
Recording Milano, April 29, 1976. IDIS 6497/98, 2006. Distribution:
Klassik Center Kassel.
For a long time, since the final versions of the twelve Études
d'exécution transcendante in 1851 by Franz Liszt, the performing and
interpretation of these ultimate words of vituosity on the piano has been
neglected by generations of piano artists. Great virtuosos like
György Sziffra or Jorge Bolet didn't care about the background behind the
necessary absolute perfect virtuosity. A lot of pianists even miss the
technical abilities. Lazar Berman is the only one who draws the attention
of the listener to the poetical idea behind every twelve pieces.
1. Prélude is the overture to a stage performance, the stage of
life, the stage of Liszt's life, the life of a great artist. 2. Molto
vivace is the introduction into the busy, colourfull, rich emotional
life of the artist. This piece sets also the technical level of
virtuosity behind which - by transition of all virtuosity - the poetic
world begins. 3. Paysage means the serene, contemplation over a
calm, beautiful landscape. It reminds us of the undisturbed and warm
feelings which Liszt may have experienced on the top of Villa d'Este in
Tivoli, looking into the blue sky and the wide land towards the far horizon.
4. Mazeppa is not only the furious horse ride with the hero behind
and the later transfiguration of him to king. We hear also the wild
temperament of the horse, the suffering of Mazeppa and his terrible
pains during this ride. His glorification is also the pride about his
victory as king over his enemies. 5. Feux follets. This is the
imagination of phantastic tales about unlimited thoughts and feelings,
free from any logical restrictions. 6. Vision. It is not only a
phantasy about the death of Napoleon. It is the description of an
ecstatic idea which might appear to everybody, filled with emotion and
exuberance. 7. Eroica. Similar to Mazeppa or Vision, Eroica means
the description of a heroic feeling. 8. Wilde Jagd. We hear shouts
of the hunters wandering about, the barking of the chasing dogs and the
blaring horns during a wild persecution of the deer. But Liszt let us
hear and feel also the pains of the deer, wounded and sentenced to
death by the weapons of the hunters. We are touched by the suffering of
an animal. 9.Ricordanza. This is the description of the most
intimate moments of love, not far from the embracing moments of Tristan
and Isolde or the acme of the "Venusberg"-Musik by Richard
Wagner. 10. Allegro agitato molto. While "Orage" is
a veritable meteorological storm, this piece without a title is an
psychological rage. We are not far from the truth when we hear in this
piece an internal portrayal of Franz Liszt who might as often
experienced highest love like in Ricordanza as the most bitter
scenes with quarrels and love dispair. From bar 78 on
"tempestuoso", to bar 82 "crescendo molto", bar
100 "accentuato ed appassionato", bar 123 "crescendo
assai" we hear in bar 126 the most painful and most deeply moving
moment in the piano literature; Liszt names this passage "disperato".
It has never been used by him anymore. More than once Liszt had to
undergo such depressive moods. 11. Harmonies du soir. We
listen to the musical incarnation of peace, harmony and beauty. It is an
undisturbed picture of a sunshed evening. 12. Chasse neige. Of
course we hear a man in an enormous snow storm trudging through deep
snow. It is the artist pathing his way against all adversary actions in
his life, sweetness and bitterness of love, and the sarcasm of his critics
and enemies. But finally he is too tired to live anymore. His last steps
are lost in utmost loneliness. His footprints end in some soft minor
accords.
The IDIS recording is the latest one of several recordings which
Lazar Berman finished in 1976. The great advantage is the vivid
atmosphere of the enthusiastic audience in Milano. Berman plays
absolutely passionate, with embarrassing velocity and admiringly
grandezza. He masters from moment to moment the sweet tenderness in
"Paysage" and "Ricordanza", and in the next moment
the ferocities in "Mazeppa" and the "disperato" full
of dispair and hoplessness. No one plays the last bars in
"Chasse neige" about a vanishing soul softer and more
resignedly.
(29 b) Lazar Berman, Liszt. 12 Études d'Exécution transcendante.
Hungarian Rhapsody Nr. 9 E flat major. "Pesther Carneval".
Studio recordings 27.02., 25.03., 27.03., 08.04. 1959, 21.07.1961.
Distribution: Zweitausendeins, Frankfurt. Melodia Russian Piano School
Vol. 8, Nr. 74321 25180 2, 1995
This famous Melodia (R) recording is digitally remastered without
any loss of a overwhelming piano performance. The interpretations are
very close to each other. Here a little bit more symphonically and
voluminous. The heroic passages in "Vision", "Eroica"
or "Harmonies du soir" are powerful hymns to glory and
brightness.
(29 c) Lazar Berman, Franz Liszt. Selection of Études
d'exécution transcendante, 3. Prelude, 4. Paysage, 5. Feux Follets, 6.
Vision, 7. Appassionata f minor, 8. Harmonies du soir, 9. Chasse
neige. 18.11.1959 (6), 3.3.1952 (10), 22.10.1953 (8,
9), 26.4.1956 (3, 4, 5, 7). Distribution: QuintEssence. Brillant Classic
93006, 2006
CD Nr.1out of seven CDs contains the dramatic
"Dante-Sonata" and seven études of the transcendental cycle.
The early performances of the selected études reveal an absolute
spontaneity and high concentration. There is no greater advantage or
disadvantage in comparison to the previous interpretations. A great plus
is the six remaining CDs in this cassette. They offer a broad view of
Berman's singular piano playing. For example the b minor Sonata by Liszt,
Prokofiev's Sonata Nr. 8 or Schubert's b flat major sonata D960 and a lot
more.
Fazit: All three interpretation of the great pianist Lazar Berman
are highly recommendable. For which brand you decide, you are right. It
is not the worst decision to acquire them all.
***
(28) - Nicolas de Grigny - Johann Sebastian
Bach. Fantasie g-Moll BWV 562. An Wasserflüssen Babylon BWV 653. Fuge
G-Dur BWV 577. Pièce d'orgue BWV 772. - Nicolas de Grigny, Hymnen. Veni creator spiritus. Pange
lingua. Verbum supernum. Ave maris stella. A solis hortus.
Terje Winge, Orgel. Kaliff&Löthmann Orgel, Ål, Norwegen. Simax
Classics PSC 1242. © 2006. Organum Norvegica Vol. 1. Vertrieb: Klassik
Center Kassel.
Schon beim Anhören des ersten Taktes,
spätestens nach dem zweiten Stück - der Fugue à 5 aus dem Hymnus
Veni crator von Nicolas de Grigny - reibt man sich die Ohren (und
wohl auch die Augen): das soll eine norddeutsche Orgel sein, hochoben in
Norwegen? Ja, aber es ist eine französisch intonierte Orgel, aus der im
schwedischen Ålem ansässigen Werk- statt der Firma Kaliff & Löthmann
AB. Sie wurde im Jahre 1996 ganz gezielt dem Klangmuster einer
französischen Barockorgel gemäß gebaut, also mensuriert, intoniert und
mit französischen Namen auf den Registerzügen. Die 32 Register verteilen
sich auf drei Manuale und Pedal. Zwar mischen sich die Stimmen im
Plenum zu einem dichteren Klangbild, die Solo-Stimmen heben sich jedoch
fein ab, ohne sich von den Begleitstimmen zu trennen. Das wird schon im
Hymnus Veni creator deutlich, in dem Cromorne und Cornet sich in ihrem
individuellen Charakter melden, sich jedoch im Verband des Grands Jeux im
herrlich fülligen, authentischen Gesamtklang ganz ausgewogen einfügen.
Winge artikuliert und setzt die Appoggiaturen zwar anders als der große
André Isoir in seiner immer noch maßgeblichen Einspielung des Gesamtwerks
von de Grigny, dennoch kann man seine Verzierungslösungen problemlos
akzeptieren.
Die Werke von Johann Sebastian Bach sind
interpretatorisch gleichfalls sehr gut gelungen. Ob nun die
(Saltarello)-Fuge G-Dur BWV 577 vom Leipziger Meister selbst stammt oder
als unecht anzusehen ist - egal, Winge spielt sie mit einer herrlich
swingenden Delikatesse. Überhaupt lebt er in vielen Dreier-Takt-Stücken
sein Faible für eine tänzerische Ausführung mit Geschmack und großer
technischer Könnerschaft aus. Die Pièce d'orgue BWV 722 verführt mit
ihren glitzernden Oberstimmen und dem kraftvollen, in allen Stimmen
harmonisch ausgewogenen, das Baßfundament nicht verleugnenden Mittelteil
zu dem Wunsch, sie in einer Endlosschleife permanent zu genießen.
Der Point d'orgue sur les Grands Jeux, das
ausleitende Stück des Hymnus A solis hortus von de Grigny, ist ein
ähnlich eindringliches, kompaktes Stimmenfest wie das Grave der Pièce
d'orgue.. Ein würdiger Ausklang aus einer bestens zu empfehlenden
CD.
Das Booklet, in englischer und norwegischer
Sprache, ist mit Informationen und dem farbigen Cover-Photo
mustergültig.
***
Simax
(29) - Johann Sebastian Bach. Die
Kunst der Fuge. BWV 1080. Terje Winge, Orgel. Gloger Orgel,
Kongsberg, Norwegen. PSC 1243. © 2006. Organum Norvegica, Vol. 2.
Vertrieb Klassik Center Kassel.
Hier wird Bachs Kunst der Fuge nicht im
sakralen Raum angesiedelt, sondern sehr detailgepflegt als kunstvolles,
weltliches Werk dargestellt. Daß die Interpretation dadurch nicht
oberflächlich wird, liegt an der lebendigen und originellen Spielweise
sowie Registrierkunst des norwegischen Organisten Terje Winge. Er läßt
das 1765 von dem deutschen Orgelbauer Gottfried Heinrich Gloger
(1710-1779) für die Kirche in Kongsberg (Norwegen) gebaute Instrument, in
aller Kraft und Schönheit hörbar werden. Jürgen Ahrend hat die Orgel mit
42 Registern, drei Manualen und Pedal (jedoch ohne Rückpositiv) im
Jahre 2000 restauriert und konnte noch etwa ein Drittel des alten
Bestandes verwenden. Ein bestechend scharfes Farbphoto auf dem Cover des
Booklets gibt den wunderschönen Frontschmuck der Orgel wieder.
Die Registrierungen in den einzelnen
Contrapuncten deckt eine große Spannweite der Klangmöglichkeiten ab. Die
Exposition des Hauptthemas ist in einem schlichten Prinzipalklang
gehalten. Die Nr. 2 strahlt mit ihrem beschwingten Rhythmus und den
glänzenden Mixturen eine mitreißende Freude aus. Perlend leicht zieht Nr.
9 vorüber. Die Registrierungen kann man im Begleitbüchlein ebenso
nachlesen wie die Disposition der Orgel. Die darauffolgende Nr. 10
begeistert mit dem hinreißenden Zusammenklang von Gemshorn, Spitzflöte
und Vox humana. Das tänzerische Element stellt Winge besonders, aber
nicht aufdringlich, in den Nrr. 14 und 15 heraus. Archaisch und kompakt
ist die Nr. 12, gewichtig und mit sonorem Baßfundament die als Fragment
überlieferte Fuge "a 3 soggetti". Nach dem Zitat von B-A-C-H
und dem Abriß der Fuge ist die vorbildliche Einspielung zuende. Kein
Versuch einer Ergänzung, kein versöhnender Choral zur einer gutgemeinten
Abrundung. Auf alle Fälle ein hervorragender Einstieg in die Serie
"Organum norvegica."
Fazit: Eine sehr empfehlenswerte,
natürliche, farbige und spielerisch perfekte Einspielung.
***
(27) - Concerto CD 2024
Mozart - Opere per Organo. Orgelwerke. Ouvertüre und Fuge C-Dur KV
399. Fuge g-Moll KV 401. Fuge Es-Dur KV 153. Leipziger Gigue KV
574. Ave verum (trans. Franz Liszt). Fuge (Kyrie) (trans. Musio
Clementi) aus dem Requiem KV 626. Fantasie f-Moll KV 594. Andante F-Dur
KV616. Fantasie f-Moll 608. Alessio Corti, Orgel.
© 2006 Vertrieb Klassik Center
Kassel
Unter den zahlreichen Einspielungen der Werke
Wolfgang Amadeus Mozarts, auch diejenigen, die bereits vor seinem 250.
Geburtstag erschienen sind, hebt sich diese Einspielung stilistisch und
interpretatorisch vorteilhaft ab. Die kleine Leipziger Gigue oder die
Transkription der Kyrie-Fuge aus dem Requiem von Muzio Clementi sind
selten aufgenommene Raritäten. Dies liegt zum einen an der klaren und
frischen Klangbild der 1969 gebauten Tamburini-Orgel (31 III/P), das sich
in der Protestantischen Kirche Mailand verzerrungsfrei und voluminiös
entfalten kann. Andererseits ist Alessio Corti, Nachfolger von Lionel
Rogg am Konservatorium in Genf, ein technisch meisterhafter und
musikalisch phantasievoller Organist. Die kleine Leipziger Gigue trägt er
mit glänzenden Mixturfarben vor und gibt der Ouvertüre KV 399 kräftige
Zungenstärke. Das Kyrie KV 626 und die Fantasie f-Moll KV 608
beeindrucken durch ihre Ernsthaftigkeit und Strahlkraft. Das Booklet in
italienischer, englischer, deutscher und französischer Sprache gibt über
das Instrument und die Biographie Cortis genügend Auskunft.
Insgesamt eine sehr empfehlenswerte
Einspielung, selbst wenn man schon einige andere Interpretationen im
CD-Regal hat.
***
(26) - cantus - Dictionary of Medieval
& Renaissance Instruments.
C9705/6. © 2002 Vertrieb Klassik Center
Kassel
Diese Kassette mit 2 CDs ist in jeder
Hinsicht gelungen. Alle Tracks sind sehr sorgfältig ausgesucht und von
einer hervorragenden Tonqualität. Das Booklet ist perfekt ausgestattet,
was angesichts der komplexen Materie bewundernswert ist. Sowohl der
ausführliche Begleittext als auch die Kommentare zu jedem einzelnen Track
ist auf bestem wissenschaftlichen Niveau in englischer Sprache
geschrieben. Zahlreiche kleine Abbildungen veranschaulichen die Musiker
und Instrumente. Sogar die Texte bei Gesangskompositionen sind
abgedruckt. Auf der ersten CD werden Streichinstrumente, angefangen von
Violinen des 13. Jahrhunderts über Harfen, Lauten und Blockflöten auch
Musikensembles des 17. Jahrhunderts aus England und mitteleuropäischen
Ländern vorgestellt. Auf der zweiten CD mit 32 Tracks sind Orgeln,
Cembali, Blechblasinstrumente, Cornette oder Fagotte aus verschiedenen
europäischen Regionen zu hören.
Woran man sich bei dieser Musik begeistern
kann, ist die herzerfrischende, lebendige und natürliche Ausführung durch
hervorragende Sänger und Instrumentalisten. Fern aller akademischen
Trockenheit oder didaktischen Zeigefingern möchten die Künstler aus
Italien, Spanien, England oder den Niederlanden vorführen, wie mitreißend
und schön diese Musik uns ansprechen und begeistern kann, und seien die
Werke schon vor siebenhundert Jahren geschrieben. Dieser fröhliche Lehrgang
der Instrumentenkunde durch die Jahrhunderte und Musiknationen ist für
Experten wie auch für Musikliebhaber bestens geeignet und hat die höchste
Wertschätzung verdient.
(27) - Johann Sebastian Bach. The Works for Organ. Kevin
Bowyer, Orgel. Marcussen-Orgel der Sct. Hans Kirke, Odense, Dänemark.
Nimbus. Vertrieb: Naxos Deutschland.
Seit 1998 entsteht bei dem Label Nimbus
Records Ltd. (www.nimbusrecords.com) eine Gesamteinspielung der
Orgel-Werke von Johann Sebastian Bach, das nicht spektakulär auf sich
aufmerksam macht, dafür aber wegen ihrer in mehrfacher Hinsicht hohen
Qualitäten schon jetzt große Wertschätzung verdient. Auf den CDs der
Nummern NI 5561/2 (Vol. 9), 5647/8 (Vol. 12), 5669/70 (Vol. 13), 5689/90
(Vol. 14), 5700/1 (Vol. 15), 5734/5 (Vol. 16) und 5738/40 (Vol.17) sind
jeweils mindestens ein Großwerk, aber auch choralgebundene sowie kleinere
Werke von Bach eingespielt worden.
Vol. 9 Clavier-Übung III, Passacaglia BWV 582
etc.
Vol. 12 Pièce d'orgue BWV 572. 2 Trio-Sonaten
3 und 4. P + F BWV 545 und 550. Toccata BWV 910.
Vol. 13 Partita "O Gott, du frommer
Gott" BWV 767, Toccaten BWV 912, 913. P+F 551, 894.
Vol. 14 Rudorff-Choräle BWV 549. Konzerte BWV
595, 985. Partita BVWV
766
Vol. 15 Rinck-Choräle. Sonata in D BWV 963, Suite in F BWV
820, Partita BWV 770
Vol. 16 Concerto D-Dur BWV 972, kleinere P+F,
18 Stücke für eine Spieluhr BWV Anh 133-150, zugeschriebene Werke
Vol. 17 Ricercare BWV 1079, Die Kunst der
Fuge BWV 1080, Capriccio BWV 992 etc.
Die Doppel-CD NI 7077/8 ist eine
Zusammenstellung aus bisher erschienenen Toccaten und Fantasien.
Höchstes Lob verdient zunächst die
Marcussen-Orgel, die es an markantem Register- reichtum und Schönheit des
Tons mit jedem Instrument anderer Orgelbau-Werkstätten aufnehmen
kann. Die wunderbare Reinheit und Stabilität jedes Pfeifentons ist
überragend und ergibt insgesamt einen leuchtenden, überaus farbenreichen
Gesamtklang. Dazu kommt eine selten so geglückte Eigencharakteristik
eines jeden Registers, so dass, vor allem in den Choralvorspielen oder
der Clavierübung III, beim Zuhörer niemals ein Gewöhnungs- oder gar
Ermüdungseffekt auftritt.
Kevin Bowyer widmet sich jedem einzelnen Werk
mit Akribie, gibt ihm ein spezifisches Klangbild und realisiert dies mit
technisch stupender Meisterschaft, außerordentlich lebendig und profunder
Gedankentiefe. Unter der Vielzahl der Bach-Gesamteinspie- lungen steht
diese momentan an oberster Stelle. Das ist bei der hervorragenden
Konkurrenz besonders anerkennenswert.
(28) Naxos
Alexandre Guilmant, Organ Music,
Robert Delcamp (Orgel)
1.
Grand Chorus g-Moll op. 84 2. Caprice B-Dur op. 20,3 3.
Allegretto h-Moll op.19,1 4. op.89, Lamentation d-Moll op.
45,1 5. Offertoire "O filii" op. 49,2 6. Sonate
Nr. 7 F-Dur op.89, Satz Nr. 4 Lento assai (Rêve) 7. Marsch
über ein Thema von Händel op15,2 8. Scherzo Symphonique C-Dur op.
55,2 9. Noël
languedocien, Communion Nr. 2 f-Moll op. 60 10. Sonate Nr. 1
d-Moll op. 42, 3. Satz Finale, Allegro assai. Casavant Organ of All
Saints' Chapel, University of the South, Sewanee, Tennessee, USA
Naxos 8.557614. © 2006
Dies ist eine durch und durch sympathische
Einspielung. Sie ist frei von jedem Manie- rismus, sondern läßt in ganz
natürlicher Ausführung die eingängige Orgelmusik im romantischen Stil
hören. Einen bedeutsamen Beitrag liefert dazu die Casavant-Orgel (VII,2P,
80, Harfe, mehrere Glockenspiele. 1961/2004), die mit weicher Fülle für
die unspektakuläre Klangwelt sehr gut geeignet ist. Das beginnt mit dem
zungengewürz- ten, dichten Grand Chorus, über die leichtgewichtig
scheinende, kompositorisch jedoch meisterhaft ausgearbeitete Caprice bis
zur düsteren Lamentation, die später zahlrei- chen französischen
Komponisten zum Vorbild dienen wird. Jedes der weiteren Stücke
artikuliert Delcamp konzentriert und schlackenlos atmend. Auch das Finale
der Symphonie Nr. 1 wird nicht, wie so oft, kaltschnäuzig heruntergejagt,
sondern, mit zahlreichen Klangfarben der großartigen Orgel ausgestattet,
temperamentvoll und inspiriert gespielt.
Die Aufnahmetechnik, Akustik und Räumlichkeit
der Aufnahme ist vorbildlich gelungen.
Fazit: Dem Orgelkenner und jedem
Musikfreund bedingungslos zu empfehlen.
(1) - Dorian - The Romantic Mass. Choral Works by Rheinberger an Brahms. Joseph Rheinberger,
Cantus Missae op. 109. Omnes de Saba. Drei geistliche Gesänge op. 69, Ave
Maria op. 172. Johannes Brahms, Missa Canonica. Three Motets op. 110. Laß
dich nur nichts nich dauren mit Trauren op. 30.
Saint Clement's Choir, Philadelphia. Peter Richard Conte,
Director.
Dorian DIS-80137
My first review of classical music is dedicated to one of the most
wonderful and perfect recordings with sacred music of the romantic era.
The compostions of Rheinberger (1839-1901) are set in a puristic a
cappella style, following the ideas of the Cecilianism. The mixed voices
of the 15 singers including four sopranos, one alto, two counter- tenors,
four tenors, and four basses, meet with their excellent, clear and professional voices the chastity and purity of the cecilian timbre.
The technical part of the recording is of utmost qualitiy. The
acoustics sound natural and fresh. The booklet contains all wordings in
Latin, German and English. A short essay introduces into the essentials
of every composition. Rheinberger's Cantus are the absolute highlite of
this outstanding collection of choir music.
Conclusion: Finest singing of pure romantic music
***
(2) - Magic!
Peter Richard Conte at The Wannamaker Grand Court Organ, Lord & Taylor,
Philadelphia, USA
Mussorgsky/Conte, Night on the Bare Mountain. Wagner/Conte,
Wotan's Farwell and Magic Fire Music from "The Valkyries".
Dukas/Conte, Sorcerer's Apprentice. Nicolai/Conte, Overture to The Merry
Wives of Windsor. Elgar/Conte, Cockaigne Overture "In London
Town" op. 40. Elgar/Harris, Nimrod from "Enigma"
Variations op. 86. Dorian xCD-90308
Another first class edition from Dorian. The legen- dary Wanamaker
Organ, Philadelphia is celebrated with a harmonically balanced program.
The symphonic style of every work is executed by Peter Richard Conte on
the giant instrument technically perfect and in a superior style. Conte's
contributions in the booklet about the instrument and the compositions
are exhaustive. The dispositions of the several organs are complete in
all details. Like all recordings of Dorian the acoustic parameters are
perfect and without any flaw. Conte's interpretions are filled with an
astounding energy and superb sense for the symphonic dimensions and
colors.
Conclusion: Magnificant Grand Organ Music
** *
(3) - La
Nef, Perceval, la quête du Graal (The Quest for the Grail) Volume 1.
Ensemble La Nef, Daniel Taylor, Countertenor (Perceval).
In the Lost Forest. At Arthur's Castle. With Blancheflor at
Belrepeire Castle. The Battle of Belrepeire. Dorian DOR-90271
Absolutely
not one of these anemic performaces. But absolutely a most refreshing,
nice and beautiful interpretation of old verses from oulde times and
concerned with the tragic hero of Percival and his quest for the Grail. The
excellent booklet contains all wordings of the verses of Parcifal in
English and French. Some members act as singers and instru- mentalist.
All members are competent musicians, experts on their instrument and in
the style of mediaval singing and playing.
The studio technique is perfect, clair and lucid.
Diese Aufnahme von Versen aus dem
Parsifal-Kreis ist eine außerordentlich gelungene Einspielung. Die
Studiotechnik ist perfekt, klar und natürlich. Das Ensemble La Nef hat
sich den französischen Namen eines Kirchenschiffs gegeben und
unterstreicht damit die enge Vertrautheit mit gotischer Kunstfer-
tigkeit. Die zehn Musiker sind Experten in technischer Hinsicht - manche
sind als Sänger und Instrumentalisten zu hören - verstehen die
Interpretation der uns noch ungewohnten aber nicht als
akademisch-dünnblütige Veranstaltung, sondern als großen Spaß an der
Wiedererweckung einer großen Epoche.
Result: In every respect to be recommended
Fazit: In jeder Hinsicht empfehlenswert
***
(4) DORIAN - The Classic Ocarina, The Chuckerbutty Ocarina
Quartet, Michael Copley, Director.
23 Tracks with compositions of Beethoven, Sor, Offenbach,
Sullivan, Verdi, Schubert, Satie, Wagner, Brewer and traditional folk
songs from Italy, China, Rumania and Japan. Arrangement for four ocarinas
and string instruments, Accordion, Guitar, Harmonium and Piano. Arranged
by Michael Copley, Michael S. Murray and Maurice Hodges. DOR 93260. ©
2003
The four members of the Chuckerbutty Ocarina Quartett - Michael
Copley, Giles Lewin, Peter Martin and Evelyn Nallen - and their
compagnons with other instruments are excellent musicians with an
intimate feeling for the very different styles from the early 19th
century until our times. The finale of Beethoven's symphony Nr. 1 starts,
after some faint introducing bars, with a firework of masterly performed
tone garlands. The staccatos are not breathless but voluminous and
singing.
The classical Italian tarantella reveals the uncomparable
advantage of the nearly immaterial sound of the ocarina. Lovely and
charming the arrangement and whispering sound of the outstanding
instruments. How mysterious the deep voice of a ocarina and harmonium. A
technical and respiratoiry masterpiece the variations of the
Carnival of Venice. The Rumanian Traditionals "Mindra mea e
Ardeleana" or the romantic "Trece Lelea Pe Colnic" are
realy touching. Schubert's is actually swimming in a bubbling water.
After Wagner's Prelude to Act 3 of "Lohengrin" we hear Brewer's
"The Lark's Festival" - a zoo of a bird's singing verses.
Conclusion: Exceptional masterpieces of ocarina playing! With a
lot of sparkling splashes of humour.
Facit: Liebenswert, spaßig und ein
Geschenk, das jeder Musikfreund genießen wird.
(5) DORIAN - Les Violons du Roy. Celebration
Bernard Labadie. With La Chapelle de Québec. Dorothea
Röschmann. Karina Gauvin. Russell Braun. Dorian DOR-90024 ©2003
Händel, Concerto grosso D Major op.6/5. J.C.F. Bach, Sinfonia
D Minor. J.S. Bach, Art of The Fuge Contrapunctus 1 and 9, XIII, rectus,
inversus. Händel, Apollo e Dafne and Sillete Venti. Bach, Secular
Cantata "Schweiget stille, plaudert nicht" BWV 211 (Coffee
Cantata), "Mer hahn en neue Oberkeet" BWV 212 (Peasant Cantata)
"Unser trefflicher lieber Kammerherr". A. Vivaldi, Concerto ripieno C minor RV
120. Vivaldi, Concerto for 2 violins and Cello D minor. J.S. Bach, The
Goldberg Variations, Aria, Variations 14, 18, 26. Mozart, Requiem,
Confutatis, Lacrimosa, Amen.
20 years of spontaneity, vividness and stylistic competence. Those
are the characteristic marks of the 15 Violons du Roy and their spiritus
rector Bernard Labadie. This CD comprises a selection of some recordings
which has been published by DORIAN within this period. Only the starter
with Handel's Concerto in D Major is an unreleased recording. Each
recording has been praised in the international press, the Mozart won
rewards.
They have not grown old and are still a contribution to the
actual discussions about the art of interpretation.
Conclusion: Buy, listen and enjoy!
***
(6) DORIAN - Romanza España. Spanish Masterworks for Brass.
Burning River Brass.
Georges Bizet, Suite from "Carmen". Pablo de Sarasate,
Romanza Andaluza. Gerónimo Giménez, Intermezzo from "El baile de
Luis Alonso". Giménez, Intermezzo from "La boda de Luis
Alonso". Manuel de Falla, Suite from "The Three-Corndered
Hat". Enrique Granados, Andaluza (Danza Española). Ruperto Chapí,
Prelude from "La Revoltosa". Anthony DiLorenzo, La lámina de
España. DOR-90316 ©2003
This CD and this music tells from the past, when heros won and
admires melted away at their glory. When you listen to these recordings
of Spanish brass music you feel set back to the arenas in Sevilla or Las
Ventas in Madrid, where a brass band introduces the aficionados into the
atmosphere of the unique bull fight, and walk them out the theatre after
the victory of the torero.
The performance of the Burning River Brass ist excellent and
stimulating. The precision of their technique does not kill the vivid
play. This music and CD is not only for genuine Spaniards but for every
friend of the special idiom of Spanish classical music.
Facit: To be recommended warmly, if not fervently!
***
(7) Vivaldi Reflections. - Antonio Vivaldi, The Four Seasons op. 8
No. 1-4. Gustav Nottebohm, Variations on a theme by J.S. Bach d minor op.
17
EMI 7243 5 57244 2 7
(8) - Camille Caint-Saëns, "La carnaval des animaux".
Introduction et Rondo capriccioso op. 28. Variationen über ein
Thema von Beethoven op. 35
pan classics 510 106
Feran und Ferzan Önder (Klavier) und das
Zürcher Kammerorchester, Leitung: Howard Griffiths
(9) - Ferhan & Ferzan Önder - duo pianists
Maurice Ravel, La Valse. Ma mère l'oye. Claude Debussy, En
blanc et noir. Darius Milhaud, Scaramouche.
PAN WS-9301
Jede CD, jedes Konzert der Schwestern Önder
ist ein Hochgenuß. Ich habe niemals ein Klavier-Duo von einer derart
hochen Qualität gehört. Sie sind technisch absolut unanfechtbar. Was die
beiden türkischen Musikerinnen aber besonders auszeich- net, ist der
ungemein schöne und singende Anschlag. Solch ein schönes Klangbild wird
heute leider kaum noch gepflegt. Die "Vier Jahreszeiten" von
Antonio Vivaldi sprühen vor Temperament. Die höchstdifferenzierte
Gestaltung des Klangbildes verdient höchstes Lob. Das gilt auch für die
Nottebohm-Variationen. Der "Karneval für Tiere" ist zwar sehr
bekannt im Konzertleben - wann hätte man aber eine derart von Esprit und
Meisterschaft geprägte Ausführung gehört!
Ravels "Ma mère" ist
eine gänzlich originelle Interpretation. Beispielsweise haben das langsame
Tempo und die sanften Töne ihren Sinn: schließlich handelt es sich um
eine Pavane für eine "Im Wald schlafende Schöne." Die Prägnanz
spanischer Musik wird in "Lindaraja" authentisch wiedergegeben.
Was für ein wirbelnder, hinreißender Spaß ist
es, wenn man die drei Sätze des "Scaramouche" hört!
Fazit: Die Schwestern Önder schlagen alle
Spitzeneinspielungen um Längen
Result: The four performances are a Must!
*
Hier werden einige sehr schöne und bedeutende
Einspielungen der Firma Naxos besprochen, sowohl Orchestermusik als auch
Orgelmusik, die fachmännisch unter der Aufsicht von Wolfgang Rübsam,
Professor für Orgel in Saarbrücken und Chicago, steht.
*
(10) Sibelius, Jean. En Saga op. 9. Lemminskäinen's Return, op.
22/4. The Bard op. 64. Festivo, Scènes historiques, op. 25/3. Finlandia
op. 26. Symphony Nr. 4 a-Moll op. 63. Live-Aufnahmen aus den
Jahren 1935 bis 1938.
London Philharmonic Orchestra, Sir Thomas
Beacham
Naxos 8.110867
Es stimmt einfach nicht, daß früher - in den
Zwanziger oder Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts langsamer,
pathetischer und behäbiger dirigiert wurde. Wilhelm Furtwängler läßt
nachgewiesenermaßen ebenso rasch spielen wie beispielsweise Arturo Toscanini,
und so ungemein frisch, lebendig und originell wie Sir Thomas Beacham
interpretiert keiner der Pultstars heute mehr Sibelius.
Diese CD ist eines der herrlichsten Beispiele
für das bewundernswerte Musikantentum von Beacham. Niemand vermag heute
mehr so rasant und bezwingend "Lämminskäinens Heimkehr"
auszuführen. Doch auch der melancholische "Barde" ist ein
weiteres Beispiel für die künstlerische Vielfalt des großen Dirigenten.
Die düstere, geheimnisvolle Stimmung eines Sängers, der von mythischen
Zeiten erzählt, beeindruckt tief. Die Freundschaft mit Jean Sibelius
wurde nicht zuletzt deswegen so unverbrüchlich, weil Beacham sich in die
Klangwelt des Finnen so gut hineinversetzen konnte. Die vierte Symphonie
ist ein klangmächtiges Zeugnis dieser Seelenverwandschaft.
Fazit: Großartige Musik in mustergültiger
Wiedergabe.
***
(11) In the Hands of the master VLADIMIR HOROWITZ - The Definitive
Recordings. 3 CDs
Werke von Chopin, Scriabin, Schumann, Rachmaninow, Listz,
Beethoven, Wagnerz/Liszt, Horowitz, Clementi.
Sony Classical Legacy, S3K 93039
***
Nr. 9
Horowitz - Live and Unedited. The Historic 1965 Carnegie Hall
Return Concert. 2 CDs und 1 DVD.
Werke von Bach/Busoni, Schumann, Scriabin,
Moszkowski, Bonus DVD: "Outtakes" aus dem Film "Vladimir
Horowitz: The Last Romantic"
Sony Classical Legacy, S2K 93023
Noch immer setzt Vladimir Horowitz für das
klassische Klavierspiel höchste Maßstäbe. Da ist natürlich die
überragende Technik und die fulminante Kraftentwicklung, die ihm heute
keiner nachmachen kann. Vor allem - und das wird auf diesen beiden
CD-Alben wieder deutlich - ist er immer noch das große Vorbild für einen
charakteristischen, leuchtenden Anschlag und die tiefgründige Ausdeutung
der von ihm vorgetragenen Werke. Sony verdanken wir mit diesen technisch
eindrucksvoll natürlichen Aufnahmen einen wesentlichen Beitrag zum
Gesamtbild des Jahrhundertphänomens Horowitz. Greifen wir aus der
großzügigen Fülle an Werken die auf der Hands of the Master-CD einige
beispielhafte Interpretationen heraus. Da ist immer wieder zu bewundern,
wie liebevoll sich Horowitz der Sonaten von Scarlatti annimmt, hier der
Sonaten E-Dur K 531 und G-Dur K 455. Sie erscheinen wie eine Frühauflage
der Lieder ohne Worte - schön und sanglich. Von vollkommener Schönheit
und Innigkeit ist das bekannte Impromptu in Ges-Dur op. 90/3 von Franz
Schubert.
"Isoldes Liebestod" von
Wagner/Liszt vollzieht einen ergreifenden Übergang vom Todesschmerz zur
Erlösung vom Liebesleiden. Hohen Repertoirewert bestitzt die Sonate B-Dur
op. 25/3 von Muzio Clementi, eine künstlerische Sympathieerklärung für
einen verachteten Komponisten.
Auf den Carnegie-CDs sollte man sich
unbedingt Bach/Busonis Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564 - hier vor
allem das zutiefst anrührende Adagio - und die wahrhaft gefühlvolle,
romantische C-Dur Fantasie op. 17 von Robert Schumann anhören. Eine
Ballade im Kleinformat, aber großem emotionalem Gehalt ist die Etüde
cis-Moll op.2/1 von Alexander Scriabin. Als Bonus-Track dem Zuhörer die
"Kinderszenen" von Robert Schumann zu schenken, ist einen
besonderen Dank wert. Auf der DVD sehen wir Horowitz als den genialen Pianisten
mit den so menschlichen und offenherzigen Kommentaren zu seiner Arbeit
und musikalische Gestaltung.
Ob man nun schon Einspielungen von
Horowitz teilweise oder vollständig besitzt, diese beiden Alben gehören
ganz sicher in jede CD-Sammlung.
***
(13) Gramola - qWIENtett
Wolfgang Lindenthal (Flöte), Thomas
Machtinger (Oboe), Alexander Neubauer (Klarinette), Reinhard Zmölnig
(Horn) und Benedikt Dinkhauser (Fagott) spielen
Maurice Ravel, Le Tombeau de
Couperin (Fassung für Bläserquintett von Mason Jones). Jaques Ibert,
Trois Pièces brèves. Wolfgang Amadeus Mozart, Fantasie f-Moll KV 594
"Ein Stück für ein Orgelwerk in eine Uhr" (Fassung von Wolfgang
Sebastian Meyer). Samuel Barber, Summer Music op. 31. Carl Nielsen,
Quintett für Bläser A-Dur op. 43 FS 100
Gramola 98759 www.gramola.at
Ganz schön kess, wie die fünf Bläser des qWIENtetts
auftreten. Schon der Eigenname des Ensembles verrät Sinn für Skurriles,
zudem eine originelle Denkweise. Die CD und das Booklet haben keinen
Titel, sondern führen nur den Komponisten und ihre Werke auf. Nach klugen
Kommentaren auf Deutsch, Englisch und Französisch lassen sich die fünf
Herren auf mehreren Schwarz-Weiß-Fotos sehen und schließen das Booklet
mit einer kleinen Vita eines jeden Ausführenden in drei Sprachen und
[sic!] mit ihrem Namen in internationaler Lautschrift.
Das alles zeigt, daß hier sehr lebendige
Musiker am Werk sind, die beispielsweise in den Drei Stücken von Jacques
Ibert - besonders im Allegro-Satz - stilsicheren Spielwitz zeigen. An den
vier Sätzen des "Grabmals für Couperin" von Maurice Ravel, mit
dem diese CD beginnt, besticht nicht nur die technische Perfektion der
Bläser, welcher die großen Intervallsprünge mit Leichtigkeit bewältigen,
sondern eine imponierende Wärme und harmonische Farbigkeit ihres Timbres.
Dieser Wohllaut durchzieht erfreulicherweise
alle Interpretationen und macht schon deswegen das Anhören zu einem
Vergnügen. Aber es kommt noch ein wesentlicher Aspekt ihres Spiels
hinzu, der vor allem der f-Moll-Fantasie zugute kommt. Es ist die ernste,
tiefsinnige Gedankenwelt Mozarts, die sich hier außerordentlich
beeindruckend öffnet. Ein ganz großer Glücksfall ist die Wiedergabe des
Bläserquintetts von Carl Nielsen, der zwar nicht unterschätzt, aber immer
noch viel zu wenig aufgeführt wird. Das Werk gibt jedem Musiker Raum für
eine technisch anspruchsvolle und musikalisch vielfältige Ausgestaltung.
Schon diese herrlich musikantische Einspielung des Quintetts lohnt den
Erwerb dieser CD.
Unbedingt erwähnenswert ist die makellose und
natürliche Räumlichkeit der Aufnahmetechnik.
Fazit: Unbedingt empfehlenswerte Einspielung
auf hervorragendem musikalischem Niveau, mit Werken, die man selten hört,
jedoch eine hohen Repertoirewert haben.
***
(14) Thorofon - Trio Bamberg: Vol. 6
Piano Trios von Johannes Brahms und
Bedrich Smetana
Johannes Brahms, Trio H-Dur op. 8.
Bedrich Smetana, Trio g-Moll op. 15
Trio Bamberg mit Jewgeni Schuk (Violine),
Stephan Gerlinghaus (Violoncello) und Robert Benz (Klavier).
CTH 2447, © 2003
Hier werden neue Qualitätsmaßstäbe gesetzt!
Das Klaviertrio H-Dur op. 8 von Johannes
Brahms und das in g-Moll op. 15 von Bedrich Smetana sind jedem
Musikfreund wohlbekannt. Beide Werke stehen häufig auf den Programmen der
internationalen Konzerte. Die Anzahl der Einspielungen ist Legion. Die
renommiertesten Klavier-Trios haben sich ihnen auf dem Podium und in den
Tonstudios gewidmet. Herausgekommen sind etliche gute und sehr gute
Wiedergaben. Die Aufnahme mit dem Bamberg-Trio setzt die Liste der
hochrangigen Einspielungen überzeugend fort.
Das Bamberg Trio entwickelt die grundlegenden
Merkmale des Brahms-Trios - leidenschaftliche Bewegung, emotionale Tiefe
und teilweise abgedunkelte Schwermut organisch, d.h. in einer natürlichen
musikalischen Konsequenz. Das beginnt bereits in den Anfangstakten, in
denen das Cello-Solo mit kernigem, rundem Strich einen sehr warmherzigen
Eingstieg schafft. Sobald die drei Stimmen zusammengeführt sind, ergibt
sich ein kraftbetontes, harmonisches Klangbild, das von einer klaren,
zwar durchhörigen, aber die Instrumente nicht trennenden Technik
unterstützt wird. Selbst die hellen Diskantoktaven und die sonoren Bässe
des Klaviers, sowie die extremen Lagen der Streicher, sind in eine
gemeinsam gestaltete Dynamik eingebettet. Klang und Kraft bilden eine
ausgewogene Gemeinschaft.
Der tiefsinnige Adagio-Satz erhält von den
drei Musikern ein gebührend schweres Gewicht und
eine außerordentlich schöne, dunkle Einfärbung.
Grandios erklingt danach der aufgewühlte
Finalsatz. Als Hörer wird man von der energischen und zupackenden
Spielweise nachhaltig mitgerissen.
Der zwar gleichfalls tragische, aber eher
rhapsodische und empfindsame Tonfall des Smetana-Trios wird vom
Bamberg-Trio mit authentischem Timbre dargestellt. Sowohl das feinste
Pianissimo, als auch die intime Traurigkeit gelingt den drei Musikern
vorbildlich. Der düstere Trauermarsch wird ohne Larmoyanz, die
Gegenstimmung, eine lebendige Fröhlichkeit, wird im Allegrosatz mit hoher
Agilität ausgeführt.
Fazit: Eine Einspielung der
Klavier-Trios op. 8 von Johannes Brahms und op. 15 von Bedrich Smetana,
die emotionale Tiefe, hinreißendes technisches Vermögen und sympathische
Wärme hören läßt.
***
(15) Spyro Gyra - The Deep End. Jay Beckenstein and
several musicians
Heads Up (Vertrieb: in-akustik) HUCD 3085 © 2004
Let your body sway - to the this feather-light swing jazz of Spyro
Gyra! Since a quarter of a century Jay Beckenstein and Co. set
markstones of combo jazz that makes you humming, dancing and singing.
Sound and style underwent marked changes during that time, but all the
time with wonderful results.
The new "Deep End" reveales some takes in the familiar
style, some others are far ahead from their roots. In Nr. 1 "Summer
Flings" the keyboard sound opens to wide electronic spaces of the
studio world, the sonorous bass moves your stomach and heart, and the
poly-instrumental percussion enjoys your rhythmic center as ever. At any
time the amazing saxophon of Jay Beckenstein fills this and every number
with soul and swing.
The drum beats in Nr. 2 "Eastlake Shuffle" are dry and
direct and invite for dancing. "Monsoon" leads to the exotic
world in India with a ravishing 3D-Volume and a fantastic sax-solo over a
pentatonic scale.
Nr. 6 "The Crossing" is the ideal "song
after...". It is a melody for happy couples. With a touch of Lionel
Richie and flamenco which culminates in a veritable hymn of joy. The
"Crossing" ends in a harmonic mood, to be listened softly
entwined. Nr. 8 "Mind warriors" shows juvenile, genuine
Rock-Jazz. After another love song and a powerful piece of Big Band jazz
the disk ends in a relaxed number of world music.
Result: Another fine, juicy work of excellent jazz from Jay
Beckenstein and collegues.
***
Alba
(16)
Johann Sebastian Bach, The Goldberg Variations -
Goldberg-muunnelmat
Mika Väyrynen, accordion - harmonikka ABCD 191 ©
2004
***
(17) Modest Mussorgsky, Tableaux d'une
Exposition - Bilder einer Ausstellung - Pictures of An
Exhibition - Näyttelykuvia
Peter Tschaikowsky, Andante cantabile aus
dem Streichquartett Nr.1 op.11
Trio Fratres - Toni Hämäläinen, Heikki Jokiaho, Raimo Vertainen,
accordion harmonikka
ABCD 188 © 2003 Vertrieb: Klassik
Center Kassel
***
(18)
The Instruments of Liszt in The Budapist Liszt Ferenc Museum
Werke für Tastenmusik von Franz Liszt:
Chickering piano (1867) - Mephisto Waltz No. 1 (Der Tanz in der
Dorfschenke), Funérailles, Romance oubliée.
Chickering piano (1879-80) - En rêve, Hungarian Rhapsody No. 6,
Liebestraum Nr. 3, First Elegy.
Bösendorfer piano, Wiegenlied
The Bösendorfer Instrument of the composing desk, carrousel de
Madame P-N
Glass piano (piano-harmonica) - Die Hirten an der Krippe.
Scherzoso
Pianino-harmonium - Adeste fideles
Mason and Hamlin harmonium - Consolation Nr. 4 D flat major
Jenö Jandó, Klavier, Harmonium, Glass-Piano, Pianino-Harmonium
Hungaroton HCD 31176 © 1994
(19) Lachrimae - John Dowland, Lachrimae.
J.S. Bach, Transkription der Partita für Violine solo h-Moll BWV
1002. Silvius Leopold Weiss, Tombeau sur la mort de Mr.Comte de Logy.
J.S. Bach Transkription der Suite D-Dur BWV 1012, S.L. Weiss, Passacaglia
(arrangiert von Karl Scheit)
Ilona Szeverényi, cimbalom, Zymbal
Hungaroton HCD 32207 © 2003
Not macht erfinderisch. Die Krise in der
klassischen CD-Welt führt dazu, mit ausgefallenen Interpretationen
die Kauflust und das Hörvergnügen der Musikfreunde anzustacheln. Die vier
CDs, die vom Klassik Center Kassel vorgelegt werden, zeigen überzeugend, welche
Möglichkeiten es bei diesem Trend gibt.
a) Mika Väyrynen, ein 1967 in Finnland
geborener Akkordion-Virtuose, hat die Goldberg-Variationen von Johann
Sebastian Bach für sein Instrument transkribiert und muß sich mit dieser
Einspielung an der hochgradigen Wiedergabe mit Stefan Hussong messen
lassen. Um es vorwegzunehmen: Väyrynen erfüllt die höchsten Maßstäbe,
beide Künstler kommen zu jeweils anerkennswerten Lösungen. Leider finden
wir im Booklet keine näheren Angaben zum Instrument, auf alle Fälle
vermag Väyrynen eine faszinierende Vielfalt an Klangfarben und
Anschlagsmöglichkeiten in den Dienst seiner Ausführungen zu stellen. Die
Umfor- mung der Variationen von einem ursprünglichen Staccato zu einem
ausgesprochenen Legato führt zu einem originellen Klangergebnis. Die
technische Kompetenz des Solisten ist exzellent, die Fioraturen und
rasenden Läufe, beispielsweise in der Variation 5 oder 26, gelingen
hinreißend. Die Aufnahmetech- nik ist ohne Makel. Sie ermöglicht ein
klares, unverzerrtes und frisches Klangbild. Die polyphonen Strukturen
lassen sich deutlich heraushören, verkommen aber nicht zu einer kalten,
akademischen Veranstaltung. Spielwitz (Variation 7 oder 17 oder 29!!) und
ein schöner, spannungs- voller Ton machen diese Einspielung zu einem
großartigen Musikerlebnis.
Fazit: sehr empfehlenswert
b) Für die Wiedergabe der Goldberg-Variationen
reicht, mit einigen technischen Hilfen, ein einziges Akkordion. Für die
Realisierung der "Bilder einer Ausstellung" von Modest
Mussorgsky sind die drei finnischen Akkordeonspieler von Trio Fratres die
optimale Besetzung. Daß sie meisterhafte Techniker auf ihrem Instrument
sind, wird von Satz zu Satz immer deutlicher. Das beginnt mit dem
turbulenten Treiben der "Tuilerien", setzt sich im
"Ballett der Küken in ihrem Eierschalen" fort und steigert sich
imposant in den endlich einmal fehlerfrei vorgetragenen Vorschlägen und
Triolen bei "Samuel und Schmule", bis zu der stupend
sicher ausgeführten "Hütte der Baba Yaga". Vor allem aber
musikalisch ist ihre Interpretation eine meisterhafte Ensembleleistung.
Jedes Stück der "Promendes" erhält eine eigene Farbgebung, die
von dem vorhergehendem zum vorausgehenden Stück führt. Der
"Bydlo" wird außerordentlich differenziert in seinen
Forte-Graden gespielt. Sehr beeindruckend erscheint dem Hörer die
spannungsreiche, dramaturgisch gelungene Gestaltung der
"Katakomben", "Cum mortuis in lingua mortua" und vor
allem des grandiosen "Tor von Kiew".
Fazit: sehr empfehlenswert
c) Auch wenn diese CD mit Klaviermusik von
Franz Liszt schon im Jahre 1994 erschienen ist, soll sie hier doch
vorgestellt werden. Die Musik des Großmeisters wird hier nämlich auf
Instrumenten ausgeführt, die aus seinem Besitz stammen und nun im 1986
gegründeten Franz Liszt Museum stehen. Jenö Jandó spielt zwar ein wenig
introvertiert, weiß aber die Eigenart der Instrumente mit großem Geschick
herauszustellen.
Vor allem in den "Funerailles"
werden alte Klangproportionen wieder hörbar. Die Bässe, die heute mühelos
mit der linken Hand herausgedonnert werden können, haben auf dem
Chickering-Klavier viel weniger Volumen, gleichen sich dafür viel
besser der Mittellage an, die, auch beim "Wiegenlied" auf dem
Bösendorfer-Flügel, ausgeglichen und weicher tönen. Baß- und Mittellage
sind sich nicht fremd, sondern stehen in einem wohltuenden Gleichgewicht.
Hier kann jeder Pianist der Gegenwart noch manches für seine
Interpretation lernen.
"Die Hirten an der Krippe" passen
ganz entzückend zum Klang des Glas-Klaviers. Sie sind am wenigstens fremd
auf einem modernen Klavier.
Eine der wichtigsten Einspielungen ist jedoch
die "Consolation" Nr. 4 Des-Dur auf dem Mason und Hamlin
Harmonium. Der melismatische Eigenklang des Harmoniums ist praktisch das
einzig wirkliche Medium für die "Consolations". Selbst der
perfekteste Konzertflügel unserer Zeit kommt ihrem musikalischen Sinn
derart nahe.
In
diesem Zusammenhang soll nochmals auf die Interpretation des dritten
Teils der "Années de Pèlerinage Italien II" von Franz Liszt
hingewiesen werden. Auch sie lassen sich - wie überhaupt das gesamte,
vielfach als "rätselhaft" bezeichnete Spätwerk - eigentlich nur
auf einem Harmonium darstellen. Diese CD ist für einen Interpreten der
Klaviermusik von Liszt so wichtig, weil sie auf das Harmonium als das
Instrument der Wahl hinweist, wenn es um das Spätwerk geht. Hier findet
die Originalklangbewegung, die so viel Abseitiges und Unnötiges
hervorbringt, ein noch ein blaches, aber sinnvoll zu bearbeitendes Feld
vor sich.
Fazit: Besonders wichtig und
empfehlenswert
d) Während die Lauten- oder Theorbenmusik von
John Dowland und Silvius Leopold Weiss noch recht akzeptabel auf einem
Zymbal gespielt werden kann, treten bei der Übertragung zweier Sonaten
für Violine solo von Johann Sebastian Bach auf dieses Schlaginstrument
doch einige Probleme auf, sowohl bei der Phrasierung und Artikulation der
Melodielinien als auch bei der Ausführung der Verzierungen.
Dennoch entbehrt die technisch beachtliche
Wiedergabe von Ilona Szeverényi nicht eines gewissen Charmes.
Fazit: Man erfährt, was man auf diesem
wunderbaren Instrument alles spielen und wie man einem Musikfreund das
Zymbal schmackhaft machen kann.
***
(20) Hyperion
- The Complete Organ Music of Johann Sebastian Bach, played by
Christopher Herrick on Metzler Organs in Switzerland
Hyperion CDS 44121/36, 16 CDs
Metzler Orgeln
Pfarrkirche St. Nikolaus, Bremgarten: CD
1, 14
Stadtkirche Zofingen: CD 4, 12, 13, 16
Jesuitenkirche Luzern: CD 2, 3, 10, 11
Pfarrkirche St. Peter und Paul,
Villmergen: CD 7
Pfarrkirche St. Michael, Kaisten: CD 8, 15
Dies ist die vollständigste, überzeugendste
und schönste Einspielung der Orgelwerke von Johann Sebastian Bach. Und
das gegen die große Konkurrenz von Helmut Walcha, Christian Eisenberg
oder Wolfgang Stockmeier.
Die großen Meriten dieser Aufnahmen bestehen
in der absolut makellosen Aufnahmetechnik, die den räumlichen Charakter
der Kirchen oder Konzertsäle ganz unverzerrt wiedergeben. Das Klangbild
ist, obwohl die Aufnahmedaten mehrere Jahre umfassen, auf allen CDs
gleich frisch, klar und natürlich.
Die Orgeln der Firma Metzler, Dietikon bei
Zürich, wurden in den Jahren 1975 bis 1995 gebaut und stehen für maximale
Instrumente des Schweizerischen Orgelbaus.
Das Booklet in englischer und deutscher
Sprache läßt hinsichtlich Information und Aufmachung keine Wünsche offen.
Zu jeder Orgel steht ein Foto und die Disposition zur Verfügung. Jeder CD
ist eine Kategorie, wie Choräle, Trio-Sonaten, Toccaten oder Bach
zugeschriebene Werke, zugeordnet und mit einem Kommentar allgemein
als auch zu jeder Komposition Bachs ausgestattet. Diese sind von
hervorragenden Experten verfasst. Der Forschungsstand ist bis um die
Jahrhundertwende berücksichtigt. Anrührend, die Beiträge vom kürzlich
verstorbenen Musikwissenschaftler und Bibliotheksleiter des Royal College
of Organists Robin Langley zu lesen. Die meisten CDs sind auch einzeln
erhältlich.
Nun aber zur künstlerischen Leistung des
englischen Organisten Christopher Herrick. An seinen Interpretationen
beeindrucken die Lebendigkeit, absolute technische Kompetenz und
stilsichere Gestaltung. Die Trio-Sonaten werden von ihm nicht mit einer
simplen Zungenstimme in einem dürren Prinzipalgerippe ausgeführt, sondern
mit farbigen Registern aufgefüllt. Mit leichter Hand - herrlich leger die
witzigen Mordente in der Es-Dur-Sonate - und sicherem Fuß meistert er die
anspruchsvollsten Stücke des Bach-Repertoires.
Niemals gehetzt oder mit unnatürlichen
Zwängen einer vorgeblichen "historischen Aufführungspraxis"
fließen die Präludien und Fugen dahin. Die Artikulation jedes Chorals
gelingt singend und plastisch. Besonders schön erklingen die in der
Stadtkirche von Zofingen aufgenommenen Toccaten, sowie die
''Miniaturen" aus der Stadtkirche Rheinfelden mit ihren himmlischen
Diskant-Flöten. Jedoch auch die wunderschön streichenden Stimmen der
Metzler-Orgel in St. Martin von Rheinfelden im langsamen Satzes des
Concertos BWV 571 sollen erwähnt werden. Die stiefmütterlich behandelten
Neumeister-Choräle erfahren bei ihm ihre berechtigte Aufwertung. Höchsten
Respekt verdient die gedankentiefe Interpretation der Choralpartiten auf
CD Nr. 14.
Fazit: Auf diese ultimative Wiedergabe der
Bach-Werke kann Herrick ebenso stolz sein wie die Werkstätten Metzler und
die Produktionsfirma Hyperion.
***
(21) Centaur - Dances With Harpsichords, Elaine
Funaro, Harpsichord
Centaur CRC 2651 © 2003 Vertrieb Klassik Center Kassel
Herbert Howells Lambert's Clavichord op. 4. Kent Holliday, Cances
from Colca Canyon (1999). Dimitri Cervo, Pequena Suite Brasileira.
Stephen Dodgson, Tambourin from Suite Nr. 1 (1967). Timothy Tikker,
Three Bulgarian Cances (1999). Timothy Brown, Suite Espanola
(1999). Francis Thomé, Rigadon (1892). Rudy Davenport (born 1948), Seven
Innocent Dances. Sondra Clark, Three Old Meters (1999). Sally
Mosher, Bossa Nova (1997). Stephen Yates, Fandango Indeed (1994).
Als Liebhaber der Cembalomusik muß man die
Noten von Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach oder den Couperins
nicht gleich verstauben lassen. Manchmal ist jedoch eine Auffrischung des
Repertoires angebracht. Eine herzerfrischende Alternative zum
"klassischen" Schatz der Cembalomusik liegt hier mit den
zahlreichen Tänzen aus dem 20. Jahrhundert vor. Man kann Elaine Funaro
nur dankbar sein, daß sie uns mit dieser Vielzahl von neuerer
Cembalomusik bekannt macht. Mit bestechender manueller Technik und
feurigem Rhythmus steckt sie den Zuhörer zu großer Begeisterung an.
Es handelt sich durchwegs um anspruchsvolle Musik in Tanzform
vrwiegend aus den USA und gehört eigentlich von nun an zum Repertoire
jedes, auch sakralen, Cembalo- künstlers. Jedes dieser Stücke eignet sich
hervorragend auch zum Vorspiel für eine Musikerstelle oder bei
einem internationalen Wettbewerb.
Fazit: Cembalomusik aus unserer Zeit
in mitreißender Wiedergabe. Harpsichord's Finest of new harvest, brewed with hot temperament
and spicy taste by an inspired Elaine Funaro.
***
(22) Lidi Digital - Felix Mendelssohn Bartholdy, Six Sonates pour
orgue op. 65 (Sechs Orgelsonaten). Olivier Vernet, Alfred Kern
Orgel, Masevaux, St. Martin (France). Lidi 0104147-04. © 1992 Vertrieb
Klassik Center Kassel
(23) Lidi Digital - Dietrich
Buxtehude, L'0euvre pour orgue.
CD 1: Le temps de l'Avent et de Noel. Bernard Aubertin
Orgel, St. Louis, Vichy
CD 2: Carême, Annonciation, Passion. Bernard Aubertin Orgel,
St. Denis, Viry-Châtillon
CD 3: De Pâques à Pentecôte. Gérald Guillemin,
Cathêdrale St. Étienne, Agde
CD 4: Schwenkedel-Aubertin, Cathérale Notre-Dame,
Boulogne-sur-Mer
CD 5: Gérald Guillemin Orgel, St. Nicolas, Wasquehal
Ligia Digital, Ligi 01044144-04 © 1993 Vertrieb Klassik Center
Kassel
Es mangelt nicht an Einspielungen der
Orgelmusik von Dietrich Buxtehude und Felix Mendelssohn Bartholdy.
Etliche haben ihre Qualitäten. Den Einspielungen von Olivier Vernet
zuzuhören, ist jedoch eine große Freude. Er spielt die atemberaubenden
Improvisationen von Buxtehude, der genial und unerschöpflich mit
Techniken, Formen und Harmonien experimentiert, mit jugendlicher Frische
und höchst flexiblem Klangsinn. Die Tempi sind jederzeit richtig gewählt.
Sowohl bei Buxtehude als auch bei Mendelssohn Bartholdy bewundert man den
Farbenreichtum der exzellenten Instrumente und der engagierten Orgelkunst
von Olivier Vernet.
Conclusion: Großartige Orgelmusik in
hervorragenden Interpretationen. Un Olivier Vernet, un gran maître de son
métier, très engagé et vif.
***
(24) Pavane Records. - Rhapsodies. Philippe Husser, flûte de Pan,
Cyril Dupuy, Cymbalum, Cédric Burgelin, Orgue.
Différantes pièces hongroises et roumains. Pavane ADW 7495.
Vertrieb: Klassik Center Kassel. © 2003
Wer Spaß an ganz ausgefallene Besetzungen
hat, sollte zu dieser CD greifen. Zumeist gemeinsam, vereinzelt
auch als Solisten, sind hier Panflöte, Cymbalum und Orgel sehr bekömmlich
vereint. Die Musiker sind Meister ihres Fachs und heben die
Interpretationen vieler bekannter Volksmelodien aus Ungarn und Rumänien
auf ein bestechendes Niveau. Alle drei Musiker nehmen sich seriös und
geschmackvoll der beliebten Stücke, ohne sie reißerisch herunterzuhetzen.
Hier wird ein Czardas wieder zu einem virtuosen, temperamentvollen,
manchmal auch nachdenklichen Stück blutvoller Musik.
Fazit: Ein großes Kompliment an die drei
Musiker - für ihr musikantisches und quicklebendiges Spiel, voller
Farbnuancen und Spielfreude.
***
(25) Pavane Records. - Résonances. Quatuor de Percussion Lamina. -
Leonard Bernstein, Suite of West Side Story. Peter Tschaikowsky,
Nußknacker-Suite. Johann Sebastian Bach, Orchestersuite Nr. 2 h-Moll BWV
1067. Pavane ADW 7489 © 2004. Vertrieb: Klassik Center Kassel
Vier Musiker spielen auf Vibraphonen und
Schlagwerken außerordentlich virtuos, technisch auf hohem Niveau und
wunderschönem Ton. Was sie von den normalen Einspielungen abhebt, ist die
Farbigkeit des Spiels und der Swing bei Bernstein, das Liebliche und
Märchenhafte bei Tschaikowsky sowie die sanfte Seriosität und
Entschlossenheit bei Bach. Alle drei Werke werden nicht Opfer einer
Marotte, in einem möglichst exotischen Klanggewand aufzutreten. Sie
erscheinen nicht radikal in einem neuen Licht, bezaubern aber durch ihre
bezaubernde Leichtigkeit und filigrane
Durchsichtigkeit. - Die vier Herren von "Quatuor Lamina"
hätten sich beim Booklet jedoch mehr Mühe geben können. Keine
Informationen gibt es darüber, wer welches Instrument spielt, welche
Instrumente beteiligt sind und wie und wo die Aufnahmen entstanden sind.
Die Website www.quatuor-lamina.com
gibt kaum mehr her. Dennoch:
Fazit: Eine sehr empfehlenswerte Aufnahme
für ruhige oder beruhigende Stunden.
Christian Ekowski
Post Box 21 02 22
27523 Bremerhaven
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Residence: Körnerstraße 11
27576 Bremerhaven
Germany
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Tel +49 +471 - 902 6 802
Fax +49 +471- 902 6 801
email:
christian.ekowski@t-online.d
http://www.christian-ekowski.de
www.critic-service.de
|