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Neue CD-Bewertungen/New
Evaluations of CDs
Neu/New - Buchkritiken/Book critics
(52
a) claXL
- Wilhelm Kempf, Brahms, Klavierkonzert Nr.2. Orchestra
"Alessandro Scarlatti" della Radiotelevisione
Italiana, Dirigent Pietro Agento. Konzertmitschnitt
21.02.1958. © 2009. HCD 0909. www.claXL.de
[Wird morgen fortgesetzt]
(52 b) claXL -
Wilhelm Kämpf in Potsdam, Johann Sebastian Bach, Französische
Suite Nr. 5 G-Dur, BWV 819. Franz Schubert, Impromptus
op.90, Nr. 1 bis 4. D 899 1 bis 4. Johannes Brahms,
Capriccio h-moll op.76,2. Rhapsodie g-Moll op.79,2. © 2008
HCD 0808.
(51) Arthaus
Musik - Der Ring des Nibelungen, Richard Wagner. Deutsches
National Theater und Staatskapelle Weimar, Dirigent: Carl
St. Clair. Regie Michael Schulz. Life Aufnahme 2008. 4
Blu-ray Discs
Das Rheingold 101
354, Die Walküre 101 356, Siegfried 101358, Götterdämmerung
101 360.
Sprechen wir nicht
von den sängerischen Leistungen in dieser Produktion. Es wäre
unfair den Sängern gegenüber und unwichtig, weil diese
Aufzeichnungen aus dem Staatstheater Weimar viele
hervorragende Aspekte aufweist, die sehr außerordentlich
bemerkenswert sind.
Dennoch dürfen zwei Gesangssolisten herausgehoben werden,
da sie sowohl gesanglich als auch wegen ihrer
darstellerischen Präsenz besonders beeindrucken. Da ist
einmal Nadine Weissmann, deren stabile und voluminöse
Stimme die Macht als Götterwesen und die tragische
Betroffenheit als Betrogene tief unter die Haut geht. Und da
ist Hidekazu Tsumaya, der - wie einst der legendäre Karl
Ridderbusch - eine wundersame Wärme in den Gesang und die
Gestaltung des Fafner legt. Er zeigt keinen tumben Riesen,
der tölpelhaft überlistet werden kann. Als Riesenwurm
sympathisiert er mit starken menschlichen Zügen mit dem
wahrlich noch unbedarften Siegfried.
Das Orchester
spielt die anstrengende und überwältigende Partitur
einwandfrei. Mehr lässt sich mit gutem Gewissen nicht
sagen, da die technischen Gegebenheiten meiner
TV-Lautsprecher nicht den vollständigen
Sound wiedergeben können. Die Vorteile der Blu-ray-Technik
liegen
zunächst einmal in der überaus eng komprimierten Datenfülle,
die es ermöglicht, je eine ganze Oper auf einer Scheibe zu
vereinigen. Dies bedeutet eine enorme Platzersparnis. Sie
ermöglicht, Bild und Ton im großen Umfang auf einem Datenträger
ohne Probleme unterzubringen.
Insgesamt stellt man
fest, daß im Verlaufe der vier Ring-Abende alle Sänger
zunehmend an darstellerischer Intensität gewinnen. Es wird
immer deutlicher, wie sehr die schicksalhaften Pläne,
Entwicklungen und Konsequenzen den Dramen einer antiken Tragik
mit einer abgründigen Tiefe gleichkommen. Dies ist sicher
im Sinne Richard Wagners, der die antike Dramen-Welt sehr
genau kannte und in seine Ring-Welt einbrachte. Es liegt vor
allem an der außergewöhnlichen Regie, welche einen so
tiefen und nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Es ist das
schlüssige, logische und sinnerhellende Gesamtkonzept, das
- endlich! - ohne Firlefanz in Einzelaktion auskommt. Das
beginnt mit der anrührenden Anwesenheit der Erda, die, so
scheint es, zumeist stumm in allen vier Opern das Geschehen
auf der Bühne mitverfolgt. Klar, sie ist allwissend und überprüft,
ob alles nach dem Plan des Schicksals und der Nornen abläuft.
Sie leidet mit in der erschütternden Waltrautenszene der
"Götterdämmerung" und formt den toten Siegmund
und Siegfried zu einer beklemmenden Pietà, die zugleich an
das Gemälde des liegenden Leichnam Jesu im Kunstmuseum
Basel erinnert. Die Verwandlung Erdas in Grane in der Schlußszene
des "Rings" ist unmittelbar einsehbar. Das
reinigende Wasser aus dem Himmel, auch als Sintflut deutbar,
ist der wesentliche Vorgang für einen Neuanfang der Welt,
ohne Götter. In einem kurzen Szenenausschnitt sieht man,
wie der Ring auf dem Speer aufgespießt ist. Markanter kann
man die versammelten Symbole der Macht und Verträge nicht
anschaulich machen.
Selbst der Quicky
mit dem Waldvögelein, kurz und oberflächlich, appelliert
nicht vordergründig an unsere Instinkte, sondern offenbart
das moralfreie, nicht amoralische, Verhalten der Naturwesen.
Dies trifft ebenso auf die Rheintöchter zu, die im
"Rheingold" mit ihrem tändelnden Verhalten den
Raub des Rheingolds ermöglichen, oder in der "Götterdämmerung"
die Gelegenheit verscherzen, den verfluchten Ring dem Rhein
wiederzugeben. Selbst die wahrhaft aufreizende Begattung von
Brünnhilde durch Gunther in der "Götterdämmerung"
hat ihren Sinn als Rache gegenüber Siegfried und der
beschleunigten Herbeiführung des Untergangs der Götter.
So ließen sich
noch zahlreiche Assoziationen, Symbole oder Bilder aufzählen,
die zu einem sinnträchtigen Verständnis dieser
"Ring"-Aufführung anleiten.
Das Fazit für
diese Blu-ray-Einspielung und dieser Aufführung der vier
"Ring"-Opern kann deshalb nur lauten, daß diese
Aufnahme allemal die Anschaffung lohnt - zum Anhören und
Ansehen und Nachdenken.
*
(50)
oehms classics - Frédéric Chopin, Hélène
Tysman. Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op.35. 24 Préludes op. 28
OC
782 © 2010.
Solch eine
Interpretation der Klaviermusik von F. Chopin hat man bisher
noch nie gehört. Was man hier von der 28jährigen Pianistin
Hélène Tysman angeboten bekommt, ist entfernt von aller
gefühligen Romantik oder ausgiebigen Pedalverschleierung.
Zugegeben, so wie Chopin seine eigene Musik vorgetragen hat,
kann man heute nicht mehr spielen: fast stets im
Pianobereich, mit zurückhaltender Brillanz und ganz auf die
Dimensionen eines Salons abgestimmt. Tysman jedoch
verzichtet überwiegend auf das Fortepedal und beweist in
allen hier eingespielten Stücken eine enorme, durch die
Aufnahmetechnik stets überprüfbare einwandfreie Technik.
Die Künstlerin beruft sich dabei auf Chopin-Editionen, in
denen auf lange Strecken hin kein Pedal-Zeichen eingetragen
ist. Daß dies keinesfalls auf Chopins Willen hin geschieht,
steht fest, da es keine wissenschaftliche Urtext-Ausgabe von
letzter Hand des Komponisten gibt. Was spätere Drucker und
Herausgeber überliefert haben, ist bereits eine
Interpretation. Es geht also auch in dieser Einspielung um
eine Ausführung des Notentextes, die danach zu beurteilen
ist, ob der musikalische Inhalt uns authentisch, also
inhaltlich nachvollziehbar, erscheint. Und dies ist, bei
aller Exzentrik der Agogik oder des Anschlags, sehr
beeindruckend gelungen.
Nach den wuchtigen
Akkorden der Intrada der zweiten Klaviersonate entfesselt
Tysman kein dramatisches Gewühle, sondern gibt uns quasi
ein Strukturbild der Hauptthematik, détaché, nahe am
reinen Staccato, im Anschlag trocken und absolut durchhörig,
so daß jede Note jederzeit vernehmbar ist. Nichts ist
verschwommen. Selbst im raschesten Tempo und bei aller
souveräner Kraftentfaltung bleibt das Notenbild klar, ja gläsern
durchsichtig. Überzeugend ist die Gestaltung des lyrischen
Nebenthemas, eingehüllt in ein wohldosiertes Pedalspiel und
kontrastierender Nachdenklichkeit.
Wunderbar gelungen ist
die Gegensätzlichkeit im darauffolgenden Scherzo, bei dem
sich nach den anfänglichen Secco-Takten ein überaus
spannungsreicher, stimmungsvoller Mittelteil anschließt.
Die introvertierte, wunderschön singende Melodielinie, die
wir auch im Mittelteil des Trauermarsches wiederhören,
zeichnet Tysman als große pianistische Künstlerin aus.
Der Trauermarsch
schleppt sich nicht tränenreich dahin, Tragik oder Trauer
scheint erst in Mittelteil durch. Aus Moll wird eine hinreißend
gesungene Melodielinie in Dur. Schön und zärtlich hält
Tysman innere Einkehr.
Vollends rätselhaft
bleibt der Schlußsatz sowohl als Komposition von Frédéric
Chopin als auch in der Ausführung durch Hélène Tysman.
Die Presto-Oktaven rasen nicht dahin, sondern werden
trocken, ohne Pedal, ohne Crescendo-Dynamik in den Schlußtakten
und durchwegs leise vorgetragen. Das Hörergebnis ist fast
absurd. Jede Note ist hörbar, nichts ist gestaltet. Und
dennoch – das Unerhörte bleibt im Gedächtnis des Hörers
hängen und zwingt zum Nachdenken. Die Interpretation dieser
Sonate ist allemal bedenkenswert.
Préludes,
op. 28. –
In gleicher Weise, nämlich völlig ungewohnt, unorthodox,
jedoch neuen Erkenntnissen über die Quellenlage verbunden,
hören wir die 24 Préludes von Frédéric Chopin. Die Tempi
sind, wie schon das erste Stück beweist, eher elegant als
auf Geschwindigkeit getrimmt. Dies ist sicher kein „agitato“,
aber akzeptabel. Die Dies-irae-Stimmung von Nr. 2 wird düster
und leise ausgeführt. Manche Eigenheiten sind nicht willkürlich
eingesetzt, aber auch nicht immer einsehbar. Warum die drei
Schlußakkorde von Nr. 4 so stark vom Hauptstück abgetrennt
sind, erschließt sich nicht aus der vorangegangenen
Interpretation. Ihr Hang zum Secco-Klang und Spiel ohne
Haltepedal finden wir in Nr. 5 und 6 wieder. Nr. 8, 9 und 10
erinnern ein weiteres Mal an die eminenten technischen Fähigkeiten
der Pianistin. Ihre Fähigkeit zum singenden Legato-Anschlag
und Melodiespiel finden wir ausgeprägt in Nr. 13 oder
beispielsweise im „Regentropfen-Preludium“ Nr. 15. Die
Nr. 14, das Pendant zum Schlußsatz der b-Moll-Sonate, ist
denn doch zu akkurat und unpersönlich geraten. Warum der
„Choral“ Nr. 20 so wenig zusammenhängend in den
Akkorden vorgetragen wird, sodaß die Akkorde fast
vereinzelt, ohne musikalischen Zusammenhalt erklingen, ist
nicht ganz einsehbar. Nach einem wuchtigen, tollen
g-Moll-Agitato von Nr. 22 geht es mit leicht gebremster
Leidenschaft in das überragend ausgeführte d-Moll-Schlußstück
von Nr. 24.
Fazit:
was für eine eigenständige, technisch absolut
beeindruckende, musikalisch mit jedem Takt zum Aufhorchen
zwingende Interpretation zweier Hauptwerke von Chopin! Dies
könnte der Interpretationsstil für Chopins
Klaviermusik der kommenden Jahre werden.
*
(49) Musica
rediviva - Johann Sebastian Bach, Die Kunst der Fuge. Bengt
Tribukait, Orgel. Cahman Orgel 1728, Kirche von Leufsta Bruk,
Schweden. MRSACD-017. © 2008
Wieder einmal
beeindruckt einmal mehr das Label Musica rediviva durch ein
liebevoll gestaltetes, informatives Booklet. Die Farbphotos
des Orgelprospekts und des tief in Pelze eingemummelten
Tribukait, die vereiste, dennoch farbige Landschaft und des
Spieltischs, samt Registerzügen, geben schon einen
signifikanten Eindruck von der Umgebung, in der diese
Aufnahme entstanden ist. Die Texte im Booklet sind in
englischer, japanischer und schwedischer Sprache
geschrieben. Eine kurze Einführung in das Werk, sowie die
Disposition und Registrierungen machen die Informationen
besonders wertvoll. Der warme, schöne Gesamtklang der
Cahman Orgel aus dem Jahre 1728 nimmt der "Kunst der
Fuge" alles Akademische oder Nüchtern-Sachliche. Klare
Labialflöten ergeben einen klaren Klang als Solo-Register
oder im kräftigen Plenum, das von keinem Überdruck getrübt
wird. Wunderschöne Diskantflöten erhalten zusätzlich eine
quecksilbrigen Glanz in Fuge 9, oder eine virtuos gespielte
charaktervolle Trompete 8' bereichert die Fuge 18. Die Schlußfuge
interpretiert Tribukait stilsicher in einem großartig
majestätischen Tonfall.
Fazit:
Diese Einspielung empfiehlt sich durch ihr wunderschönes
Klangbild und die anregende Interpretation.
(48)
arta - Johann Sebastian
Bach, Goldberg-Variationen BWV 988. Jaroslav
Tůma, Clavichord und Cembalo. 2 CDs. Arta F 10136.
©2005. Vertrieb: Klassik Center Kassel
Das Clavichord ist im musikalischen Leben fast ausgestorben. Es führt lediglich ein
Orchideen-Dasein. Das Cembalo spielt bei Aufführungen von
Werken aus der Barockzeit jedoch noch eine vitale Rolle. Um so mehr ist es begrüßenswert, wenn
Aufnahmen mit Clavichord und Cembalo erscheinen, vor
allem wenn sie den authentischen Klang für die
Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach wiedergeben.
Bach hat, laut Inventarliste seines Nachlasses mehrere
Clavichorde und Cembali besessen. Zeitgenossen rühmten, wie
außerordentlich rein und harmonisch er ein Clavichord zu
stimmen wusste. Er benutzte beide Instrumenten-Typen, ohne
sich kategorisch festzulegen. Das bedeutet, dass man dieses
Variationswerk, wie etwa auch das „Wohltemperierte
Klavier“, ohne ideologische Festlegung auf dem einen oder
anderen Instrument spielen kann. Oder, um einen wichtigen
Begriff der Barockzeit zu verwenden: man spiele, wie damals,
nach dem guten Geschmack. Diese Sichtweise ist heute natürlich
absolut verpönt. Also ist es nur konsequent, dass man
beispielsweise die Goldberg-Variationen einmal auf einem
Clavichord gespielt anhört und andererseits mit einem
Cembalo.
Auf der vorliegenden Doppel-CD hat Tůma je ein Instrument des
Jahres 2004 aus der Werkstatt des Hamburger
Instrumentenbauers Martin Kathers gewählt. Der Stimmton
liegt bei 415 Hz, jedes Instrument wurde ungleichmäßig
gestimmt.
Insgesamt wählte Tůma ruhige und angemessene Tempi, so dass
auch 32tel-Läufe in den späteren Variationen klar und
sicher nachvollzogen werden können. Bei einem Clavichord
werden baubedingt etliche Nebengeräusche hörbar, vor allem
der Aufschlag einer Taste auf den Instrumentenrahmen. Wegen
des relativ kleinen Instrumentenumfangs und des Holzrahmens
entwickelt der Resonanzboden noch nicht so starke und
voluminöse Töne wie die Tasteninstrumente späterer Jahre.
Dafür besitzt der Clavichordton ein zartes, süßes und außerordentlich
farbenreiches Timbre, das der Spieler mit jedem Anschlag
variieren kann.
Das kommt der Stimmung der einleitenden Aria und den zunächst
folgenden Variationen sehr entgegen. Später wird es bei
Bach jedoch mehr und mehr turbulent und virtuos, so daß man
kaum glauben kann, daß sie gegen die Schlaflosigkeit des
Gesandten von Kayserlinck komponiert seien. Mit jedem
weiteren Stück wendet Bach eine neue Variationsform an. Da
laufen 16tel-Ketten gegeneinander, werden aber sogleich von
einem kantablen und weich fließenden Abschnitt bei
variablem Anschlag abgelöst. Bei diesen ständigen Hin und
Her der schnellen Läufe wird hörbar, wie ausgewogen und
gleichmäßig ausbalanciert das hier verwendete Instrument
klingt. Und noch eines wird deutlich: daß beim Clavichord
die motorischen Abläufe viel deutlicher bemerkbar sind als
beim Cembalo, bei dem die Dynamik und Brillanz eher im
Vordergrund stehen. Man kann beim Clavichord gut
nachvollziehen, wie schnell die Finger über die Tasten
rennen oder wie sensibel jeder Ton individuell angeschlagen
wird. Man wird unmittelbarer Zeuge, wie die Hände überkreuz
nebeneinander laufen, sich entflechten oder einer gleichmäßigen
Kette Pralltriller oder Staccato-Noten entgegengesetzt
werden. Eine elegische oder gar tragische Grundstimmung weiß
Tůma der g-Moll-Tonart in den Variationen 21 oder 25
abzugewinnen. Seine unfehlbare technische Meisterschaft
beweist Tůma in den wahnwitzigen Trillerketten der
Variation Nr. 29.
Ein gemütlich vorgetragenes Quodlibet (Nr. 30) und die
erneut schöne, intime Stimmung der einleitenden Aria
beenden diese außerordentlich kompetente Einspielung.
Der Klang des Cembalos ist natürlich weitaus silbriger und
stabiler. Durch den noch schneller reagierenden Anschlag
einer Taste können Akkorde oder Tonketten leichter und
klarer ausgeführt werden. Die Register des Cembalos – ein
4’- und ein 8’-Register sowie ein Lautenzug - bereichern
die Klang- und Farbpalette. Hier offenbart sich auch die
majestätische Pracht einer Französischen Ouvertüre in der
Variation Nr. 16. In der g-Moll-Variation Nr. 25 nimmt Tůma
durch den Einsatz des Lautenzugs sinnigerweise Bezug auf das
Andante des Italienischen Konzerts von Bach und damit auf
das Klangmodell eines dreisätzigen Concertos von Antonio
Vivaldi.
Fazit: Diese
lehrreiche, anregende, spannende und ja amüsante
Einspielung der Goldberg-Variationen auf einem Clavichord
und einem Cembalo hat Seltenheitswert und sollte sich jeder,
nicht nur ein historisch orientierter, Musikfreund zu Gemüte
führen.
(47) audite
- Friedrich Gulda. The Early Recordings.
4 CDs. 1.) Ludwig
van Beethoven: Klaviersonate op.14,2 und op.109. 15 Variationen
und Fuge op. 35, Eroica-Variationen. 32 Variationen c-Moll
WoO 80. 2.) Claude Debussy: Pour le piano, Estampes
II, Image III, Préludes 1er livre, VI, IX, Suite
Bergamasque. Maurice Ravel: Gaspard de la nuit. 3.)
Frédéric Chopin: Préludes op.28, Nocturne op. 48,1,
Barcarolle op.60. Sergej Prokofiev, Klaviersonate Nr. 7,
op.83. 4.) Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert
c-Moll KV 491. RIAS-Sinfonie-Orchester, Igor Markevitsch. Ludwig
van Beethoven: Klaviersonate: .A-Dur op. 101. Friedrich
Gulda, Klavier. - audite 21.404
Diese Box mit 4
CDs des Pianisten Friedrich Gulda ist ein überaus
wertvolles Zeugnis eines großen Künstlers. Einmal wegen
der Überlieferung seiner Interpretationen aus den Jahren
1950 bis 1959, als auch wegen einer Musikerpersönlich- keit,
die einen eigenen Darstellungstil geschaffen hat, durch
einen schicksalhaften Wandel jedoch nicht wieder angeknüpft
hat oder geschweige denn anknüpfen wollte. Wenn man die
hier eingespielten Werke anhört, empfindet man tiefes Bedauern über
diese Wende, aber auch Genugtuung, dass diese
Tonaufzeichnungen nun wieder dem Musikfreund zugänglich
sind. Gulda ist in der Phase der 50ger Jahre als einer der
ganz großen Pianisten des 20sten Jahrhunderts erkennbar. Er
praktizierte zu dieser Zeit einen Gestaltungsstil, der sich
markant von dem Pathos und der Monumentalität zur Zeit des III.
Reiches abkehrte. Es ist jedoch nicht eine nüchterne oder
sachliche Ausführung, die sein Spiel prägt, sondern eine
durchaus emotionale, ganz deutlich klassische Gestaltung.
Eine derartig wohlgeformte, niemals strenge
Formenklarnheit, sowie auf Schönheit und geradezu
lateinische Linienklarheit bedachtes Klangbild hätte man
ihm kaum zugetraut, so sehr überdeckte sein späteres
Konzertgehabe seine außergewöhnliche musikalische Gabe.
Lediglich annäherungsweise wurden sie in den 60er und 70er
Jahren seiner Interpretationen der Sonaten von Wolfgang
Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven erkennbar.
Neben der
klassischen Deutlichkeit, beispielsweise in der fast abgeklärten,
gar nicht ironischen Färbung im zweiten Satz der 7.
Klaviersonate von Prokofiev, und im positivsten Sinne
Formgebundenheit seiner Ausführungen sind als weitere Charakteristika
seines Spiels die phänomenale manuelle Technik, seine
stilistische Vielfalt und vor allem sein auf allen vier CDs
herrlich beeindruckendes Piano und Pianissimo, verbunden mit
einer eigentlich schon historisch, also heute nicht mehr zu
vernehmenden, Anschlagskultur zu nennen.
Seine
interpretatorische Größe, ja Einzigartigkeit hat Gulda bei
den Werken von Beethoven und Mozart bewahrt. Sie klingen bei
ihm völlig natürlich, aus dem Moment heraus geschaffen und
ohne jede Attitüde, in der Ausdruck und Emotion explizit
gewollt sind. Als man ihn einmal fragte, warum sein
Beethoven-Spiel so natürlich und so echt beethovenisch
klinge, hat er geantwortet: ich setze mich ans Klavier
und beginne und dann fließt alles von ganz allein. Auf
diese Weise hat man in jeder der hier eingespielten Sonaten
das wohltuende Empfinden, so hat es der Komponist
intendiert. Nicht vergessen sollen die 32 Variationen c-Moll
sein, bei denen Beethoven genial ein profiliertes Thema von
acht Takten Themenlänge findet und in einen ganzen Kosmos
verschiedenster Variationen von gleichfalls nur acht Takten
gießt. Gulda modelliert daraus im reaktionsschnellem
Wechsel von Dynamik und emotionalem Ausdruck zu jedem Stück
den ihm eigenen Charakter. Die emotionale Flexibilität
kommt den 24 Préludes von Chopin in höchst beeindruckendem
Maße zugute, wie gleichfalls beispielsweise im
Klavierkonzert c-Moll von Mozart. Die Selbstverständlichkeit
der Gestaltung aller drei Sätze lässt alle vermeintlichen
Schwierigkeiten in Mozarts Werken vergessen. Der wunderbar
sonore und stets singende Anschlag weckt die Erinnerung an
Clara Haskil, bei der ebenso Schönheit des Tons und Tragik
des Ausdrucks vollkommen verschmolzen.
Einen hinsichtlich
perfekter Klarheit und angemessener Leichtigkeit französischen
Gulda lernen wir in der so liebenswerten "Suite
Bergamasque" von Debussy und noch mehr stupend beim
"Gaspard de la nuit" von Ravel kennen. Die
Wasserfluten in "Ondine" entwickelt er aus
einem sanften Gemurmel zu aufschäumenden Wellen. Die
irrlichternden Verwandlungen des "Scarbo" meistert
er mit großer Sensibilität und überragender
Brillanz.
Was wohl kaum
einem Musikfreund oder Kritiker noch in Erinnerung ist,
stellt Guldas überragende Piano- und Pianissimo-Kultur dar,
die ihm jedoch auch zu Konzertzeiten kaum jemand so
definitiv zugesprochen hat. Wie ebenmäßig und leicht
verschattet spielt Gulda das "Clair de lune" von
Debussy. Wie viele Pianotöne findet er in den langsamen Sätzen
der Beethoven-Sonaten oder den "Préludes" von
Chopin. Unfassbar, wie er das Piano im Prélude Nr. 20, dem
weihevollen Choral, in der Wiederholung an der Grenze zum Hörbaren,
noch leiser, klangvoller, noch sonor klingender ausführen
kann. Ein derart subtiles Anschlagsvermögen und, nochmals,
Pianokultur pflegt heute kam noch ein Pianist (falls er es
überhaupt vermag).
Fazit. Hier
liegt nicht nur eine der schönsten Musik-Kassette der
letzten Jahre vor. Sie ist zugleich eine der wertvollsten,
da sie die Kunst eines der ganz großen Pianisten des
letzten Jahrhunderts überliefert.
*
(46) audite
- Wilhelm Furtwängler. Live in Berlin. The
Complete RIAS Recordings. 12CDs. Berliner
Philharmoniker, Wilhelm Furtwängler. Gerhard
Taschner, Violine. Yehudi Menuhin, Violine. 1. Ludwig
van Beethoven, Sinfonie Nr. 6 F-Dur
"Pastorale" op.68 (1947). Sinfonie Nr.5 c-Moll
op.67 (1947). 2.) Felix Mendelssohn Bartholdy, Ouvertüre
"Ein Sommernachtstraum", op. 21. Ludwig van
Beethoven, Violinkonzert D-Dur op.61. Yehudi Menuhin,
Violine. Johann Sebastian Bach, Orchestersuite D-Dur
BWV 1068.3. Franz Schubert, Sinfonie h-Moll D 759
(1948). Johannes Brahms, Sinfonie Nr. 4 e-Moll op.98
(1948). 4.) Anton Bruckner, Sinfonie Nr. 8 c-Moll 5.)
Robert Schumann Ouvertüre "Manfred"
op.115. Johannes Brahms, Sinfonie Nr. 3 F-Dur op.90
(1949). Wolfgang Fortner, Konzert für Violine und
großes Kammerorchester. Gerhard Taschner, Violine. 6.) Richard
Wagner, Vorspiel "Die Meistersinger von Nürnberg",
Georg Friedrich Händel, Concerto grosso d-Moll
op.6,10. Johannes Brahms, Haydn-Variationen op.56a. Paul
Hindemith, Konzert für Orchester op.38. 7.) Ludwig
van Beethoven, Sinfonie Nr.3 Es-Dur op.55
"Eroica" (1950), Christoph Willibald Gluck,
Ouvertüre "Alceste". Georg Friedrich Händel,
Concerto grosso D-Dur op.6,5. 8.) Carl Maria von Weber,
Ouvertüre "Der Freischütz". Paul Hindemith,
Sinfonie "Die Harmonie der Welt". 9.) Ludwig
van Beethoven, Sinfonie Nr.3 (1952). Franz Schubert,
Ouvertüre "Rosamunde" D 644. Boris Blacher,
Konzertante Musik für Orchester op.10. 10.) Franz
Schubert, Sinfonie h-Moll (1953). Sinfonie Nr. 9 C-Dur
D944 (1953). 11.) Johannes Brahms, Sinfonie Nr. 3
(1954), Richard Strauss, Don Juan op.20, Richard
Wagner, Vorspiel und Isoldes Liebestod zu "Tristan
und Isolde". 12.) Ludwig van Beethoven, Sinfonie
Nr.6 (1954). Sinfonie Nr.5 (1954). Bonus-CD Kolloquium in
der Hochschule für Musik, Berlin. Werner Egk und
seine Studenten interwieven Wilhelm Furtwängler, 27.2.1951.
- audite 21.403.
Diese Kassette mit
zwölf CDs bietet die Interpretationen von Wilhelm Furtwängler
und den Berliner Philharmonikern aus den Jahren 1947 bis
1954 an. Es ist jedoch ebenso wichtig, darauf hinzuweisen,
daß dieser Sammlung eine 13. CD beiliegt, die ein
Kolloquium mit Furtwängler und Musikexperten über die
Prinzipien der Interpretation und praktische Probleme der
Musikausübung wiedergibt. Diese Podiumsdiskussion
fand 1951 in der Berliner Hochschule für Musik statt. der
Diskussionsleiter ist Werner Egk. Es kommen jedoch auch
Musikologen, Musikkritiker und Studenten zu Wort. Dieses öffentliche
Gespräch erhöht den Wert dieser CD-Sammlung außerordentlich.
Nach anfänglich ziemlich oberflächlichen Fragen, gewinnt
der Dialog zwischen Dirigent und Publikum an Tiefgang. Wir
erfahren die Einstellung Furtwänglers zu Regisseuren und Sängern,
zu Mozarts "Zauberflöte" oder Wagners Opern, zu
Kompositionen der Romantik und der Moderne. Daß er dem Jazz
nichts abgewinnen kann, sollten wir ihm nicht übelnehmen.
Insgesamt ist das lebendige Gespräch sehr informativ und
auch in der Wiederholung aufschlußreich.
Zum zweiten ist
die Lektüre des Booklets sehr empfehlenswert. Es enthält
einen umfassenden und detaillierten Überblick über das
politische Verhalten Furtwänglers in der NS-Zeit. Der ausführliche
Essay enthält Fakten und Schlussfolgerun- gen, denen man
sich anschließen kann oder nicht. Des weiteren wird die
Charakteristik der Musik-Interpretationen um den Begriff
"Spätwerk" diskutiert, ebenso die Bedeutung der
Programmgestaltung. Die akribisch ausgearbeiteten
Editorischen Hinweise sind vorbildlich. The booklet wordings
are translated very carefully, the bibliographic
descriptions of each musical work are written in English
anyway.
Die Klangqualität
ist größtenteils sehr gut, wenn man sich bewußt ist, daß
die Aufzeichnungen in den Nachkriegsjahren gemacht wurden.
Das Bandmaterial und die Mikrophone konnten noch nicht den
Standard späterer Jahre und technischen Entwicklung
erreichen. Die erste CD klingt, wohl durch exzessives
Remastering, viel zu scharf. Die restlichen CDs kann man
problemlos anhören. Das Orchester und einige Solisten
erreichen nicht das technische und klangliche Niveau der
Vorkriegszeit. Und dennoch erfüllen die Musiker den höchsten
interpretatorischen Maßstab, vor allem dank dem Dirigenten
Wilhelm Furtwängler. Alfred Brendel schreibt in seinem Buch
"Nachdenken über Musik", daß man sich im Gespräch
gerade mit jungen Menschen am ehesten auf einen
Musiker einigen könne - das sei Furtwängler. Gemeint war
dabei der musikalische Gehalt, die Nachdringlichkeit, der
innere Nachhall, der unendliche Spannungsbogen bei jedem
Werk. Heute oder auch schon seit den achtziger Jahren bemäkelt
man die langsamen Tempi des Dirigenten. Häufig spielt man
dabei Furtwängler gegen Toscanini aus, was rein metrisch
nicht stimmt; es sind oft nur Sekunden, die beide Dirigenten
voneinander trennen. In der Tat verschreibt Furtwängler
manchen Werken ein sehr langsames Tempo, etwa der 6.
Sinfonie von Beethoven, dem Concerto grosso von Händel oder
der 3. Sinfonie von Beethoven. Das fällt deswegen auf, weil
man keine Begründung für die Langsamkeit eines Allegro
findet. Die übliche Kabbelei um die richtige Metronom-Zahl,
die Beethoven auf manche seiner Kompositionen
niederschreibt, ist müßig und unnötig. Die MM-Zahlen sind
zumeist widersprüchlich, und man sollte stets Beethovens
Urteil über Metronome beherzigen: "Zum Teufel mit
allen Maschinen." Beethoven selbst interessierte die
metrische Genauigkeit eines Tempos nur zeitweilig. Die erste
Frage an seinen Adlatus Schindler nach einem Konzert war:
wie war die Prosodie. Das heißt: er wollte erfahren,
ob die Musiker auch verständlich und verständig, sowie
angemessen ihren Notentext artikuliert und phrasiert
gespielt hätten.
Ähnlich geht es
um die Größe eines Orchesters und die breitgefächerte
Dynamik bei Furtwängler. Die gesamte Konzeption des Barock,
ob in Literatur oder höfischem Leben, lebt von dem größten
Kontrast und der sicht- und hörbaren Kraft und Fülle der
Worte, des Ausdrucks und der Töne. Von Johann Sebastian
Bach über Georg Friedrich Händel bis Wolfgang Amadeus
Mozart kennen wir Zeugnisse und oft Klagerufe nach mehr Fülle,
nach mehr Umfang in der Stimmenbesetzung. Warum
sollten wir Musik der Barockzeit plötzlich in höchster
Magerstufe spielen? Bei Furtwängler spielen die Begriffe
Kraft und Fülle eine enorme Rolle. Es mag sein, daß
Genossen unserer Zeit die Barock-Interpretationen nicht mehr
mögen. Legitim ist Furtwänglers Auffassung allemal.
Eine ähnliche
Haltung nimmt Furtwängler zum Thema Tempo ein. Im Podiumsgespräch (CD 13)
äußert er einmal, daß die Organisten (in den dreißiger
Jahren zumindest) alle zu schnell spielen. Sie würden,
nicht nur bei Bach, die zahlreichen hörenswerten Klänge,
Akkorde, Melodien und Farben gar nicht ausspielen und dem Hörer
in den Genuss dieser Dinge kommen lassen. Bei zahlreichen
Einspielungen dieser CD-Sammlung kann man jedoch kaum einen
Unterschied zwischen der damaligen und heutigen Tempowahl
feststellen.
Es gibt jedoch
einen, ganz entscheidenden Unterschied in der Spielweise
Furtwänglers, die ihn auch heute noch als einen der größten
Dirigenten der Musikgeschichte machen. Kein anderer Musiker
vor und nach ihm besitzt diese einzigartige Fähigkeit: es
ist das Sostenuto. Definition des Sostenuto lautet:
gehalten. Ein Ton oder Akkord soll so lange gehalten, ohne
Minderung in Lautstärke und Tempo, gehalten, gespielt oder
geblasen werden, wie er notiert ist. Wagner macht in seinen
Partituren ausgiebig davon Gebrauch, weil er die Praxis des
Abschlaffens zu einem Takt- oder Passagen- Endes hin kannte.
Die deutsche Orchesterkultur zeichnet sich seit vielen
Jahrzehnten durch die Beachtung des Sostenuto- Klanges aus.
Bei Wilhelm Furtwängler ist es geradezu ein dominierendes
Interpretationsprinzip. In allen Musikstücken dieser
CD-Kassette hören wir dies konzentrierte, bezwingende
Aushalten von Klang, Farbe und Intensität. Dieses
Insistieren, diese unnachgiebige Forderung nach vollem, der Partitur
gemäßen Ausführung eines musikalischen Werks zeichnet ihn
wie kaum ein anderer Dirigent aus. Am ehesten Herbert von
Karajan hat dieses Sostenuto-Spiel weiter kultiviert. Man höre
nur das Finale der vierten Sinfonie von Johannes Brahms mit
Furtwängler, dann kann man nur mit höchster Bewunderung
staunen, wie er, ohne das Tempo anzuziehen, die Intensität
immer noch weiter und weiter steigert. Und noch ein Merkmal
von Furtwängler gilt zu bestaunen: das ist die
Leidenschaft, mit der er sich der Musik und den Ausführenden
widmet. Leidenschaft in dieser Intensität und grandiosen
Kraft hört man heute kaum noch. Lautstärke und Tempo sind
die bestimmenden Parameter bei den meisten der heutigen Ausführungen.
Um so wertvoller ist die Auswahl dieser Aufführungen mit
Wilhelm Furtwängler.
Fazit: Eine überwältigende
Dokumentation des großen Genies von Wilhelm Furtwängler.
Wir können uns glücklich schätzen, diese Interpretationen
zu besitzen. Diese Einspielungen muss jeder Musikfreund gehört
haben. Diese Musik mit Wilhelm Furtwängler gehört
mit zum Wertvollsten, das man in seinem Musikarchiv bewahren
kann.
*
(45)
Bärenreiter-Verlag/J. B. Metzler, Verlag, Kassel
Lewis
Lockwood, Beethoven. Seine Musik. Sein Leben. ISBN
978-3-7618-1846-6. 456 Seiten. 2009.
Hier haben wir
eine in jeder Hinsicht moderne Beethoven-Biographie an der
Hand. Lockwood verarbeitet in einem wohltuend flüssig
geschriebenen, doch seriös fundiertem Werk die Literatur
bis zum Jahre 2008 und vermittelt uns ein außerordentlich
lebensnahes Bild von der Persönlichkeit Ludwig van Beethovens und
etliche wissenschaftlich auf neuestem Stand gebrachte
Analysen seiner wichtigsten Werke. Ein erster Pluspunkt
geht an die stilistische Gelassenheit der biographischen
Beschreibung des Komponisten (1770-1827). Die bis ins 20.
Jahrhundert reichende Vergötterung und Heldenverehrung
seiner Persönlichkeit ist einer sachlichen, mit vielen
Details unterlegte Beschreibung gewichen. Das fängt bereits
mit der ausführlichen Erwähnung an, wie häufig Alkoholmissbrauch
in Beethovens Familie anzutreffen war. Großvater, Vater und
Mutter waren für ihren Abusus stadtbekannt. Es ist verständlich,
dass der junge Ludwig aus diesem Familienmilieu floh, jedoch
auch in Wirtshäuser, wo er ebenfalls dem Alkohol
zusprach.
Der Dirigent
Michael Gielen hat Richard Strauss vorgeworfen, dass dieser
inmitten der größten Grausamkeiten seiner Zeit eine Oper
wie "Capriccio" schreiben konnte und so nicht auf
die unmenschlichen Umstände in der Welt reagiert hätte.
(Das könnte man Bach und Händel auch vorwerfen). Gielen
hatte dabei wohl eher Arnold Schönberg und insbesondere
dessen Komposition "Ein Überlebender aus
Warschau" im Blick. Für Ludwig van Beethoven trifft
die enge Verbundenheit mit der politischen,
gesellschaftlichen und kulturellen Gegenwart in außerordentlich
starkem Maße zu. Entsprechend geht Lockwood sehr
detailliert und ausführlich auf die geschichtlichen und
soziologischen Ereignisse ein, an denen Beethoven regen
Anteil nahm. Weiten Raum widmet der Autor dem Geist der
philosophischen Aufklärung und den Klassikern Friedrich von
Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Napoleon Bonaparte
erhält zurecht ein eigenes Kapitel, da besonders in Wien,
das Beethovens Lebensmittelpunkt war, die Auswirkungen
seiner Taten spürbar waren. Waren die ersten seiner
Kompositionen im 18. Jahrhundert noch von äußeren
Ereignissen unberührt, so gipfelt die pathetische Verehrung
und nachfolgende Verachtung für den Imperator in der
Werkgeschichte, nicht nur der Widmungsgeschichte, in der
Konzeption der 3. Sinfonie, der "Eroica".
Ausgeprägt fallen
bei Beethoven, neben der Heldenverehrung, das Streben nach
Anerkennung und Erfüllung der Liebesgefühle aus. Lockwood
bespricht ausführlich die Widmungen fast jeder Komposition,
zumeist für Exponenten des Hochadels oder eine seiner Schülerinnen.
Diese spielen beim durchaus abwechslungsreichen Liebesleben
des Komponisten eine große Rolle, es werden zahlreiche
Namen genannt. Jedoch den Namen der Frau, an die das
Heiligenstädter Testament gerichtet ist, kann auch der
Buchautor nicht mit Sicherheit angeben. Der Grund, warum
Beethoven keine Ehepartnerin gefunden hat, liegt einerseits
an seinem Unabhängigkeitsstreben, das eine enge Gefühlsbindung
schwerlich zuließ, andererseits war er, wie es bei einer
Ablehnung eines Heiratsantrags von ihm hieß, ausgesprochen
ungepflegt und häßlich.
Ein bedeutsames
Kapitel, die zunehmende Taubheit, nimmt viele Seiten ein. Es
wird bei der Lektüre deutlich, dass bei Beethoven schließlich
kein vollständiger Verlust des Gehörs eintrat. Das
bezeugen nicht nur die Hörhilfen, die er bis zu seinem Tode
in Anspruch nahm, sondern auch Aussagen, die über ein
chaotisches Stimmgewirr bei größeren Menschen-
ansammlungen oder gleichzeitigem Vortrag mehrerer
Instrumente klagen. Dass es sich bei der Todesursache
letztlich um eine "Bindegewebsschwäche und
Immunkrankheit" gehandelt habe, ist jedoch nicht
akzeptabel. Hier hätte Lockwood sich auf die deutsche
medizinische Fachliteratur stützen können, die den
Alkoholabusus und die Leberzirrhose glaubhaft belegt.
Erwähnt wird
eigens in einem Abschnitt Beethovens zweifelhaftes Verhalten gegenüber seinem Neffen
und seiner Schwägerin, die für ihn kein Ruhmesblatt des
Humanismus darstellen. Es ist nun einmal bekannt, wie
brutal, ja inhuman sich der angemaßte Pflegevater verhalten
hat.
Nicht jedes Werk
Beethovens wird von Lockwood angesprochen, jedoch die
meisten Werkgruppen, zu denen Beethoven Werke geschrieben
hat. In immer wieder mehr oder weniger ausführlichen Beiträgen
und in verschiedenen zeitlichen Zusammenhängen werden die
Streichquartette op.18, op. 52 und ab op.127 als Beginn
einer neuen Epoche für die Kunstform des Streichquartetts
und das innovative Schaffen Beethovens dargestellt. In
gleicher Weise gelingt es Lockwood, die herausragende
Bedeutung der Klaviersonaten aufzuzeigen, deren
traditionsfreier und genialischer Neuanfang schon bei den
Sonaten op.3, dann im Verlauf der klavieristischen Karriere
bis zu den Sonaten op.106, 109, 110 und 111 hörbar wird.
Die neun Sinfonien bekommen genügend Platz in Lockwoods
Buch; über zwanzig Seiten erhält allein die neunte
Sinfonie. Weitere Werkbeschreibungen sowie einige tonale und
strukturelle Analysen erhält der Leser zu
kammermusikalischen Werken, Militärmusik,
Klaviervariationen, Liedern sowie Oratorien und
Messen,
Die flüssig zu
lesende Darstellung Lockwoods über Beethovens Leben und Werk steht auf der Höhe unserer Zeit
und gewinnt ihren besonderen Wert durch die ausgewogene und
informative Betrachtung des Komponisten Ludwig van
Beethoven.
(44)
Bärenreiter-Verlag,
Kassel.
Bärenreiter Basiswissen.
- Grundwortschatz Musik, 55 Begriffe, die man kennen
sollte. Marie-Agnes Dittrich.
ISBN 978-3-7618-1841-8
- Musikalische Meilensteine Band 1. 111 Werke, die man
kennen sollte. Silke Leopold, Dorothea
Redepenning, Joachim Steinheuer. ISBN 978-3-7618-1942-3
- Musikalische Meilensteine Band 2. Leopold, Redepenning,
Steinheuer. ISBN 978-3-7618-1943-2
© 2008.
Hier
liegen drei außerordentlich nützliche Helfer auf dem
Gebiet der Ernsten Musik vor. Abiturienten, Studenten,
Fachjournalisten, Redakteure und jeder interessierte
Musikliebhaber finden in den drei Büchlein im A6-Format nützliche
Hilfe und eine wissenschaftlich unbestechliche Orientierung
bei ihrer Arbeit. Die Maßgabe, hier 111 musikalische
Werke vorgelegt zu bekommen, die ein Muß für den Laien und
Kenner bedeuten, sollte nicht dazu verführen, sie für die
absoluten Top-111 der Musikgeschichte zu halten. Jeder
Musikkenner wird ohne Mühe etliche Kompositionen und Sachwörter
anführen
können, die gleichfalls einen Platz unter die 111
wichtigsten Werke oder unverzichtbares Kennwort einnehmen sollten. Hier liegt keine
Rangliste oder ein Elite-Pool der ewig Besten vor. Die Zahl
111 ist eh ein adretter Hinweis auf das opus magnum unter
Beethovens Klaviersonaten. Oder, wie die Herausgeber
im Vorwort schreiben: dies sei ein Leitfaden, sich im
Labyrinth der Musikgeschichte zurechtzufinden. Außerdem
kann man nachprüfen, welche wichtigen Kompositionen dem
jeweiligen Leser im persönlichen Musikrepertoire noch fehlen.
Jedes Lemma
stellt also ein Hauptwerk oder einen maßgeblichen
Begriff zur Kennzeichnung einer Epoche, eines Hauptwerks
eines Komponisten oder die Standardbezeichnung eines
musikalischen Inhalts vor. Die Qualität der
Beiträge liegt durchwegs auf hohem Niveau; sie lassen sich
in ihrer streng wissenschaftlichen und flüssigen Sprache
ohne weiteres verstehen. Als ein guter Einfall stellen sich
die kurzen und prägnant formulierten Kommentare, Hinweise
oder Definitionen am Rande einer Seite dar. Zahlreiche
Querverweise sorgen für einen erweiterten Überblick über
ein Stichwort. Am Schluß eines jeden Kapitels der
Musikalischen Meilensteine wird eine repräsentative
Literaturstelle und eine bedeutsame Einspielung
vorgeschlagen. Oft erhält der Leser durch einen Hinweis auf
ein bestimmtes Musikstück eine konkrete Vorstellung zu
einem Stichwort des Grundwortschatzes. Sachliche Fehler
findet man kaum (die Darstellung der wohltemperierten
Stimmung sollte jedoch noch einmal überdacht werden. Der fehlende Bindebogen auf Seite 11 im Büchlein
Grundwortschatz im zweiten Takt des Tristan-Akkords wurde in
Meilensteine Band 2, Seite 193 beim Stichwort Tristan und
Isolde nicht wiederholt). Zahlreiche Literaturhinweise und
ein Werkverzeichnis ergänzen jeden Band.
Fazit:
mit den drei Bändchen Basiswissen hält man nicht nur ein
ausgezeichnetes Repetitorium in den Händen, das sachliche
Informationen zur Geschichte und Rezeption auf neuestem
Stand liefert, sondern auch als anregende Lektüre für die
Freizeit.
(43)
Audite -
Ouverture, Works for Trombone Quartet. Münchner Posaunen
Quartett
Transkriptionen
für Posaunen-Quartett von Michael Praetorius, Johann
Sebastian Bach, Joseph Bodin de Boismortier, Gioacchino
Rossini, Samuel Barber, Claude Debussy, Johannes Brahms und
Gaetano Donizetti. Münchner Posaunen Quartett: Thomas
Horch, Dany Bonvin, Ulrich Pförtsch, Volker Hensiek.
Arrangements: Thomas Horch. audite 97.533, 2007.
Trompeten-Ensembles
hört man oft, weil sie zumeist brillant schmettern und den
Gesamtklang unüberhörbar dominieren. Darüber sollte man
nicht die Posaunen vergessen, die ebenso glanzvoll und
virtuos musizieren können. Ein schönes Beispiel bildet
diese CD mit dem Münchner Posaunen Quartett, das über alle
Maßen schon eingangs die Tanzsuite von Michael Praetorius
präzise und technisch meisterhaft vorträgt. Doch es wird
eben nicht ständig im Forte-Bereich aufgetrumpft. Die im
traurigen Moll auftretende der Sonata à 4 geht in ihrem
abgedunkelten Affekt ebenso zu Herzen. Einmal nicht nur
bekannte Barockmusik, sondern durch und durch romantische Klänge
hören wir mit der Ouvertüre zu Rossinis Oper "Wilhelm
Tell". Ganz spannungsvolle Passagen treffen auf ein
rasantes Gewitter und einen anschließenden flotten Galopp.
Das alles wird technisch perfekt und hinreißend schwungvoll
ausgeführt. Im schlendernden Swing geht es in Debussys
"Golliwogg's Cakewalk" vorbei. Mit einem
flinken und witzigen Ausgang bei der Ouvertüre zu
Donizettis Oper "Don Pasquale" schließt diese
absolut empfehlenswerte Einspielung. Als Geschenk zu allen
Jahreszeiten und Anlässen bestens geeignet.
*
(42)
Melba Recordings
(Alle
Melba-Recordings sind in Deutschland bei Klassic Center
Kassel erhältlich)
a.)Encore,
my Good Sir. Lin Jian, Horn; Benjamin Martin, Piano
Music
for horn and piano by Robert Schumann, Peter Maxwell Davis,
Gunther Schuller, Esa-Pekka Salonen, Francis Poulenc, Marin
Marais, Paul Hindemith, Johann Sebastian Bach, Otto Ketting,
Thaddeus Huang.
©
2008. MR 301116
This
is another example for fine and apart music on a CD by
Melba. The program promisses delicate and rare pieces of
music for horn and piano. But also the outside and inside
that means the cover sides show in an "art
nouveau" style a golden horn, followed by tastefully
designed wordings in English, German and French about the
compositions and the performers. All pieces can be played as
an encore to end an concert. Nearly all stem from important
composers, but are nearly unknown, since they are set for
the rare combination of horn and piano. Each piece is worth
to be praised because of their originality and musical
substance.
That
starts with the Adagio and Allegro op. 70 by Schumann, and
continues with the Sea Eagle for horn and piano, composed by
Peter Maxwell Davies What a nice tale and description by the
famous conductor, and what a wonderful homage to the majesty
of these great sea birds. Don't forget the romantic Nocturne
by Gunther Schuller or the Horn Music by Esa-Pekka Salonen.
We know that Hindemith was a great composer of the 20th
century. His sonata for Alto Horn and Piano substantiate the
positive estimation. Really whitty and exhilarating is the
short piece "La Basque", a vitalizing dance which
the great horn legend Dennis Brain preferred to play as an
encore, also one week before his death. A precious discovery
is the Intrada (1958) by Otto Ketting. This is a great
contribution to the horn literature. The "Encore, My
Good Sir" (2006) by Thaddeus Huang gives a great
pleasure for an audience and gave the name for this unique
CD.
Lin
Jiang is a great horn player and musician. He is capable of
either a perfect legato playing as well as a narrative
articulation. The dynamic range of his performance goes from
a solid, voluminous fortissimo to a pianissimo nearly at the
edge of listening. Technically his piano partner is
adequately gifted. His contribution to a romantic atmosphere
and rhythmic accentuation is admirable.
To
sum up: a rare and exquisite program, played by two young
but nevertheless masterlike playing musicians. I recommend
warmly to enjoy these wonderfull tones.
*
b.)
Rhapsodie, Fantasie, Poème. Music for horn and orchestra by
Jean-Michel Damase, Charles Koechlin, Paul Dukas, Camille
Saint-Saëns, G.W.L. Marshall-Hall.
Ben
Jacks, Horn. Orchestra Victoria, The Queensland Orchestra,
Barry Tuckwell, Conductor.
©
2008. MR 301117
Likewise
to the preceeding CD ""Encore, My Dear Sir"
we listen here to first class horn music in an excellent
blowing technique. Ben Jacks gives as horn soloist and the
Queensland Orchestra under the legendary horn player Barry
Tuckwell in every piece the best. Nearly all composers own a
fine reputation, their works for horn and orchestra are
nearly forgotten or unfortunately neglected. It is the merit
of Melba bringing the Concerto or the Rhypsodie by
Jean-Michel Damase, the Poème by the great Charles Koechlin,
and the absolutely inspired Phantasy (1905) by G.W.L.
Marshall-Hall to public daylight. The last work is at the
first time to be enregistated on CD. Because of the
admirable performance of all musicians, equally to Lin
Jiang, this CD is as well highly to be recommended.
*
c.)
Tzigane. Music for violin, cello and piano by Maurice
Ravel.
Kristian
Winther, violin; Anthony Romaniuk, piano; Michelle Wood,
cello.
©
2008 MR 301115
"Tzigane"
is for every violin virtuoso an absolute touchstone for
craftsmanship and genuine temperament. Winther and
Romaniuk meet the high level of technical perfectness and
musical lambency without any dout. The wild final ends after
a convincing crescendo and furious accellerando. The sonata
for violin and piano gives Winther the opportunity to
demonstrate his exzellent manual facilities and taste for
colors. The pièce en forme de habañera is the moment for
the piano player and his chime-like keystroking. The sonata
for violon and violoncelle let us hear a dreamlike
conversion of the mutual timbre. The set "très
vif" is a masterpiece of vividness and strong impulses.
Here
play two young masters, convincing the listener through
technical skill and mature insight in this wonderful
music.
*
d.)
The Galant Bassoon. Sonata for Bassoon and Harpsichord, and
basso continuo. Bassoon-Sonata by Georg Philipp Telemann,
Johann Sebastian Bach and Carl Philipp Emanuel Bach. Matthew
Wilkie, Bassoon. Neal Peres Da Costa, Harpsichord, Kees
Boersma, Dobble Bass. Melba Recordings, MR 301124. © 2009
Six
sonatas of serene chamber music from older times. According
to the nicely designed booklet (in English, German, and
French) five of them are transcritions. Nonetheless, the
adaption to a wonderful softly and warm sounding bassoon are
quite natural and sacrificed by other transcrition habits of
each composer. Every sonata is a pearl by itself, but,
frankly, to be subjective, I like the sonata in d minor by
Carl Philipp Emanuel Bach most. A delightful allure of
tenderness guides to the loveableness of the rokoko. So,
common in the epoch of baroque time, these works are
individual examples of this time.
Listen
to it in an intimite moment, but why not in times of joy and
comfortness.
*
e.)
Gothic Toccata. Organ music by Richard Mills, Andrew
Schultz, Graeme Koehne, Ross Edwards, Colin Brumby, Sir
George Thalben-Ball, Alfred Hill, Phyllis Batchelor, Fritz
Hary, Percy Aldridge Grainger.
Cavin
Bowman at the Grand Organ of Melbourne Town Hall
©
2007. Melba Pantheon PD 70001
With
whatever you begin to praise this CD and the music therein
engraved - it doesn't matter. Let's start with the booklet.
As its compagnons of all other CDs of Melba Foundation, it
is perfectly designed in respect to layout and printing. It
is a pleasure to read the letters and the text. Just the
content is a masterpiece of clearness and qualitiy of
information. Two colour photos show the organ artist at the
organ console and once en face. Follows a short essay about
the history and final restoration of the Melbourne Town Hall
Grand Organ by the Schantz Organ Company of Orrville, Ohio,
USA in 1997. Very usefull are the short and authentic
explanations to each composition, in most cases as
contributions of the composer. A highlight is the accurate
enumeration of all 150 ranks in the Great Organ, Swell,
Choir, Solo Organ, Bombarde Sub-Division, Fanfare
Sub-Division, Orchestrial Organ, Echo Organ and Pedal, and
Pedal Organ. Together with the couplings and other
helping devices you can count to 246 stops. The
names of many ranks reveal their French, Italian or German
origin, like Harmonic Flute, Violette, Tercina, Lieblich
Gedackt, Posaune or Glockenspiel. One can realise a
complete symphony orchestra by this differentiated choice of
voices. Curricula vitae of Dr. Calvin Bowman and the
composers complete the booklet.
The
jubilant entrance with "Epithalamium" (1983) by
Rhichard Mills gives a good glimpse into the power and
freshness of the voices of this instrument. This is also
true for the introvert tenderness of the middle part and the
fanfare final. The "Études Espace I-III" (1986)
by Andrew Schultz combine modern abstract sounds with the
beauty of an harmonic choral like an even song. All these
four compositions are recorded here as a world première.
The "Gothic Toccata" (1983) by Graeme Koehne got
it's title by "the organist David Kinsela for the tenth
anniversary of the Sydney Opera House Organ. Both
the nature and title of the work are derived from John
Ruskin's definition of the 'characteristicor moral
elements of Gothic' in his book the Stones of Venice (1853).
the elements he describes are: Savageness; Love of Change;
Love of Nature; Disturbed Imagination; Obstinacy and
Generositiy." The result is a wonderfull
conglomerate of all these constituants, worth to give this
outstanding CD its name. A tribute to nature and voices of
Australia are "Dawn Canticle & Organmaninya"
(2004) by Ross Edwards, even if some mantralike and
pentatonic scales may belong to world music. It is typical
Austalian through its mystical bass foundation of a
didjeridu. The sympathetic touch of times long ago come from
the "Elegy" (1944) by Sir George Thomas
Thalben-Ball. The remaining pieces - "Valse
triste" (1914) by Alfred Hill, "When I was
one-and-twenty" by Phyllis Batchelor, the "Fantasia
in G minor" (1912) by Fritz Hart and the Children's
March - Over the hills and far away" (1919) by
Percy Aldridge Grainger - carry us to the first half of the
20th century and keep alive the heritage of the
anglo-american organ music.
Calvin
Bowman is an excellent organ player, gifted with outstanding
technical skills. He makes us familiar with the eminent
riches of the organ, without any exaggeration, but due
virtuosity. So we can enjoy the wonderfull voices of this
organ and the multifaceted treasure of English organ music
and from down under.
*
(41) Johann
Sebastian Bach, The Welltempered Clavichord - Das Wohltemperierte
Clavichord, Teil I und II. Teil I Clavicord von
Martin Kather (1999), nach einem Manuskript von David
Tannenberg, ca. 1761. Teil II, Clavicord von Martin Kather
(1997), nach deutschen Meistern im französischen Stil.
Jaroslav Tuma, Clavicord.
Aufgenommen
Teil I Januar 2000, Teil II August 2002. © 2008 2HP
Production s.r.o., Prag. F 10165. Vertrieb:
Klassik Center Klassik.
Das Clavichord hat
es nie, wie das Cembalo, auf die Podien von Konzertsälen
geschafft. Mit ihm wurde auch keine Renaissance Alter Musik
eingeleitet, da Wanda Landowska, die Urheberin der
historischen Aufführungspraxis, das Cembalo bevorzugte.
Dennoch ist das Clavichord nie ganz in Vergessenheit
geraten. Es hat sogar seinen Zugang zum Jazz gefunden, als
Oscar Peterson vor etwa vierzig Jahren an einem elektrisch
verstärkten Clavichord ein Medley aus George Gershwins
"Porgy and Bess" einspielte.
Unter den
zahlreichen Einspielungen des Wohltemperierten Klaviers ist
die von Jaroslav Tuma am Clavichord aufgezeichnete Version
etwas ganz Besonderes. Er wählte für den ersten Teil ein
eher norddeutsch timbriertes Clavichord und für den zweiten
Teil ein eher französisch klingendes. Das "französische"
Clavichord klingt ein wenig grundtöniger sowie weicher, und
eben "französischer", sehr geeignet für die
Clavierwerke von Rameau oder Couperin le Grand. Das Booklet
in tschechischer und englischer Sprache enthält ein ausführliches
Interview mit Tuma zu den Umständen, wie diese
Clavichord-Aufnahmen entstanden sind, dazu noch eine kurze
Biographie des Meisters. Ein Photo eines stattlichen
Clavichords ziert die Frontseite des Booklets und des
vorderen Covers. Die Rückseite zeigt einen nachdenklichen
Tuma.
Nur zur
meisterhaften und wunderschönen Interpretation der beiden
Bach-Zyklen durch Tuma. Wie wohltuend gemütvoll und
geduldig sind die Tempi, mit denen der tschechische Meister
sich jedem Präludium und jeder Fuge widmet. Er spielt die
Stücke für einen privaten Kreis, ohne Konzertsaal-Attitüde.
Dass die Töne der meisten Clavichorde wie aus einem
Pappkarton hervorkommen, macht er rasch vergessen. Je länger
man durch die Tonarten geführt wird, umso mehr begeistert
man sich an dem unerschöpflichen Reichtum des Spektrum der
Klangfarben. Aus jedem Stück entwickelt er dessen
Eigencharakter mithilfe überzeugendem Tempo, äußerst
empfindsamen Anschlagsnuancen und variabler Agogik. Man höre
sich beispielsweise die sensiblen Anschlagsnuancen der
cis-Moll-Fuge des ersten Teils an, oder den schöngestalteten
Klangfluß im Präludium D-Dur I. Angemessen temperamentvoll
und tänzerisch hören wir das Präludium es-Moll I, oder
sehr eilig und dennoch filigran, dazu außerordentlich
virtuos das Präludium E-Dur I, das niemals zu einer
neutralen Etüde verkommt.
Fazit: Man kann
mit Tumas farbenreichen und lebendigen Vortrag die grandiose
Formenwelt des Wohltemperierten Clavichords mit wachsender
Begeisterung genießen. Diese Aufnahme des Bachschen
Klavierkosmos' stellt viele Einspielungen, auch großer
Pianisten, durch die warmherzige und technisch exzellente
Gestaltung mühelos in den Schatten.
*
(40)
Charles-Marie Widor, Complete organ works, volume
1.
Symphonie IV
op. 13, no. 4. f-Moll. Symphonie VI op. 42, no. 2, g-Moll
Olivier Vernet,
Orgel. Orgue Aristide Cavaillé-Coll (1879), Cathédrale
Sainte-Croix d'Orléans. © 2008 Ligia Digital
Lidi 0104193-08. Vertrieb: Klassik Center Kassel.
Schon der äußere,
nicht musikalische Part dieser großartigen Einspielung kann
man nur als vorzüglich bezeichnen. Das umfangreiche Booklet
in französischer und englischer Sprache informiert ausführlich
und sachkundig über die musikalische Situation zuzeiten
Charles-Marie Widors. Danach folgen Kommentare zu den beiden
eingespielten Sinfonien und jeden einzelnen Satz. Ungewöhnlich
viel Platz wird den Editionen der Orgelwerke Widors eingeräumt,
nicht zuletzt derer von John R. Near, dessen Widor-Ausgabe
dieser Einspielung zugrunde liegt. Die Disposition der
Cavaillé-Coll-Orgel in der ehrwürdigen Kathedrale
Saint-Croix zu Orléans wird ebenso mitgeteilt wie ein
optischer Eindruck mit Photos von der Kathedrale, dem
Spieltisch und dem Künstler.
Es ist ein großer
Glücksfall, dass diese Aufnahme die überwältigende Räumlichkeit
der Kathedrale und die Klangfülle sowie die Klanggestalt
der Register zur Geltung bringt. Mit zunehmendem Alter nimmt
die Anzahl der spielfähigen und nicht umgebauten Cavaillé-Coll-Orgeln
rapide ab. Hier erlebt man noch den authentischen Klang der
C.-C.-Orgeln und die adäquaten Stimmencharaktere, welche
die Symphonien Widors optimal zu Gehör bringen. Eine
musikalische Ära, die nun auch schon über 120 Jahre zählt,
berührt und fasziniert nach wie vor durch ihren genialen
Erfindungsreichtum.
Der Einstieg in
diese herrliche und majestätische Kathedralmusik der
Symphonie Nr. 4 op. 13 Nr.4 f-Moll gelingt Vernet
bewundernswert. Sowohl die Toccata als auch die Fuge (Track
1 und 2) hört man in einer wohlausgewogenen Balance von
Diskant-, Mittelstimmen- und Bass-Partie. Das Andante
cantabile erhält mit den seraphischen Streicherregistern
einen silbrigen Glanz. Das Finale wiederum spielt Vernet äußerst
vital und mit großem Elan, dabei, trotz massivem
Stimmeneinsatz klar und flüssig.
Ebenso hinreißend
und überwältigend beginnt die Symphonie Nr. op. 42 Nr. 2
g-Moll. Mit meisterhafter Technik, sowohl
manualiter und pedaliter, dazu authentischer Registrierung
entfaltet er die großangelegte Dimension dieses Werks. Das
Cantabile, wohl eine der schönsten Eingebungen der
romantischen Orgelmusik, lädt unter der Stimmführung der
wunderschönen flûte harmonique zum Meditieren ein. Der
Finalsatz erklingt kräftig und temperamentvoll, jederzeit
geeignet als prachtvolle Sortie für ein hohes Kirchenfest.
Ganz besonders erwähnt
seien jedoch das Scherzo der Symphonie Nr. 4 und das
Intermezzo der Symphony Nr. 6. Wie quecksilbrig,
technisch rasant und nahezu schwerelos gelingt Vernet die
hoch inspirierte Wiedergabe der quirligen, teils flüsternden,
teils aufbrausenden Musik.
Maître Vernet:
congratulations pour cette interpretation tellement légère,
ingénieuse et ravissante!
Fazit: Diese
Einspielung der beiden Orgel-Symphonien von Charles-Marie
Widor ist in jeder Hinsicht empfehlenswert.
*
(39)
Carpe diem
De
profundis - Tre Bassi
Alain
Buet, Paul Willenbrock, Philippe Roche (Baß), Michel Godard
(Serpent), Hille Perl (Viola, Lirone) und Lee Santana (Chitarrone).
1. Godard, Improvisations on de produndis clamavi 2. Ebner,
De profundis clamavi 3. Godard/De Schepper, L'arraignée 4.
Santana, Island on an island 5. Santana, Mr Ed &.
6. Santana This time the last 7. Benevoli, Collocet
eum cum principibus 8. Gandi, Deus
misereatur nostri 9. Mazak, Factum est praelium
magnam 10. Cazzati, Factum est praelium magnam 11.
Godard, Magnificat 12. Cifra, Magi videntes stellam
13.Gletle, Ave Maria 14. Eisenhuet, Salve Regina. - Carpe
diem, CD-16274. © 2008. Vertrieb: Klassik Center
Kassel.
Diese
Einspielung erzählt in vierzehn Etappen die Leidens- und
Erlösungsgeschichte einer menschlichen Seele, vergleichbar
mit dem antiken per aspera ad astra. Die Texte jeder Etappe bestehen aus
Psalmversen, Hymnen, modernen Songs und biblischen Erzählungen. Daß dieses
Tableau nun kein frömmelnder Traktat, sondern eine herrlich
ausdrucksstarke und musikalisch überragende Abfolge von
wunderschön gesungenen und gespielten Werken besteht, liegt
an den meisterhaften Musikern, den aparten Instrumenten und
den großartigen Kompositionen. Sehr lebendig und lebensnah,
ohne jede mystifizierende Verschleierung, wird hier
musiziert. Die Musik vermag den Zuhörer zu
bezaubern, wenn beispielsweise der Serpent, ein Instrument aus
frühen Tagen der Instrumentalmusik, einen archaischen Klang
quasi aus alttestamentarischer Zeit erzeugt. Ebenso gebannt
hört man den ungewohnten Streicherklängen der Viola und
Lirone zu. Hierfür konnte die weltberühmte Expertin für
diese Instrumente Hille Perl
gewonnen werden. Der Chitarrone, eine langhalsige Erzlaute,
gibt der gezupften Begleitung zu den barocken Klageliedern
ein sonores, edles harmonisches und klangliches Fundament. Nicht nur in den frühbarocken
Stücken, sondern auch Werken aus unserer Zeit vernimmt man
ausgedehnte improvisatorische Passagen, die in ihrem
Jazzstil durchaus authentisch wirken. Die drei kraftvollen,
perfekt ausgebildeten und sich sehr gut mischenden Baßstimmen
sind bei dem Gassenhauer-Ton bei "Mr. Ed" ebenso
überzeugend wie in der an Weill erinnernden Ballade "This
time the last". Dem Wunder des Englischen Grußes,
Magnificat, entspricht ein "unerhörtes",
faszinierendes Konglomerat aus textfreiem Gesang sowie Streicher- und Zupfklang.
Eine frohe Botschaft auf herrlich swingenden Rhythmen, bis
schließlich alle irdischen und englischen
Stimmen ihre Freude und Erregung einbringen. Ein
harmonisch-schöner Juwel ist das Ave Maria von Johann
Melchior Gletle (1626-1629). Die CD schließt mit einem
beseelten, stimmungsvollen Lobgesang aller Stimmen an die
Himmelskönigin Maria.
(38)
Oehms Classics
a) Johann
Sebastian Bach, Goldberg-Variationen, BWV 988. Arrangiert für
Orgel von Hansjörg Albrecht. Hansjörg Albrecht, Orgel. Mühleisen-Orgel,
2000 in Bad Gandersheim. OC 625, © 2007.
b) Pictures
from Russia. Mussorgsky, Rachmaninow, Strawinsky. Three
Organ Transcriptions by Hansjörg Albrecht. Modest
Mussorgsky, Bilder einer Ausstellung. Organ transcription by
Hansjörg Albrecht. Sergej Rachmaninow, Die Toteninsel op.
29. Organ transcription by Axel Langmann. Igor Strawinsky,
Three Dances from the Ballet "Petruschka". Organ
Transcription by Hansjörg Albrect. Große Orgel von
St. Nikolai, Kiel. OC 632. © 2008.
a) Nach meiner
lobenden Besprechung der Einspielung mit Ausschnitten aus
dem "Ring des Nibelungen" von Richard Wagner in
der Orgelzeitschrift "organ" Heft 3/08, gibt es
einen weiteren erfreulichen Anlass, nämlich die Einspielung
der "Goldberg-Variationen" BWV 988 von Johann
Sebastian Bach und Werke von Mussorgsky, Rachmaninow und Strawinsky
in Transkriptionen vorzustellen. Oehms Classics ist zu beglückwünschen,
Hansjörg Albrecht als Interpreten für diese
Orgeleinspielungen gewonnen zu haben. Dieser Erzmusiker reüssiert
ja ebenfalls als Dirigent, Chorleiter und Cembalist, und
erreicht nun mit seiner grandiosen Wiedergabe der
Goldberg-Variationen einen derart hohen Qualitätsrang, der
ihn in die oberste Klasse der Interpreten-Skala mit Helmuth
Walcha, Jean Guillou oder Glenn Gould aufnimmt.
Ausschlaggebend ist dabei nicht nur die exzellente,
einwandfreie technische Ausführung, sondern wie stilsicher
er den Eigencharakter einer jeden Variation erfaßt. Er
verwendet dabei originelle Registerkombinationen und
verteilt diese effektvoll auf die einzelnen Klaviere und das
Pedal. Grandiose Kraft und prachtvoller Grand-Jeux-Glanz
steht wirkungsvoll neben zarten Prinzipalklängen und
silbrigen Aliquotgirlanden. Die Mühleisen-Orgel aus dem
Jahre 2000 ist mit ihren 50 Registern und drei Manualen
nebst Pedal ein hervorragendes Instrument für diese
Wiedergabe. Das von Albrecht verfaßte Booklet ist in
deutscher und englischer Sprache vorbildlich informativ und
ästhetisch schön gestaltet. Jede Variation stellt er kurz
in ihrem Charakter vor und begründet evident die dafür
gewählte Registrierung. Die Disposition dieser Orgel, die
in der Stiftskirche in Bad Gandersheim steht, liest sich
klar und übersichtlich.
Fazit: Wegen
der originellen und stilgerechten Gestaltung von Bachs
Goldberg-Variationen, sowie der auch ästhetisch vorbildlich
gestalteten Booklets verdienen Hansjörg Albrecht und Oehms
Classic höchstes Lob.
b)
Auch diese CD ist ein Musterbeispiel für stupende
Gestaltung von Orgelmusik, eindrucksvolle Räumlichkeit des Klangbildes
und perfekte Aufnahmetechnik. Die mehrmals umgestaltete
Kleuker-Orgel in St. Nikolai zu Kiel, deren baulicher und
intonatorischer Lebenslauf nebst aktueller Disposition im
hervorragenden Booklet aufgezeichnet ist, nutzt Hansjörg
Albrecht außerordentlich virtuos aus. Die 48 Register
werden in bisher ungehörte Klangkombinationen gebracht, und
man hat immer noch das Gefühl, daß Albrechts reiche
Klangphantasie noch längst nicht erschöpft ist. Auf
dieser CD werden triumphale und majestätische Klangbilder
entfaltet, deren Farbigkeit und Stimmungsdichte absolut überzeugend
sind. Die Promenaden-Abschnitte der "Bilder einer
Ausstellung" kommen nicht schüchtern daher, sondern
nehmen den Inhalt des soeben verklungenen Bildes auf, leiten
aber auch stimmig auf den folgenden Anblick über. Besonders
tief beeindruckend sind die "Catacombae" und das
monumentale "Große Tor von Kiew", ohne daß die
anderen Bilder dagegen verblassen. - Die "Toteninsel"
erhebt sich aus einem düsteren, unheimlichen
Streicherklang. Der dramatische Mittelteil packt den Zuhörer
ebenso wie die ins Nichts verdämmernden Schlußtakte. - Die
bunte Zirkuswelt des "Petruschka" erscheint hier völlig
legitim in einer anderen Farbgebung, als man es von der
Orchesterfassung gewohnt ist. Gerade das ist ein weiterer
Vorteil dieser Einspielung. Großartig die immer noch weiter
steigerungsfähige Ballung der Klangmassen und Durchhörigkeit
der vielstimmigen, dynamisch differenzierten Textur. Der anrührende,
silbrige Klang des Zimbelsterns im wuchtigen Finale ist eine
liebevolle Pointe; ebenso, daß sein ungedämpfter Ton in
die Stille der Schlußakkorde hineinreicht.
Fazit: Eine
unbedingt empfehlenswerte Einspielung dreier großer Werke
russischer Komponisten. Man hört Klangfarben der Orgel, die
man bisher noch nicht gehört hat. Die souveräne Gestaltung
von Hansjörg Albrecht ist wiederum bewundernswert. Hohes
Lob für einen nachhaltigen musikalischen Gewinn.
(37)
Musica rediviva
a)
From Castle and Cottage - Torbjörn Näsbom, Nyckelharpa (keyed
fiddle, Schlüsselharfe), Andreas Edlung (Cembalo).
MRCD 014 © 2007.
This
is one of the most enchanting and charming pieces of music
which has ever been recorded in the last decades. Both
fairly old
traditional instruments - a coupling of hurdy-gurdy with a
fiddel and a harpsichord - let us hear such a magic and ravishing music,
which, I must confess, remained a lot of days in my mind - to my
utmost pleasure. The acoustic delight starts with the
Kyrkmarch by Olof Jansson (1927-1993), which is a derivative
of the Allegro ma non troppo in Beethoven's violin
concerto. The glistening sound of the harpa and the
sparkling sound of the harpsichord is an overwhelming
ear-catcher. The Sonate in c major for both instruments by
C.Ph.E. Bach means truly original barock sound, even both
instruments are of 20th century origin. You need nice
wedding music? Listen to the Kyrkpolska on the harpsichord
with buff stop. Absolutely convincing is the transcription
of Bach's Cello solo suite in g major on the harpa. It is a
new interpretation, one octave higher, but fully agreable.
The hopping, dancing rhythm of the Courante and the
fluctuant Gigue are admirable. The warm and sonorous tone
bares the affect of comfort in two clavecin pieces by
Couperin le Grand and Marin Marais. A genuine finale furioso
are the 32 Couiplets de Folies by Marin Marais. It
unbelievable how hilarious both musicians give every
variation a new colour and measure of energy. You hear some
in a ludicrous tempo, you hear the howling of a nice cat, or
tender voices. Here are true masters of music at work!
Congratulations!
The
booklet in English, Swedish and Japanese is well equipped
with informative texts and nice photographs. Bravo musica
rediviva!
b)
Bach at Leufsta Bruk, Hans Fagius (Organ). 1. Pièce
d'orgue. - Sechs Choräle von verschiedener Art "Schübler-Choräle"
2. Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 645 . 3. Wo
soll ich fliehen hin BWV 646 4. Wer nur den lieben Gott läßt
walten BWV 647 5. Meine Seele erhebet den Herren BWV 648 6.
Ach bleib' bei uns, Herr Jesu Christ BWV 649 7. Kommst du
nun, Jesu, vom Himmel herunter BWV 650 8. & 9. Präludium
und Fuge C-Dur BWV 545 10. - 12. Triosonate e-Moll BWV 528
13. - 21. Partita diverse sopra "O Gott, du frommer
Gott" BWV 767 22. An Wasserflüssen Babylon BWV 653 23. &
24. Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542 Johan Niclas Cahman
Organ 1726-28. Temperature Neidhart 1724 "Für ein
Dorff". 28 stops, II/P. MRCD
016 © 2007
Another outstanding peformance
of Hans Fagius, famous for his excellent interpretations
specially by J.S. Bach. The first movement of Pièce d'orgue
comes fluently and lucid. The Grave is really majestic and
weightly. The Lentement, about which everybody is curious
how fast a organist will play it, is played as a normal
allegretto, which seems right, also here. Each of the
following pieces are executed with a light hand and
undiminished virtuosity. In the partita "O Gott, du
frommer Gott" Fagius finds an admirable variety of
voices. Nearly all stops are activiated. The sound of this
recording is transparent, but with some very prominent reeds.
Generally, this organ is an instrument of wonderful sound.
The booklet, again, in English, Swedish and Japanese is
explains the special construction of the organ. All stops
are listed, also the registration of every piece. This is
another master product of musica rediviva.
c)
Travels with My Lute, Ryosuke Sakamoto (Renaissance Lute).
25 Tracks. MRCD
013 © 2007
The
third of these highly recommendable trias is the most calm
one. And it is a nice collage of music especially for
lute. Ryosuke Sakamoto plays a modern instrument by Martin
Haycock from 2002. The very individual booklet in English
and Japanese shows the artist while playing the lute, on
another page with a viola da gamba, wandering in a green
landscape, and as charming baby in a craddle. Very
sympathetic. We are acquainted with a lot of famous
compositors and composers, like Antonio Cabezon, John
Dowland, J.H. Kapsberger, J.S. Bach, Silvius Leopold Weiss,
and Claude Debussy; or with the famous folk song
"Mille regrez" in the version by Luys de Narváez,
or La fille aux Cheveux de lin. Nearly all important
European countries for lute music are incorporated. Some
transpositions like two Swedish folk songs or Spain are
convincing. - Ryosuke plays with skilled technique, with a
clear, accurate tone (perhaps sometimes too accurate).
Nevertheless, this record meets the high level of musical
amusement and life, like its predesessors and can
recommended very warmly.
Distribution of
all three CDs: CDA/Compact Distribution AB, Box 4225,
SE-102 65 Stockholm , Sweden, Tel +46 8 442 11 20, Fax +46 8
442 11 33, e-mail: cda@cda.se
***
(36)
Saphir Productions - Gabriel Fauré, Nocturnes. Émile
Naoumoff, Klavier. LVC 1077. © 2007 Vertrieb:
Klassik Center Kassel
Der
Name Gabriel Fauré ist in Deutschland selbst dem wenig
erfahrenen Musikfreund geläufig. Seine Kompositionen sind,
bis auf wenige Ausnahmen, eher unbekannt. Ganz selten jedoch wird in deutschen
Konzertsälen eines seiner Klavierwerke gespielt oder in den
Medien erwähnt. Dabei gibt es so wertvolle Werke, darunter
vor allem die Nocturnes. Leider haben die ganz großen
Pianisten des 20. Jahrhunderts einen Bogen um das
Solo-Klavierwerk gemacht. Und die wenigen meisterhaften
Einspielungen - etwas die mit Germaine Thyssens-Valentin
oder Catherine Scott - werden kaum beachtet. Was heute an
Aufnahmen erhältlich ist, zeichnet sich durch wenig
inspirierte Ware aus. Zum Glück gibt es jetzt
wieder eine Neuaufnahme sämtlicher Nocturnes, die Émile
Naoumoff mit bester technischer Akkuratesse vorträgt.
Was jedoch noch viel wichtiger ist, dass er außerordentlich
empfindungs- und stimmungsreich die individuellen Stücke
spielt. Sein Anschlag erzeugt einen wunderschönen,
klangvollen Ton. Seine spannungsvolle Interpretation gibt
die Atmosphäre in den melomanen Salons oder den intimen
Charakter von Privatkonzerten ganz authentisch
wieder.
Bref:
Eine exzellente, wunderschöne Einspielung von Faurés
Nocturnes. Technisch auf dem besten Standard. Sie ist in
allen Belangen absolut empfehlenswert.
***
(35) audite -
Edition Géza Anda, Klavier. Vol. I (2 CDs) 23.407,
Vol. II (2 CDs) 23.408, Vol. III (2
CDs) 23.409, Vol. IV (2 CDs) 23.410
Die Dokumentation
mit Einspielungen des Pianisten Géza Anda war notwendig.
Sie hält die Erinnerung an einen der großartigsten
Pianisten des vergangenen Jahrzehnte lebendig. Der Schüler
von Edwin Fischer und Clara Haskil ging eigene Wege. Er
orientierte sich an ihrer überragenden Technik und formalen
Seriosität, schloss sich jedoch der Sachlichkeit des
Anschlags und der musikalischen Gestaltung an, die nach dem
Zweiten Weltkrieg beherrschend wurde. Man mied das
interpretatorische Pathos, das nicht zuletzt politisch
gefordert und mißbraucht wurde. Géza Anda fügte zum eher
rationalen zeitgenössischen Klangstil eine unverkennbare
Eleganz und einen die klavieristische Technik betonenden
Vortragsmodus hinzu. Unvergessen sind seine rasante Motorik,
die markante Rhythmik und unfehlbare Treffsicherheit seiner
Ausführungen. Diese charakteristischen Merkmale sind auch
in den folgenden acht CDs festgehalten.
Vol. I
Wolfgang Amadeus Mozart, a.) Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll KV
466. Kölner Rundfunk-Sinfonie- Orchester, Leitung: Géza
Anda. Rec. 28.11.1969 b.) Klavierkonzert Nr. 22
Es-Dur KV 482. Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung:
Constantin Silvestri. Rec. 04.04.1960 c.) Klavierkonzert Nr.
23 A-Dur KV 488. Camerata Academica Salzburg, Leitung: Géza
Anda. Rec. 28.01.1962 d.) Symphonie Nr. 28 C-Dur KV 200.
Camerata Academica Salzburg, Leitung: Géza Anda. Rec. 28.01.1962 e.)
Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur KV 467. Kölner
Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung: Joseph Keilberth. Rec.
16.01.1956.
Der erste Satz des
d-Moll-Konzerts wird von einem weichen Orchesterklang
eingeleitet, der den tragisch-dramatischen Grundcharakter
betont. Das dynamisch kontrastreiche Spiel Andas klingt in
den Piano-Passagen mild und nachdenklich. Dominierend ist
jedoch der direkte, diskrete und farbneutrale Anschlag, der
jeden Ton des Klavierparts hörbar werden lässt. Es
herrscht eine apollinische Ausgeglichenheit zwischen der
formalen Gestaltung und dem drängenden, motorischen
Impetus. Die vor allem in den romanischen Ländern gepflegte
Klarheit der Tongebung und Konturenreinheit wurde wohl
selten so perfekt erreicht wie von Anda (allenfalls
vergleichbar ist hierbei Dinu Lipatti). Der zweite Satz wird
ganz natürlich phrasiert. Das Pedal wird nur ganz behutsam
eingesetzt. Die starke emotionale Erregung im Mittelteil
steigert sich zu einem eindruckvollen Forte. Im Schlußsatz
brilliert Anda mit sicherer Technik auch im raschen Tempo,
sein Anschlag klingt hell und lebendig.
Das
Es-Dur-Klavierkonzert wird ebenso klar und lebendig
gespielt. In den von ihm geschriebenen Kadenzen im ersten
und dritten Satz geht Anda originell und einfallsreich mit
Mozarts musikalischen Material um. Der Mittelsatz, ein tief-
tragisches Tombeau vermag den Zuhörer stark zu bewegen. Die
auskomponierten Schluchzer, die aufwärtsspringenden Oktaven
und Dezimen, gelingen ganz unsentimental, wie auch der wunderbar zarte und leuchtende Melos in der
Dur-Wendung der Schlusstakte. Der klare, wenn auch neutrale
Anschlag bestimmt ebenfalls die Wiedergabe des dritten
Satzes. Schön und anrührend innig erklingt die
Freimaurer-Musik im Mittelteil.
Zwischen diesen
beiden Aufnahmen liegt immerhin ein Zeitraum von neun
Jahren, in denen sich klangästhetisch kaum Veränderungen
nachweisen lassen. Als habe sich Anda dort den
Klangvorstellungen des Orchesters angepaßt, hören wir in
seiner Einspielung des A-Dur-Konzerts KV 488 mit der
Camerata Academica Salzburg ein radikal anderes Klangbild.
Die Streicher heben sich mit einer kantigen Schärfe und
dominierenden Lautstärke hervor, zu der die Holzbläser mit
ihrem runden, voluminösen Ton einen erheblichen Kontrast
bilden. Die Tongebung des Klaviers wirkt ebenfalls auf Schärfe
und Hochglanz ausgerichtet. Die Einzeltöne vor allem der
rechten Hand werden sehr distinkt ausgeführt, also fast im
staccato, jedoch auf Kosten einer melodiösen Linie.
Manchmal fixiert sich Anda zu sehr auf jeden einzelnen
Anschlag, der dann nur noch farbarm und isoliert erklingt
und kaum eine melodiöse Linie bildet.
Leider ergeht es
der Wiedergabe der C-Dur-Sinfonie KV 200 in gleicher Weise.
Die Schärfen der Streicher ergeben keinen musikalischen
Sinn. Die Triller und Mordente im Schlußsatz gehen im
raschen Tempo unter.
Nach dieser doch
eher befremdlichen Schärfe und Kühle ist die
Interpretation des C-Dur-Klavierkonzerts KV 467 aus dem Jahr
1956 eine uneingeschränkte Wohltat. Hier wird mit flüssig
und schönklingend musiziert, ohne aufdringliche Schärfe.
Vol. II Ludwig
van Beethoven, a.) Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15. Kölner
Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung Géza Anda. Rec.
28.11.1969 b.) Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10. Rec.
22.07.1955 c.) Klaviersonate Nr. 28 A-Dur op. 101. Rec.
1611.1957 d.) Johannes Brahms, Klaviersonate Nr. 3 f-Moll
op. 5. Rec. 16.11.1957 e.) Franz Liszt, Klaviersonate h-Moll
S 187. Rec. 22.07.1955.
Bei diesen Einspielungen
imponiert ein weiteres Mal die absolute technische Kompetenz
Andas. Jeder Anschlag ist eindeutig und hell. Im
Beethoven-Konzert führt er seinen Part einerseits mit einem
secco-Anschlag aus, bei dem nichts verschwimmt, andererseits
jedoch weitgespannte Melodiebögen in einem wohlbalancierten
Legato. Im langsamen Mittelsatz wird diese Spannung noch
enorm verdichtet. Eine helle Aura der Empfindsamkeit
durchzieht den gesamten Satz. Der dritte Satz erscheint in
einem leichtfüßigen Allegro. - Die Klaviersonaten sind im
technischen Sinne über jeden Zweifel erhaben, lassen jedoch
einen warmen Ausdruck und oder emotionale Empfindung größtenteils
vermissen. Die Tongebung erscheint farblich neutral und
wenig wandelbar. Der Ton ist metallisch, der Anschlag
teilweise merkwürdig zackig, so dass keine verbindende, flüssige
Melodielinie entsteht. - Auch die Brahms-Klaviersonate wird
in einer nahezu neutralen, total entfetteten, energischen
Interpretationsweise vorgetragen. Erst im dritten Satz
kreiert Anda eine gefühlsselige Atmosphäre. Erst im fünften
Satz mit dem fugierten Choral setzt er seine manuellen Stärken
für eine imponierende Fülle ein. Die Steigerung in die
Schluß-Stretta gelingt ihm mitreißend und überzeugend
schwungvoll. - In den Intermezzi von Johannes Brahms mißt
er den Einzeltönen zuweilen eine zu große Bedeutung bei,
so dass der musikalische Zusammenhang teilweise verloren
geht. - Leider enttäuscht die Wiedergabe der Klaviersonate
von Franz Liszt weitgehend wegen dieser Spielweise.
Vol. III Robert
Schumann, a.) Kreisleriana op. 16. Rec. 06.04.1954 b.)
Symphonische Etüden op. 13. Rec. 22.07.1955 c.) Carnaval
op. 9. Rec. 05.04.1960 d.) Romance Fis-Dur op. 28,2. Rec.
06.04.1960. Frédéric Chopin, e.) 24 Préludes op.
28. Rec. 17.11.1957 f.) 12 Études op. 25. Rec. 22.07.1955.
Wie großartig, ja
einmalig dagegen sind die Interpretationen von einigen
wichtigen Werken Robert Schumanns! Man spürt, daß in Géza
Anda die musikalischen Seelenbrüder Eusebius und Florestan
leben. Bis heute wird man kaum gleichwertig authentische
Einspielungen finden können. Dieser jugendliche, lebensprühende
Elan, diese rasche Wandelbarkeit zwischen introvertierter
Besinnlichkeit und aufbrausende Phantasie werden mit einer
hinreißenden Verve gespielt. Schon der motorisch aufgewühlte
Beginn der Kreisleriana weckt uneingeschränkte
Begeisterung. Ein wahres emotionales Wechselbad sind die
innigen, wunderbar zarten Sätze gegenüber den grandiosen
Aufschwüngen der extravertierten Teile. - Diese großartigen
Vorzüge in Géza Andas Gestaltung treffen ebenso für die
Symphonischen Etüden zu. Sie sind, verglichen mit
zahlreichen Wiedergaben anderer Pianisten, wohl die
gelungenste Einspielung dieses Werks. Diese
hochdifferenzierte Gefühlswelt und technisch überragende
Ausführung, dazu eine unwiderstehliche Binnenspannung und
formale Geschlossenheit erheben diese Einspielung zu einem
absoluten interpretatorischen Vorbild. Die Verbindung von
einzigartiger klassischer Klarheit und feurigstem, nie
ausuferndem Temperament ist Anda in einzigartiger Weise geglückt.
- Die geniale Ausdruckskunst und Personenbeschreibung in
Schumanns Carnaval bringt Anda ebenso meisterhaft zur
Geltung. - Die 24 Préludes und 12 Etüden op. 25 von Chopin
leiden bedauerlicherweise wieder unter der teilweise
martellatischen Härte und dem allzu trocken angerissenen,
farblosen Anschlag wie in einigen zuvor beschriebenen
Aufnahmen. Warum, so fragt man sich, konnten nicht Mozart,
Liszt oder Chopin so singend, so sonor, so wunderschön
klingend gespielt werden wie in der Romanze op.28,2. Das ist
wunderschönster Schumann und großartigster Anda.
Vol. IV Béla
Bartók, a.) Klavierkonzert Nr. 1 BB 91. Kölner
Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung Michael Gielen. Rec.
29.04.1957 b.) Klavierkonzert Nr. 2 BB 101. Kölner
Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Leitung: Ferenc Fricsay. Rec.
27.06.1952 c.) Kontraste für Klarinette, Violine und
Klavier BB 116. Paul Blöcher, Klarinette. Tibor
Varga, Violine. Rec. 08.01.01953 d.) Suite für Klavier op.
14 BB 70. Rec. 22.06.1955 e.) Sonate für zwei Klaviere und
Schlagzeug BB 115. Géza Anda, Georg Solti, Klavier. Karl
Peinkofer, Ludwig Porth, Schlagzeug. Rec. 09.01.1953.
Bei den
Einspielungen von Bela Bartók ist der in Budapest geborene
Anda ganz in seinem Element. Hier ist auch der trockene,
emotionsneutrale und helle Tonfall angebracht, sei es bei
den Solo-Werken oder in der Einheit mit einem Orchester oder
den gleichfalls exzellenten Musikerkollegen. Nichts
verschwimmt im Ungefähr. Spannung und Intensität sind
wichtiger als Gefühlsfülle oder Romantik. Unnachahmlich
die präzise Rhythmik, der perkussive Anschlag. Andererseits
kann man den singenden und schöngestalteten Anschlag
im ersten Satz der Suite für Klavier bewundern. Die
CD schließt mit einer herrlich motorischen und in
spielfreudiger Ausführung der Sonate für zwei Klaviere und
Schlagzeug, mit dem legendären Georg Solti und zwei großartigen
Musikern am Schlagwerk.
Conclusion.-
This is a collection of essential recordings of one of
the most outstanding pianists in the fifty and sixty decades
of the last century. Géta Anda, born in Hungary, is a
representative of the modern style of interpretation after
the Second Worldwar. Free of any pathos, neutral in tone and
colour, superb technique, motion more than soft emotion,
exposed energy more than introvert retreat - these are the
most telling characteristics of his play. Beside some to
hard edged and metallic sounding examples of his recordings
with the Camerata Academica Salzburg, or the sonata of
Beethoven, Liszt, and Brahms, there are actually divine
recordings of Schumann and Bartók. The juvenile impetus in
Kreisleriana, Carnaval, and even more in the Symphonic
Etudes is a ravishing, breathtaking, and marvellous musical
experience. Hear it! Be fascinated!
***
(34) Doron
music
Franz Liszt,
Drei symphonische Gedichte für Orgel und Klavier. Mazeppa,
Orpheus, Tasso: Lamento et Trionfo. Jean-Francois
Vaucher (Orgel), Christian Favre (Klavier). Doron music DRC
3015 © 2006. Vertrieb: Klassic Center Kassel.
Man möchte, wenn
man diese Einspielungen hört, leicht abgewandelt, mit Mime
(Siegfried, 1. Akt) singen: "Nun ward ich so alt,
wie Höhl' und Wald, und hab' nicht so was gehört!"
Es sind in der Tat ganz unerhörte Klänge, die Jean-François
Vaucher und Christian Favre aus dem Zusammenklang von Orgel
und Klavier hervorzaubern. Dieses herrliche Mirakel wurde
bereits 1987 produziert, im Jahre 2006 jedoch von DORON
music, Schweiz, veröffentlicht. Beiden Künstlern standen
am Aufnahmeort in der Église St.François, Lausanne, eine
Orgel aus dem Jahre 1777 zur Verfügung, die in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts im symphonischen Stil von der
Firma Walcker umgebaut wurde. Leider fehlen jegliche Angaben
über die Größe und die Register des Instruments. Der Flügel
stammt von der italienischen Klavierbauerfirma Fazioli. Fest
steht, dass das Klavier über einen klaren, glanzvollen
(wenn auch nicht stets intonationsreinen) Ton verfügt und
die Orgel außerordentlich charakteristische und farbige
Stimmen besitzt. Beides ergibt eine wundersame Mischung,
ohne technischen oder synthetischen Schnickschnack. Gerade
deshalb bezaubern zumindest "Mazeppa" und "Orpheus"
von Franz Liszt in dieser originellen Besetzung besonders
stark.
Im "Un poco
meno presto" von "Mazeppa"
fasziniert ein wunderschönes Zimbelglitzern der Orgel und
der Diskant des Klaviers. Ein lieblicheres jeu perlé kann
man auch auf einem Klavier kaum realisieren. Solche
Farbeffekte hat wohl noch kaum ein Orgelfreund je gehört.
Einfach hinreißend. Im "Andante mesto" kann man
sich am reichlich verwendeten "Tristan"-Interval
satthören. "Orpheus" lebt eher von einer
generell harmonisch-ästhetischen Stimmung, die von der
Orgel mit orchestraler Dynamik und vom Klavier
solistisch-zart erzeugt wird. Im "Lento" bewundert
man respektvoll die hervorragende Technik beider
Musiker, zugleich auch ihre Ausdrucksstärke in der
intimen Stimmung, wie wir sie aus der "Dante-Sonate"
mit der Liebeszene der Francesca di Rimini her kennen. Mit
einem geschmackvollen Tremolo und weichen Streichern in der
Orgel deutet sich die Verklärung des Orpheus an, bis sich
schließlich der Sieg über den Tod mit ziemlich pompösen
Schmetterklängen Platz schafft. Cosima Wagner nannte das in
ihren Tagebüchern den unvermeidlichen Apotheosen-Fimmel.
Dennoch, eine großartige Umsetzung des antiken Mythos.
Die Partitur des "Tasso"
fällt, gemessen an den beiden vorangegangenen Werken,
qualitativ reichlich ab. Die übermäßig ausgedehnten
Monologe und einstimmigen Gedankengirlanden verlangen nach
einer großen Geduld, die Apotheose meldet sich schon im
"Meno Adagio", wirkt aber wegen der reichlichen
Oktavkaskaden oberflächlich, ohne daß die beiden Künstler
den Stimmungsgehalt vertiefen können. Nach einem überraschenden
Vogelzwitschern und einer grazilen Tanzszene steuert das
Werk dem wuchtigen Finale entgegen, nicht unähnlich dem
Einmarsch der Götter in Walhall aus Richard Wagners "Rheingold".
Organist und Pianist spielen zwar großartig, können aber
den musikalischen Leerlauf nicht aufhalten.
Fazit: Allein
schon wegen der Transkription für die Besetzung für Orgel
und Klavier und wegen der einzigartigen Interpretation von
Vaucher und Favre lohnt sich der Erwerb dieser CD. Wer Raritäten
sammelt und genießen will, wird sich lange an dieser
Einspielung erfreuen. Kompliment an Künstler und
Aufnahmetechnik!
***
(33) Naxos -
Maurice Duruflé, Organ Music (complete)
1. Fugue sur le
thème du Carillon des Heures de la Cathédrale de Soissons
op. 12, 2 -4. Prélude, Adagio et Chorale varié sur
le thème du "Veni creator" op. 4, 5. Prélude
sur l'Introit de l'Épiphanie op. 13, 6. Scherzo op. 2, 7-8.
Prélude et Fugue sur le nom d'Alain op. 7, 9. Méditation
op. posth., 10. Hommage à Jean Gallon, 11-13. Suite op. 5,
Prélude, Sicilienne, Toccata. Henry Fairs, Orgel.
Grandes-Orgues Cavaillé-Coll in Notre-Dame d'Auteuil,
Paris. Naxos 8.557924 © 2007
Sobald man den
Namen des Maurice Duruflé (1902-1986) liest, befällt
einen stets ein großes Bedauern. Wie wenig hat der große
Orgel-Komponist den Orgelfreunden an Opera hinterlassen, und
wie viele geniale Werke hat er, von Skrupeln behaftet, zerstört,
um nur ein schmales Oeuvre gelten zu lassen. Man kann sicher
sein, daß viele weitere wertvolle Orgelstücke von ihm
verbrannt worden sind. Freuen wir uns also an dem, was wir
von ihm haben.
Diese Einspielung
fängt den charakteristischen Klang einer Cavaillé-Coll-Orgel
ein und gibt ihn unverzerrt wieder, ohne daß auf Brillanz
oder spezielle Effekte nachgearbeitet wurde. Gerade der
eingedunkelte, außerordentlich warme Klang, der sich in
einer natürlichen Akustik entwickelt, ist dem
Klangcharakter Duruflés angemessen. Nicht die
messerscharfe, diskantlastige Tonlage, sondern das
ausgewogene, in den Pedaltiefen wunderbar brodelnde
Klangbild paßt hier besonders sowohl für die kleineren Stücke
wie etwa die Fugue sur le thème du Carillon op.12
oder die Méditation, aber auch für die großen Kathedralen
füllenden Werke, wie etwa Prélude, Adagio
et Choral op.4. In dieser Aufnahme werden die
hochvirtuosen Stücke in ihrer Faktur durch diese Akustik nicht beeinträchtigt.
Vielmehr erfahren wir, wie beispielsweise bei der Toccata
op.5 die Virtuosität organisch in die Klangvorstellungen
der Epoche der französischen Kathedralmusik eingewoben ist.
Sowohl die meditativen Werke, wie etwa das Prélude sur
l'Introit de l'Èpiphanie op.13 oder die Hommage à Jean
Gallon, präsentiert Henry Fairs ebenso authentisch wie etwa die großartige Suite op. 5.
Das Booklet enthält
knappe Texte zum Komponisten und zu den einzelnen
Werken. Neben der Disposition der Orgel aus dem Jahre
1884-1885 ist ein Schwarz-Weiß-Photo mit einem Ausschnitt
des Brustwerks zu sehen. Die Vita des Organisten ist allzu
kurz ausgefallen.
Fazit: eine
wunderschöne, emotional sehr ansprechende Einspielung des
Gesamtwerks des großen Maurice Duruflé.
***
(32) the
spot recores - Susanna Yoko Henkel, Violine
- pure bach.
Johann Sebastian Bach. sonatas and partitas for violin
solo. bwv 1001 - 1006.
the spot
records 28869-4, 2 CD set. Vertrieb: Codaex, VÖ 22.9.2006
- susanna yoko
henkel - Ravel
featuring
monika leskovar (violoncello), milana chernyavska, piano
the spot
records 28869-5. Vertrieb: Codaex, VÖ 22.09.2006
Ravel, Tzigane.
Sonata for violin and piano. Piano trio. Sonata for violin
and violoncello.
Diese Einspielung
der Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann
Sebastian Bach fällt zunächst einmal deswegen auf, dass
sie nicht mit einem Etikett, etwa ganz political correct,
"historisch orientierte Aufführungspraxis" oder
ähnlich ideologiebefrachteten Formeln daherkommt. Die Geigerin Susanna Yoko Henkel, hat
es nicht nötig, sich hinter einem mittlerweile
inhaltsleeren Begriff zu verstecken, sondern tritt mit ihrer
eigenen Interpretation auf, und die ist ganz Johann
Sebastian Bach und seiner Musik verpflichtet. Die Geige
dieser Aufnahme wurde im Jahre 1705 von Giovanni Battista
Rogerius, Brescia, gebaut und wird ohne jede ideologische
Verklemmung mit Vibrato und mutiger Tonfülle gespielt.
Henkel präsentiert uns einen Bach der Gegenwart. Es ist
immer noch nicht einzusehen, warum die Musik des Barock
historisch aufgeführt werden soll. Bach und alle seine Vorgänger
haben auch die damals "alte" Musik selbstverständlich
in ihre Gegenwart geholt und entsprechend umgeformt. So hören
wir also eine selbstsichere Geigerin, die mit rundem,
klaren und ausdrucksstarken Ton die vorgegebenen Noten mit
Leben erfüllt. Unter diesen Vorraussetzungen kann sich
der Gehalt, dabei auch die Schönheit der Bachschen Werke
entfalten. Jeder Satz der drei Partiten und Sonaten ist ein
profunder Genuß. Man bewundert zugleich die manuelle
technische Makellosigkeit, aber auch die räumliche Akustik,
in der sich der symphonische Reichtum der Musik so
vorteilhaft entfalten kann.
Die grandiose Fülle
und sebstbewußte Geste der Geigerin kommen auch den
Ravel-Interpretationen zugute. Mit Milana Chernyavska am
Klavier hat Henkel bei Tzigane und bei der Violinsonate eine
großartige Partnerin, die nicht lediglich begleitet,
sondern bei der Ausformung der Ravelschen Klangsprache ebenbürtig
mithilft. Herrlich temperamentvoll steigern sich beide Künstlerinnen
sowohl in diesen beiden Werken als auch mit der Cellistin
Monika Leskova zu einer mustergültigen Wiedergabe des
Klaviertrios. Die Sonate für Violine und Violoncello sowie
die Berceuse bestätigen die überaus hervorragende,
Standards der musikalischen Interpretation setzende
Einspielung.
***
(30a)
Wagner, Richard: "Das Rheingold".
Wotan
– John Bröcheler. Donner
– Timothy DuFore. Froh - Andrew Brunsdon. Loge – Christopher Doig. Fricka
– Elizabeth Campbell. Freia
– Kate Ladner.
Erda – Liane Keegan.
Alberich – John Wegner. Mime
– Richard Greager. Fasolt – Andrew Collis. Fafner – David Hibbard.
Woglinde - Natalie
Jones. Wellgunde
– Donna-Maree Dunlop.
Flosshilde
– Zan McKendree-Wright. Adelaide
Symphony Orchestra. Dirigent:
Asher Fisch. MR 301089-90.
ã
2006. Vertrieb: Klassik Center Kassel
Nachdem
schon die Einspielung der „Walküre“ aus dem Adelaide
Festival Theatre der State Opera of South Australia einen so
hinreißenden und nachhaltigen Eindruck hinterließ, kann
die Interpretation des „Rheingolds“ ebenso glücklich
machen. Das fängt mit der bewundernswert klaren sowie
makellosen Aufnahmetechnik und Räumlichkeit der Einspielung
an. Man sitzt wie im Publikum und kann das dreidimensionale
Geschehen auf der Bühne und dem Orchester mühelos
mitverfolgen, ohne dass einzelne Stimmen bevorzugt oder in
den Hintergrund gedrängt werden. Aus dem, ein weiteres Mal,
sehr edel gestalteten Booklet und einigen darin
wiedergegebenen Photos kann man feststellen, dass in der
State Opera of South Australia durchaus ein Bühnenbild aus
unserer Gegenwart zu sehen ist. Also, ein großes Lob für
die Aufnahmetechnik.
Dem
Regisseur und dem Dirigenten ist es ein weiteres Mal
gelungen, ohne Ideologie und Eifer eine völlig natürliche,
außerordentlich schön klingende Darstellung der Partitur
zu verwirklichen. Dies ergibt eine herrliche Lebendigkeit
und Lebensnähe des Gesamtklangs, die bereits mit dem
runden, sonoren Es in der Tiefe der Kontrabässe im Vorspiel
der Oper beginnt. Die hohen Streicher im submarinen
Lichtgeflimmer um das Rheingold suggerieren eine himmlische
Helle. Auch hier wird nicht analytisch sezierend mit dem
Herausstellen von Einzelstimmen musiziert, sondern
synthetisch, wobei ein geschlossener, harmonischer Klangraum
vom tiefsten Bass bis zu den höchsten Höhen vor unseren
Ohren entsteht. Ohne Einbrüche in der Spannung und
Konzentration hören wir dieses in Europa kaum noch zu hörende
Klangbild bis zum erlösenden „Zur Burg führt die Brücke“
und dem von Wagner bewusst bombastisch gestalteten Finale.
Jede
Rolle ist hervorragend besetzt. Bröchelers Wotan strahlt
Majestät und Würde aus, die Göttinnen Fricka und Freia
werden mit dramatischer Gestaltung als emotionale Wesen
dargestellt. Die Urmutter Erda ist eine kraftvolle Mahnerin.
Froh und Loge agieren als quicklebendige Naturwesen. Sowohl
Alberich, erschütternd in der Fluch-Szene, und Mime glänzen
durch stabile, deutlich artikulierende Stimmen wie die
jugendlich-leichtfertigen, aber auch bedauernswerten Rheintöchter.
Eine besondere Überraschung bieten Fasolt und Fafner für
europäische Ohren. Oft sind diese Rollen bei uns mit
finnischen Bassstimmen besetzt,
so dass sich ihr „schwarzes“ Timbre tief in Gedächtnis
eingeprägt hat. Diese nun in australischer bzw. englischer
Klangfarbe zu hören, ist, ohne im mindestens den finnischen
Gesang zu bemäkeln, für das Gehör erfrischend. Asher
Fisch erweist sich ein weiteres Mal als großartiger
Dirigent, der die Musik natürlich und farbenreich zu
grandioser Fülle führt.
Facit:
This is again an outstanding recording of Wagner’s
„Rheingold“. All singers are doing their work at its
best. The orchestra marks the highest standard of technical
performance and beauty of sound. What a wonderful musical
experience!
(30b)
Wagner, Richard: "Die Walküre". The State Opera
of South Australia. Stuart Skelton (Siegmund), Deborah
Riedel (Sieglinde), Richard Green (Hunding), John Bröcheler
(Wotan), Lisa Gasteen (Brünnhilde), Elizabeth
Campbell (Fricka). Adelaide Symphony Orchestra, Asher Fisch.
Presented by Dr Douglas D Mitchell. Melba Recordings. MR
301091-94. © 2006. Vertrieb: Klassik Center
Kassel
Was für eine großartige und
wunderbare Aufnahme! Sie hat eine stattliche Anzahl an Vorzügen.
Das beginnt bereits mit der auffallend klaren, unverzerrten
Aufnahmetechnik,
die ein ganz natürliches, voluminöses Raumerlebenis
ermöglicht. Das gibt dem Live-Mitschnitt einer „Walküren“-Inszenierung
aus State Opera of South Australia eine authentische,
lebensnahe Note.
Für
europäische Ohren überrascht die Inszenierung des Musik in
vielerlei Hinsicht. Es wird ohne jeden ideologischen Krampf
musiziert und gesungen. Keine Passage der Partitur ist
analytisch zergliedert oder didaktisch hochstilisiert nach
Art: „Achtung, jetzt kommt ein Paukenschlag.“ Wagners
Oper wird einfach um ihrer Schönheit und Dramatik willen
aufgeführt. Dabei leisten das Orchester und die Sänger
Hervorragendes. Das Orchester genügt höchsten Ansprüchen.
Die andersartigen, ästhetisch vorzüglichen Klangfarben der
Blechbläser und vor allem Holzbläser weckt die Neugier des
Zuhörers. Das Blech trumpft imponierend auf, erzeugt aber
nicht nur ein jeweils stärkeres Volumen, sondern sorgt auch
für eine Bereicherung der Farbpalette. Alle Sänger sind
wahrhafte Wagner-Stimmen, mit Kraft und Stabilität der
Tongebung, großem Atem und darstellerischer Ausdruckskraft.
Die „Wälse, Wälse!“-Rufe im ersten Akt werden von
Siegmund nicht gepreßt und hochgestemmt, sondern mit
bewundernswerter Strahlkraft ausgehalten, ohne daß er
heimlich auf die Stoppuhr guckt, um zu sehen, wie lange er
noch zum Weltrekord im Stentorsingen braucht. Verwirrend ist
lediglich die zuweilen flackernde Stimmführung von John Bröcheler,
der den Wotan ein wenig mit Amfortas verwechselt.
Der
Dirigent Asher Fisch erlaubt sich einige Besonderheiten, die
man jedoch ohne Mühe akzeptieren kann. Das Vorspiel zum
ersten Akt ist ein wenig geruhsam geraten, sodaß der
verfolgte Siegmund nicht außer Atem kommt, sondern ohne große
Hetze an Hundings Herd gelangt. Nichts in der Interpretation
des Dirigenten ist schwerfällig, aber dennoch gewichtig und
geschmeidig. Statt rasender Winterstürme leuchtet schon längst
mit glutvoller Wärme der Lenz. Das Finale der „Walküre“
rührt wohl jeden Zuhörer wegen seiner tragischen Dichte
zutiefst an. Von einer geradezu federnden Eleganz gerät der
Walkürenritt. Hier plumpsen die Walküren nicht in jedem
Takt schwerfällig in den Sattel, sondern sausen
raumgreifend voran.
Fazit:
Die gesamte Aufführung erfüllt die Ideale der Schönheit
und Natürlichkeit einer musikalischen Wiedergabe von
Wagners „Walküre“. Aber auch das Booklet – mit Texten
auf Deutsch, Englisch und Französisch – ist mit seinem
Einband und kostbaren Druck und Einführungstexten ein außergewöhnliches
Schmuckstück.
(30c)
Richard Wagner, Siegfried.
Gary
Rideout (Siegfried), Richard Greager (Mime), John Bröcheler
(Wotan), John Wegner (Alberich), David Hibbard (Fafner),
Liane Keegan (Erda), Lisa Gasteen (Brünnhilde), Shu-Cheen
Yu (Waldvogel). Adelaide Symphony Orchestra, Ahser Fish
(Dirigent). Melba MR 301095-98. 2006.
Innerhalb
des australischen Zyklus des "Rings des
Nibelungen" von Richard Wagner ist dies zunächst
eine der schwächeren Aufzeichnungen. zwar ist die
Aufnahmetechnik wieder von frappanter Klarheit und
plastischer Deutlichkeit. Es sind vielmehr die
Gesangsstimmen, die nicht befriedigen können. Das gilt
weniger für Richard Greager als Mime, der das europäische
Timbre des klagenden und genervten Zwerges gut trifft oder für
John Bröcherler, dessen berückend schöne Bariton-Stimme
leider recht scharf und leicht brüchig hörbar wird. Gary
Rideout als Siegfried zeigt hier jedoch gesangliche Schwächen,
die der unglaublich ruinösen und kraftraubenden Rolle in
der Schmiedszene nicht gerecht werden. Das vokale Klangbild
ändert sich vollends ab dem 2. Aufzug. Die Begegnung
zwischen Alberich und Wotan vor der Neidhöhle wird von
Wegner und Bröcheler (Wanderer) höchst realistisch mit
ihrem Gezänk dargestellt. Vor allem John Wegners Bass ist
von beneidenswerter Präsenz, Kraft und Ausdrucksstärke.
Gary Rideout ist offenbar ein eher lyrischer Tenor. Gerade
in der Waldszene - im Dialog mit der süßen Sopranstimme
von Shu-Cheen Yu als Waldvogel - hört man viel mehr Farbe,
Klarheit und Offenheit heraus. Auch im dritten Aufzug
meistert er seinen Part ausgezeichnet und läßt die gaumige,
enge und angestrengte Stimme als Helden-Siegfried vergessen.
Liane Keegan (Erda) und Lisa Gasteen (Brünnhilde) strahlen
eine wahrhaft göttliche Stimmkraft und Selbstsicherheit
aus. David Hibbard (Fafner) singt nicht nur furchteinflößend
tief und riesenhaft, sondern überzeugt auch mit außerordentlich
schöner Stimme im Dialog mit Siegfried, welche die anrührende
und mitleidvolle Seite des einstigen Giganten zum Ausdruck
bringt.
Es
zeigt sich einmal mehr, welch großartiges Stimmpotential
sich in dieser Aufnahme präsentiert, und zwar von einer
Qualität, wie sie in Europa kaum mehr zu hören ist. Das
Orchester breitet die gesamte Stimmenfülle in einem gänzlich
unverzerrten, natürlichen, frischen und makellosen Panorama
aus. Tempi, Dynamik und Ausdruckstiefe erfüllen höchste
Ansprüche. Das ist zugleich ein Lob für den Dirigenten
Asher Fisch, der meisterlich das realisiert, was Richard
Wagner komponiert hat.
Fazit:
Eine exzellente Einspielung des "Siegfried" mit
einigen Anlaufschwierigkeiten. Sänger und Orchester agieren
vital und spielfreudig. Sie bringen die Vielfalt an Schönheit
der Musik und der dramatischen Abläufe souverän auf die Bühne.
Es ist bemerkenswert, dass hier nicht alles auf die Partie
des Siegfried zugeschnitten ist, sondern dass es dramatische
Figuren in dieser Oper gibt, die jede von ihnen
dramaturgisch bedeutsam sind und hier mit prallem
Eigenleben erfüllt werden.
(30d)
Richard Wagner, Götterdämmerung. Timothy Mussard
(Siegfried), Lisa Gasteen (Brünnhilde), Duccio dal Monte
(Hagen), Jonathan Summers (Gunther), Joanna Cole
(Gutrune), John Wegner (Alberich), Elizabeth Campbell
(Waltraute), Liane Keegan (Erste Norn), Gaye MacFarlane
(Zweite Norn), Kate Ladner (Dritte Norn), Natalie Jones
(Woglinde), Donna-Maree Dunlop (Wellgunde), Zan
McKendree-Wright (Floßholde). The State Opera of South
Australia Chorus, Adelaide Symphony Orchestra. Asher Fisch,
Dirigent. Melba MR 301099-102. 2007.
Auch
diese Einspielung, die den "Ring des Nibelungen"
von Richard Wagner abschließt, ist in der Interpretation an
der State Opera of South Australia ist in vielfältiger
Hinsicht ein singulärer Meilenstein. Das Klangbild ist ein
weiteres Mal makellos klar und von natürlicher Räumlichkeit.
Die Breite und Tiefe des Bühnenraums wird deutlich sinnlich
erfahrbar. Wie immer die Regie dieses monumentale Werk
gedeutet hat (die Photos im Booklet weisen auf eine
modern-avangar- distische Aufführung hin), Wagners Musik
bleibt, im Gegensatz zu manch anderer Inszenierung in
Europa, von jeder Ideologie unangetastet. Das Orchester führt
Asher Fisch souverän durch die komplexe und kraftraubende
Partitur. Das großartige Sänger-Ensemble bietet ein Höchstmaß
an authentischem Wagner-Gesang. Leider kommt auch hier der
Siegfried von Timothy Mussard im ersten Aufzug nicht auf das
Niveau seiner Kollegen, gewinnt aber im zweiten und dritten
Akt den erfreulichen Anschluß. - Schon in der einleitenden
Nornen-Szene schaffen die drei Sängerinnen eine dichte,
bedrohliche und schicksalhafte Atmosphäre durch eine
differenzierte Einfärbung ihrer Tongebung. Die stabilen,
kraftvollen Stimmen bleiben auch in der Höhe beeindruckend
voluminös. - Die große Stimme des Gunther erscheint im
Gegensatz zum weichen Charakter, den er darstellen soll,
recht metallisch, paßt jedoch gut zum Timbre seiner
Darsteller- Kollegen. - Wirklich grandios und überwältigend
singt Duccio dal Monte den Hagen. In jeder Stimmlage bleibt
sein Gesang klangschön, offen und kraftvoll. Herrlich! -
John Wegner als Alberich bleibt in der "Götterdämmerung"
die zuverlässige Größe an Stimm- und Gestaltungskraft. -
Die Waltrauten-Szene gehört durch den ausdrucksstarken
Gesang von Lisa Gasteen und Elizabeth Campbell mit zu den am
tiefsten anrührenden Szenen der Aufführung. Später
gelangt Lisa Gasteen als Brünnhilde im Schlußgesang des
dritten Akts ein weiteres Mal zu einer grandiosen, erschütternd
tiefen Darstellung der Vollendung des "Rings". -
Gutrune und die drei Rheintöchter ergänzen die hohe Qualität
dieser Aufführung. Es gibt also noch Wagner-Stimmen, leider
aber kaum noch an den meisten europäischen Opern-Häusern.
Eine uneingeschränkte und enthusiastische Gratulation für
diese Aufführung und den gesamten "Ring".
Summary.
- Richard Wagner died before 125 years. Arnold Schönberg
died 1951 - 57 years until now. Who is the modern composer?
Wagner's "Ring" was performed 1876 for the first
time. Since these 132 years the four operas are enacted
again and again, discussed and beloved, redirected in the
most controverse styles on all five continents,
freshly every year.
One
of the worldwide most outstaking performances of the
"Ring" was completed in 2007 with The
StateOpera of South Australia, and we are happy that
all four works are now available on CD by Melba Recordings.
The recordings beat in all aspects nearly every recording in
comparison to all available LPs and CDs. Modern is the
directness and realistic appearance of the music.
Let
me tell you why: The recording technique of the Sorround
Sound on Super Audio is sheerly perfect. The music appears
absolutely clear, three-dimensional and undistorted. The
listener feels be seated close, but not too much, before a
broad panaroma of the stage and the orchestra. Asher Fisch
conducts vividly and absolutely narrow to the score. Tempi,
colours and agogic procedures are brought together to a
wonderful sound throughout from the first to the last bar.
The stilistic unity of sound, singing, and playing is
admirable. All singers let your heart beat, because of the
beauty and expressiveness of their voices. Some temporarily
limitations of the Siegfried-singers are compensated until
the final acts of the opera. Wagner's music is never touched
by an ideological influence.
The
outside appearance of the booklet is charming and very
tasteful. Introductory texts are presented in English,
French and German, the libretto in English and German.
This
Australian "Ring" is a deeply touching and an
overwhelming pleasure!
***
(29
a) Lazar Berman Plays Liszt & Rachmaninov. CD 1 Sergej
Rachmaninov, Six Moments Musicaux op. 16. Franz Liszt, Douze
Études d'exécution transcendante 1 - 7, CD 2 Études 8 -
12. Sonetto del Petrarca no. 104. Rachmaninov, Prelude g
minor op. 23/5. Liszt, Orage. Live Recording Milano, April
29, 1976. IDIS 6497/98,
2006. Distribution: Klassik Center Kassel.
For
a long time, since the final versions of the twelve Études
d'exécution transcendante in 1851 by Franz Liszt, the
performing and
interpretation of these ultimate words of vituosity on the
piano has been neglected by generations of piano artists. Great
virtuosos like György Sziffra or Jorge Bolet didn't care
about the background behind the necessary absolute perfect
virtuosity. A lot of pianists even miss the technical abilities. Lazar
Berman is the only one who draws the attention of the
listener to the poetical idea behind every twelve pieces.
1. Prélude is the overture to a stage performance,
the stage of life, the stage of Liszt's life, the life of a
great artist. 2. Molto vivace is the introduction
into the busy, colourfull, rich emotional life of the artist.
This piece sets also the technical level of virtuosity
behind which - by transition of all virtuosity - the poetic
world begins. 3. Paysage means the serene, contemplation over a
calm, beautiful landscape. It reminds us of the undisturbed
and warm feelings which Liszt may have
experienced on the top of Villa d'Este in Tivoli, looking
into the blue sky and the wide land towards the far horizon.
4. Mazeppa is not only the furious horse ride with
the hero behind and the later transfiguration of him to king. We
hear also the wild temperament of the horse, the
suffering of Mazeppa and his terrible pains during this ride.
His glorification is also the pride about his victory as
king over his enemies. 5. Feux follets. This is the imagination of
phantastic tales about unlimited thoughts and feelings, free
from any logical restrictions. 6. Vision.
It is not only a phantasy about the death of Napoleon. It is
the description of an ecstatic idea which might appear to
everybody, filled with emotion and exuberance. 7. Eroica.
Similar to Mazeppa or Vision, Eroica means the description
of a heroic feeling. 8. Wilde Jagd. We hear shouts of the hunters
wandering about, the barking of the chasing dogs
and the blaring horns during a wild persecution of the deer.
But Liszt let us hear and feel also the pains of the deer,
wounded and sentenced to death by the weapons of the hunters.
We are touched by the suffering of an animal. 9.Ricordanza.
This is the description of the most intimate moments of love,
not far from the embracing moments of Tristan and Isolde or the acme of the "Venusberg"-Musik by
Richard Wagner. 10. Allegro agitato molto. While
"Orage" is a veritable meteorological storm, this
piece without a title is an psychological rage. We are
not far from the truth when we hear in this piece an internal portrayal of Franz Liszt who might as often
experienced highest love like in Ricordanza as the
most bitter scenes with quarrels and love dispair. From
bar 78 on "tempestuoso", to bar 82 "crescendo
molto", bar 100 "accentuato ed appassionato",
bar 123 "crescendo assai" we hear in bar 126 the
most painful and most deeply moving
moment in the piano literature; Liszt names this passage
"disperato". It has never been used by him
anymore.
More than once Liszt had to undergo such depressive moods. 11. Harmonies du soir. We listen to the
musical incarnation of peace, harmony and beauty. It is an
undisturbed picture of a sunshed evening. 12. Chasse
neige. Of course we hear a man in an enormous snow storm
trudging through deep snow. It is the artist pathing his way
against all adversary actions in his life, sweetness and
bitterness of love, and the sarcasm of his critics and enemies.
But finally he is too tired to live anymore. His last steps
are lost in utmost loneliness. His footprints end in some
soft minor accords.
The
IDIS recording is the latest one of several recordings which Lazar Berman finished
in 1976. The great advantage is the vivid atmosphere of the
enthusiastic audience in Milano. Berman plays absolutely
passionate, with embarrassing velocity and admiringly
grandezza. He masters from moment to moment the sweet
tenderness in "Paysage" and "Ricordanza",
and in the next moment the ferocities in "Mazeppa" and
the "disperato" full of dispair and hoplessness.
No one plays the last bars in "Chasse neige"
about a vanishing soul softer and more resignedly.
(29
b) Lazar Berman, Liszt. 12 Études d'Exécution
transcendante. Hungarian Rhapsody Nr. 9 E flat major. "Pesther
Carneval". Studio recordings 27.02., 25.03., 27.03.,
08.04. 1959, 21.07.1961. Distribution: Zweitausendeins,
Frankfurt. Melodia Russian Piano School Vol. 8, Nr.
74321 25180 2, 1995
This
famous Melodia (R) recording is digitally remastered without
any loss of a overwhelming piano performance. The
interpretations are very close to each other. Here a little
bit more symphonically and voluminous. The heroic passages
in "Vision", "Eroica" or "Harmonies
du soir" are powerful hymns to glory and brightness.
(29
c) Lazar Berman, Franz Liszt. Selection of Études d'exécution
transcendante, 3. Prelude, 4. Paysage, 5. Feux Follets, 6.
Vision, 7. Appassionata f minor, 8. Harmonies du soir, 9.
Chasse neige. 18.11.1959 (6), 3.3.1952
(10), 22.10.1953 (8, 9), 26.4.1956 (3, 4, 5, 7).
Distribution: QuintEssence. Brillant Classic 93006, 2006
CD
Nr.1out of seven CDs contains the dramatic "Dante-Sonata"
and seven études of the transcendental cycle. The early
performances of the selected études reveal an absolute
spontaneity and high concentration. There is no greater
advantage or disadvantage in comparison to the previous
interpretations. A great plus is the six remaining
CDs in this cassette. They offer a broad view of Berman's singular
piano playing. For example the b minor Sonata by Liszt,
Prokofiev's Sonata Nr. 8 or Schubert's b flat major sonata
D960 and a lot more.
Fazit:
All three interpretation of the great pianist Lazar Berman
are highly recommendable. For which brand you decide, you
are right. It is not the worst decision to acquire them
all.
***
(28) - Nicolas de
Grigny - Johann Sebastian Bach. Fantasie g-Moll BWV 562. An
Wasserflüssen Babylon BWV 653. Fuge G-Dur BWV 577. Pièce
d'orgue BWV 772. - Nicolas de Grigny, Hymnen. Veni
creator spiritus. Pange lingua. Verbum supernum. Ave maris
stella. A solis hortus. Terje Winge, Orgel. Kaliff&Löthmann
Orgel, Ål, Norwegen. Simax Classics PSC 1242. © 2006.
Organum Norvegica Vol. 1. Vertrieb: Klassik Center Kassel.
Schon beim Anhören
des ersten Taktes, spätestens nach dem zweiten Stück - der
Fugue à 5 aus dem Hymnus Veni crator von Nicolas de
Grigny - reibt man sich die Ohren (und wohl auch die Augen):
das soll eine norddeutsche Orgel sein, hochoben in Norwegen?
Ja, aber es ist eine französisch intonierte Orgel, aus der im
schwedischen Ålem ansässigen Werk- statt der Firma Kaliff
& Löthmann AB. Sie wurde im Jahre 1996 ganz gezielt
dem Klangmuster einer französischen Barockorgel gemäß gebaut,
also mensuriert, intoniert und mit französischen Namen auf
den Registerzügen. Die 32 Register verteilen sich auf drei
Manuale und Pedal. Zwar mischen sich die Stimmen im
Plenum zu einem dichteren Klangbild, die Solo-Stimmen heben
sich jedoch fein ab, ohne sich von den Begleitstimmen zu
trennen. Das wird schon im Hymnus Veni creator deutlich, in
dem Cromorne und Cornet sich in ihrem individuellen
Charakter melden, sich jedoch im Verband des Grands Jeux im
herrlich fülligen, authentischen Gesamtklang ganz
ausgewogen einfügen. Winge artikuliert und setzt die
Appoggiaturen zwar anders als der große André Isoir in
seiner immer noch maßgeblichen Einspielung des Gesamtwerks
von de Grigny, dennoch kann man seine Verzierungslösungen
problemlos akzeptieren.
Die Werke von
Johann Sebastian Bach sind interpretatorisch gleichfalls
sehr gut gelungen. Ob nun die (Saltarello)-Fuge G-Dur BWV 577 vom
Leipziger Meister selbst stammt oder als unecht anzusehen
ist - egal, Winge spielt sie mit einer herrlich swingenden
Delikatesse. Überhaupt lebt er in vielen Dreier-Takt-Stücken
sein Faible für eine tänzerische Ausführung mit Geschmack
und großer technischer Könnerschaft aus. Die Pièce
d'orgue BWV 722 verführt mit ihren glitzernden Oberstimmen
und dem kraftvollen, in allen Stimmen harmonisch
ausgewogenen, das Baßfundament nicht verleugnenden
Mittelteil zu dem Wunsch, sie in einer Endlosschleife
permanent zu genießen.
Der Point d'orgue
sur les Grands Jeux, das ausleitende Stück des Hymnus A
solis hortus von de Grigny, ist ein ähnlich eindringliches,
kompaktes Stimmenfest wie das Grave der Pièce d'orgue.. Ein
würdiger Ausklang aus einer bestens zu empfehlenden
CD.
Das Booklet, in
englischer und norwegischer Sprache, ist mit Informationen
und dem farbigen Cover-Photo mustergültig.
***
Simax
(29) - Johann
Sebastian Bach. Die Kunst der Fuge. BWV 1080. Terje
Winge, Orgel. Gloger Orgel, Kongsberg, Norwegen. PSC
1243. © 2006. Organum Norvegica, Vol. 2. Vertrieb Klassik
Center Kassel.
Hier wird Bachs
Kunst der Fuge nicht im sakralen Raum angesiedelt, sondern sehr
detailgepflegt als kunstvolles,
weltliches Werk dargestellt. Daß die Interpretation dadurch
nicht oberflächlich wird, liegt an der lebendigen und
originellen Spielweise sowie Registrierkunst des norwegischen
Organisten Terje Winge. Er läßt das 1765 von dem deutschen
Orgelbauer Gottfried Heinrich Gloger (1710-1779) für die
Kirche in Kongsberg (Norwegen) gebaute Instrument, in aller
Kraft und Schönheit hörbar werden. Jürgen Ahrend hat die
Orgel mit 42 Registern, drei Manualen und Pedal (jedoch ohne
Rückpositiv) im Jahre 2000 restauriert und konnte
noch etwa ein Drittel des alten Bestandes verwenden. Ein
bestechend scharfes Farbphoto auf dem Cover des Booklets
gibt den wunderschönen Frontschmuck der Orgel wieder.
Die
Registrierungen in den einzelnen Contrapuncten deckt eine
große Spannweite der Klangmöglichkeiten ab. Die Exposition
des Hauptthemas ist in einem schlichten Prinzipalklang gehalten.
Die Nr. 2 strahlt mit ihrem beschwingten Rhythmus und den
glänzenden Mixturen eine mitreißende Freude aus. Perlend
leicht zieht Nr. 9 vorüber. Die Registrierungen kann man im
Begleitbüchlein ebenso nachlesen wie die Disposition der
Orgel. Die darauffolgende Nr. 10 begeistert mit dem
hinreißenden Zusammenklang von Gemshorn, Spitzflöte und
Vox humana. Das tänzerische Element stellt Winge besonders,
aber nicht aufdringlich, in den Nrr. 14 und 15 heraus.
Archaisch und kompakt ist die Nr. 12, gewichtig und mit
sonorem Baßfundament die als Fragment überlieferte Fuge
"a 3 soggetti". Nach dem Zitat von B-A-C-H und dem
Abriß der Fuge ist die vorbildliche Einspielung zuende.
Kein Versuch einer Ergänzung, kein versöhnender Choral zur
einer gutgemeinten Abrundung. Auf alle Fälle ein hervorragender
Einstieg in die Serie "Organum norvegica."
Fazit:
Eine sehr empfehlenswerte, natürliche, farbige und
spielerisch perfekte Einspielung.
***
(27) - Concerto CD
2024
Mozart -
Opere per Organo. Orgelwerke. Ouvertüre und
Fuge C-Dur KV 399. Fuge g-Moll KV 401. Fuge Es-Dur KV 153.
Leipziger Gigue KV 574. Ave verum (trans. Franz
Liszt). Fuge (Kyrie) (trans. Musio Clementi) aus dem Requiem
KV 626. Fantasie f-Moll KV 594. Andante F-Dur KV616.
Fantasie f-Moll 608. Alessio Corti, Orgel.
© 2006 Vertrieb Klassik Center Kassel
Unter den
zahlreichen Einspielungen der Werke Wolfgang Amadeus
Mozarts, auch diejenigen, die bereits vor seinem 250.
Geburtstag erschienen sind, hebt sich diese Einspielung
stilistisch und interpretatorisch vorteilhaft ab. Die kleine
Leipziger Gigue oder die Transkription der Kyrie-Fuge aus
dem Requiem von Muzio Clementi sind selten aufgenommene
Raritäten. Dies liegt zum einen an der klaren und frischen
Klangbild der 1969 gebauten Tamburini-Orgel (31 III/P), das
sich in der Protestantischen Kirche Mailand verzerrungsfrei
und voluminiös entfalten kann. Andererseits ist Alessio
Corti, Nachfolger von Lionel Rogg am Konservatorium in Genf,
ein technisch meisterhafter und musikalisch phantasievoller
Organist. Die kleine Leipziger Gigue trägt er mit glänzenden
Mixturfarben vor und gibt der Ouvertüre KV 399 kräftige
Zungenstärke. Das Kyrie KV 626 und die Fantasie f-Moll KV
608 beeindrucken durch ihre Ernsthaftigkeit und Strahlkraft.
Das Booklet in italienischer, englischer, deutscher und
französischer Sprache gibt über das Instrument und die
Biographie Cortis genügend Auskunft.
Insgesamt eine
sehr empfehlenswerte Einspielung, selbst wenn man schon
einige andere Interpretationen im CD-Regal hat.
***
(26)
- cantus - Dictionary of Medieval & Renaissance
Instruments.
C9705/6. © 2002 Vertrieb Klassik Center Kassel
Diese
Kassette mit 2 CDs ist in jeder Hinsicht gelungen. Alle
Tracks sind sehr sorgfältig ausgesucht und von einer
hervorragenden Tonqualität. Das Booklet ist perfekt
ausgestattet, was angesichts der komplexen Materie
bewundernswert ist. Sowohl der ausführliche Begleittext als
auch die Kommentare zu jedem einzelnen Track ist auf bestem
wissenschaftlichen Niveau in englischer Sprache geschrieben.
Zahlreiche kleine Abbildungen veranschaulichen die Musiker
und Instrumente. Sogar die Texte bei Gesangskompositionen
sind abgedruckt. Auf der ersten CD werden
Streichinstrumente, angefangen von Violinen des 13.
Jahrhunderts über Harfen, Lauten und Blockflöten auch
Musikensembles des 17. Jahrhunderts aus England und
mitteleuropäischen Ländern vorgestellt. Auf der zweiten CD
mit 32 Tracks sind Orgeln, Cembali, Blechblasinstrumente,
Cornette oder Fagotte aus verschiedenen europäischen
Regionen zu hören.
Woran
man sich bei dieser Musik begeistern kann, ist die
herzerfrischende, lebendige und natürliche Ausführung
durch hervorragende Sänger und Instrumentalisten. Fern
aller akademischen Trockenheit oder didaktischen
Zeigefingern möchten die Künstler aus Italien, Spanien,
England oder den Niederlanden vorführen, wie mitreißend
und schön diese Musik uns ansprechen und begeistern kann,
und seien die Werke schon vor siebenhundert Jahren
geschrieben. Dieser fröhliche Lehrgang der
Instrumentenkunde durch die Jahrhunderte und Musiknationen
ist für Experten wie auch für Musikliebhaber bestens
geeignet und hat die höchste Wertschätzung
verdient.
(27)
- Johann Sebastian Bach. The Works for Organ. Kevin
Bowyer, Orgel. Marcussen-Orgel der Sct. Hans Kirke, Odense,
Dänemark. Nimbus. Vertrieb: Naxos Deutschland.
Seit
1998 entsteht bei dem Label Nimbus Records Ltd. (www.nimbusrecords.com)
eine Gesamteinspielung der Orgel-Werke von Johann Sebastian
Bach, das nicht spektakulär auf sich aufmerksam macht, dafür
aber wegen ihrer in mehrfacher Hinsicht hohen Qualitäten
schon jetzt große Wertschätzung verdient. Auf den CDs der
Nummern NI 5561/2 (Vol. 9), 5647/8 (Vol. 12), 5669/70 (Vol.
13), 5689/90 (Vol. 14), 5700/1 (Vol. 15), 5734/5 (Vol. 16)
und 5738/40 (Vol.17) sind jeweils mindestens ein Großwerk,
aber auch choralgebundene sowie kleinere Werke von Bach
eingespielt worden.
Vol.
9 Clavier-Übung III, Passacaglia BWV 582 etc.
Vol.
12 Pièce d'orgue BWV 572. 2 Trio-Sonaten 3 und 4. P + F BWV
545 und 550. Toccata BWV 910.
Vol.
13 Partita "O Gott, du frommer Gott" BWV 767,
Toccaten BWV 912, 913. P+F 551, 894.
Vol.
14 Rudorff-Choräle BWV 549. Konzerte BWV 595, 985. Partita
BVWV 766
Vol.
15 Rinck-Choräle. Sonata in D BWV 963, Suite in F BWV 820,
Partita BWV 770
Vol.
16 Concerto D-Dur BWV 972, kleinere P+F, 18 Stücke für
eine Spieluhr BWV Anh 133-150, zugeschriebene Werke
Vol.
17 Ricercare BWV 1079, Die Kunst der Fuge BWV 1080,
Capriccio BWV 992 etc.
Die
Doppel-CD NI 7077/8 ist eine Zusammenstellung aus bisher
erschienenen Toccaten und Fantasien.
Höchstes
Lob verdient zunächst die Marcussen-Orgel, die es an
markantem Register- reichtum und Schönheit des Tons mit jedem
Instrument anderer Orgelbau-Werkstätten aufnehmen
kann. Die wunderbare Reinheit und Stabilität jedes
Pfeifentons ist überragend und ergibt insgesamt einen
leuchtenden, überaus farbenreichen Gesamtklang. Dazu kommt
eine selten so geglückte Eigencharakteristik eines jeden
Registers, so dass, vor allem in den Choralvorspielen oder
der Clavierübung III, beim Zuhörer niemals ein Gewöhnungs-
oder gar Ermüdungseffekt auftritt.
Kevin
Bowyer widmet sich jedem einzelnen Werk mit Akribie, gibt
ihm ein spezifisches Klangbild und realisiert dies mit
technisch stupender Meisterschaft, außerordentlich lebendig
und profunder Gedankentiefe. Unter der Vielzahl der
Bach-Gesamteinspie- lungen steht diese momentan an oberster
Stelle. Das ist bei der hervorragenden Konkurrenz besonders
anerkennenswert.
(28)
Naxos
Alexandre
Guilmant, Organ Music, Robert Delcamp (Orgel)
1.
Grand Chorus g-Moll op. 84 2. Caprice B-Dur op.
20,3 3. Allegretto h-Moll op.19,1 4. op.89,
Lamentation d-Moll op. 45,1 5. Offertoire
"O filii" op. 49,2 6. Sonate Nr. 7 F-Dur
op.89, Satz Nr. 4 Lento assai (Rêve) 7. Marsch über
ein Thema von Händel op15,2 8. Scherzo Symphonique
C-Dur op. 55,2 9. Noël languedocien, Communion Nr. 2
f-Moll op. 60 10. Sonate Nr. 1 d-Moll op. 42,
3. Satz Finale, Allegro assai. Casavant Organ of All
Saints' Chapel, University of the South, Sewanee, Tennessee,
USA
Naxos
8.557614. © 2006
Dies
ist eine durch und durch sympathische Einspielung. Sie ist
frei von jedem Manie- rismus, sondern läßt in ganz natürlicher
Ausführung die eingängige Orgelmusik im romantischen Stil
hören. Einen bedeutsamen Beitrag liefert dazu die
Casavant-Orgel (VII,2P, 80, Harfe, mehrere Glockenspiele.
1961/2004), die mit weicher Fülle für die unspektakuläre
Klangwelt sehr gut geeignet ist. Das beginnt mit dem
zungengewürz- ten, dichten Grand Chorus, über die
leichtgewichtig scheinende, kompositorisch jedoch
meisterhaft ausgearbeitete Caprice bis zur düsteren
Lamentation, die später zahlrei- chen französischen
Komponisten zum Vorbild dienen wird. Jedes der weiteren Stücke
artikuliert Delcamp konzentriert und schlackenlos atmend.
Auch das Finale der Symphonie Nr. 1 wird nicht, wie so oft,
kaltschnäuzig heruntergejagt, sondern, mit zahlreichen
Klangfarben der großartigen Orgel ausgestattet,
temperamentvoll und inspiriert gespielt.
Die
Aufnahmetechnik, Akustik und Räumlichkeit der Aufnahme ist
vorbildlich gelungen.
Fazit:
Dem Orgelkenner und jedem Musikfreund bedingungslos zu
empfehlen.
(1)
-
Dorian
- The Romantic Mass. Choral
Works by Rheinberger an Brahms. Joseph
Rheinberger, Cantus Missae op. 109.
Omnes de Saba. Drei geistliche Gesänge
op. 69, Ave Maria op. 172. Johannes
Brahms, Missa Canonica. Three Motets
op. 110. Laß dich nur nichts nich
dauren mit Trauren op. 30.
Saint Clement's Choir,
Philadelphia. Peter Richard Conte,
Director.
Dorian DIS-80137
My first review of classical
music is dedicated to one of the most
wonderful and perfect recordings with
sacred music of the romantic era. The
compostions of Rheinberger (1839-1901)
are set in a puristic a cappella style,
following the ideas of the Cecilianism.
The mixed voices of the 15 singers including
four sopranos, one alto, two counter-
tenors, four tenors, and four basses,
meet with their excellent, clear and
professional voices the chastity and
purity of the cecilian
timbre.
The technical part of
the recording is of utmost qualitiy.
The acoustics sound natural and fresh.
The booklet contains all wordings in
Latin, German and English. A short essay
introduces into the essentials of every
composition. Rheinberger's Cantus are
the absolute highlite of this outstanding
collection of choir music.
Conclusion: Finest
singing of pure romantic music
***
(2)
- Magic! Peter
Richard Conte at The Wannamaker Grand
Court Organ, Lord & Taylor, Philadelphia,
USA
Mussorgsky/Conte, Night
on the Bare Mountain. Wagner/Conte,
Wotan's Farwell and Magic Fire Music
from "The Valkyries". Dukas/Conte,
Sorcerer's Apprentice. Nicolai/Conte,
Overture to The Merry Wives of Windsor.
Elgar/Conte, Cockaigne Overture "In
London Town" op. 40. Elgar/Harris,
Nimrod from "Enigma" Variations
op. 86. Dorian xCD-90308
Another first class
edition from Dorian. The legen- dary
Wanamaker Organ, Philadelphia is celebrated
with a harmonically balanced program.
The symphonic style of every work is
executed by Peter Richard Conte on the
giant instrument technically perfect
and in a superior style. Conte's contributions
in the booklet about the instrument
and the compositions are exhaustive.
The dispositions of the several organs
are complete in all details. Like all
recordings of Dorian the acoustic parameters
are perfect and without any flaw. Conte's
interpretions are filled with an astounding
energy and superb sense for the symphonic
dimensions and colors.
Conclusion: Magnificant
Grand Organ Music
** *
(3) - La Nef, Perceval,
la quête du Graal (The Quest for
the Grail) Volume 1. Ensemble La Nef,
Daniel Taylor, Countertenor (Perceval).
In the Lost Forest.
At Arthur's Castle. With Blancheflor
at Belrepeire Castle. The Battle of Belrepeire.
Dorian DOR-90271
Absolutely not one of
these anemic performaces. But absolutely
a most refreshing, nice and beautiful
interpretation of old verses from oulde
times and concerned with the tragic
hero of Percival and his quest for the
Grail. The excellent booklet contains
all wordings of the verses of Parcifal
in English and French. Some members
act as singers and instru- mentalist.
All members are competent musicians,
experts on their instrument and in the
style of mediaval singing and playing.
The studio technique
is perfect, clair and lucid.
Diese Aufnahme von Versen
aus dem Parsifal-Kreis ist eine außerordentlich
gelungene Einspielung. Die Studiotechnik
ist perfekt, klar und natürlich.
Das Ensemble La Nef hat sich den französischen
Namen eines Kirchenschiffs gegeben und
unterstreicht damit die enge Vertrautheit
mit gotischer Kunstfer- tigkeit. Die
zehn Musiker sind Experten in technischer
Hinsicht - manche sind als Sänger
und Instrumentalisten zu hören
- verstehen die Interpretation der uns
noch ungewohnten aber nicht als akademisch-dünnblütige
Veranstaltung, sondern als großen
Spaß an der Wiedererweckung einer
großen Epoche.
Result: In every
respect to be recommended
Fazit: In jeder
Hinsicht empfehlenswert
***
(4)
DORIAN - The Classic Ocarina,
The Chuckerbutty Ocarina Quartet, Michael
Copley, Director.
23 Tracks with compositions
of Beethoven, Sor, Offenbach, Sullivan,
Verdi, Schubert, Satie, Wagner, Brewer
and traditional folk songs from Italy,
China, Rumania and Japan. Arrangement
for four ocarinas and string instruments,
Accordion, Guitar, Harmonium and Piano. Arranged by Michael Copley, Michael
S. Murray and Maurice Hodges. DOR 93260. ©
2003
The four members of
the Chuckerbutty Ocarina Quartett -
Michael Copley, Giles Lewin, Peter Martin
and Evelyn Nallen - and their compagnons
with other instruments are excellent
musicians with an intimate feeling for
the very different styles from the early
19th century until our times. The finale
of Beethoven's symphony Nr. 1 starts,
after some faint introducing bars, with
a firework of masterly performed tone
garlands. The staccatos are not breathless
but voluminous and singing.
The classical Italian
tarantella reveals the uncomparable
advantage of the nearly immaterial sound
of the ocarina. Lovely and charming
the arrangement and whispering sound
of the outstanding instruments. How
mysterious the deep voice of a ocarina
and harmonium. A technical and respiratoiry masterpiece
the variations of the Carnival of Venice.
The Rumanian Traditionals "Mindra
mea e Ardeleana" or the romantic
"Trece Lelea Pe Colnic" are
realy touching. Schubert's is actually
swimming in a bubbling water. After
Wagner's Prelude to Act 3 of "Lohengrin"
we hear Brewer's "The Lark's Festival"
- a zoo of a bird's singing verses.
Conclusion: Exceptional
masterpieces of ocarina playing! With
a lot of sparkling splashes of humour.
Facit: Liebenswert,
spaßig und ein Geschenk, das jeder
Musikfreund genießen wird.
(5)
DORIAN - Les
Violons du Roy. Celebration
Bernard
Labadie. With La Chapelle de Québec.
Dorothea Röschmann. Karina Gauvin.
Russell Braun. Dorian
DOR-90024 ©2003
Händel,
Concerto grosso D Major op.6/5.
J.C.F. Bach, Sinfonia D Minor. J.S.
Bach, Art of The Fuge Contrapunctus
1 and 9, XIII, rectus, inversus. Händel,
Apollo e Dafne and Sillete Venti. Bach,
Secular Cantata "Schweiget stille,
plaudert nicht" BWV 211 (Coffee
Cantata), "Mer hahn en neue Oberkeet"
BWV 212 (Peasant Cantata) "Unser
trefflicher lieber Kammerherr".
A. Vivaldi, Concerto ripieno C minor
RV 120. Vivaldi, Concerto for 2 violins
and Cello D minor. J.S. Bach, The Goldberg
Variations, Aria, Variations 14, 18,
26. Mozart, Requiem, Confutatis, Lacrimosa,
Amen.
20
years of spontaneity, vividness and
stylistic competence. Those are the
characteristic marks of the 15 Violons
du Roy and their spiritus rector Bernard
Labadie. This CD comprises a selection
of some recordings which has been published
by DORIAN within this period. Only the
starter with Handel's Concerto in D
Major is an unreleased recording. Each
recording has been praised in the international
press, the Mozart won rewards.
They
have not grown old and are still a contribution
to the actual discussions about the
art of interpretation.
Conclusion:
Buy, listen and enjoy!
***
(6)
DORIAN - Romanza España.
Spanish Masterworks for Brass.
Burning River Brass.
Georges Bizet, Suite
from "Carmen". Pablo de Sarasate,
Romanza Andaluza. Gerónimo Giménez,
Intermezzo from "El baile de Luis
Alonso". Giménez, Intermezzo
from "La boda de Luis Alonso".
Manuel de Falla, Suite from "The
Three-Corndered Hat". Enrique Granados,
Andaluza (Danza Española). Ruperto
Chapí, Prelude from "La
Revoltosa". Anthony DiLorenzo,
La lámina de España. DOR-90316 ©2003
This CD and this music
tells from the past, when heros won
and admires melted away at their glory.
When you listen to these recordings
of Spanish brass music you feel set
back to the arenas in Sevilla or Las
Ventas in Madrid, where a brass band
introduces the aficionados into the
atmosphere of the unique bull fight,
and walk them out the theatre after
the victory of the torero.
The performance of the
Burning River Brass ist excellent and
stimulating. The precision of their
technique does not kill the vivid play.
This music and CD is not only for genuine
Spaniards but for every friend of the
special idiom of Spanish classical music.
Facit: To be recommended
warmly, if not fervently!
***
(7) Vivaldi Reflections.
- Antonio Vivaldi, The Four Seasons
op. 8 No. 1-4. Gustav Nottebohm, Variations
on a theme by J.S. Bach d minor op.
17
EMI 7243 5 57244
2 7
(8)
- Camille Caint-Saëns,
"La carnaval des animaux".
Introduction et Rondo capriccioso op.
28. Variationen über ein Thema
von Beethoven op. 35
pan classics 510
106
Feran und Ferzan
Önder (Klavier) und das Zürcher
Kammerorchester, Leitung: Howard Griffiths
(9) - Ferhan
& Ferzan Önder - duo pianists
Maurice Ravel, La
Valse. Ma mère l'oye. Claude
Debussy, En blanc et noir. Darius Milhaud,
Scaramouche.
PAN WS-9301
Jede CD, jedes Konzert
der Schwestern Önder ist ein Hochgenuß.
Ich habe niemals ein Klavier-Duo von
einer derart hochen Qualität gehört.
Sie sind technisch absolut unanfechtbar.
Was die beiden türkischen Musikerinnen
aber besonders auszeich- net, ist der
ungemein schöne und singende Anschlag.
Solch ein schönes Klangbild wird
heute leider kaum noch gepflegt. Die
"Vier Jahreszeiten" von Antonio
Vivaldi sprühen vor Temperament.
Die höchstdifferenzierte Gestaltung
des Klangbildes verdient höchstes
Lob. Das gilt auch für die Nottebohm-Variationen.
Der "Karneval für Tiere"
ist zwar sehr bekannt im Konzertleben
- wann hätte man aber eine derart
von Esprit und Meisterschaft geprägte
Ausführung gehört!
Ravels
"Ma mère" ist eine
gänzlich originelle Interpretation.
Beispielsweise haben das langsame Tempo
und die sanften Töne ihren Sinn:
schließlich handelt es sich um
eine Pavane für eine "Im Wald
schlafende Schöne." Die Prägnanz
spanischer Musik wird in "Lindaraja"
authentisch wiedergegeben.
Was für ein wirbelnder,
hinreißender Spaß ist es,
wenn man die drei Sätze des "Scaramouche"
hört!
Fazit: Die Schwestern
Önder schlagen alle Spitzeneinspielungen
um Längen
Result: The four
performances
are a Must!
*
Hier werden einige sehr
schöne und bedeutende Einspielungen
der Firma Naxos besprochen, sowohl Orchestermusik
als auch Orgelmusik, die fachmännisch
unter der Aufsicht von Wolfgang Rübsam,
Professor für Orgel in Saarbrücken
und Chicago, steht.
*
(10)
Sibelius, Jean. En
Saga op. 9. Lemminskäinen's Return,
op. 22/4. The Bard op. 64. Festivo,
Scènes historiques, op. 25/3.
Finlandia op. 26. Symphony Nr. 4 a-Moll
op. 63. Live-Aufnahmen aus den Jahren
1935 bis 1938.
London Philharmonic
Orchestra, Sir Thomas Beacham
Naxos 8.110867
Es stimmt einfach nicht,
daß früher - in den Zwanziger
oder Dreißiger Jahren des 20.
Jahrhunderts langsamer, pathetischer
und behäbiger dirigiert wurde.
Wilhelm Furtwängler läßt
nachgewiesenermaßen ebenso rasch
spielen wie beispielsweise Arturo Toscanini,
und so ungemein frisch, lebendig und
originell wie Sir Thomas Beacham interpretiert
keiner der Pultstars heute mehr Sibelius.
Diese CD ist eines der
herrlichsten Beispiele für das
bewundernswerte Musikantentum von Beacham.
Niemand vermag heute mehr so rasant
und bezwingend "Lämminskäinens
Heimkehr" auszuführen. Doch
auch der melancholische "Barde"
ist ein weiteres Beispiel für die
künstlerische Vielfalt des großen
Dirigenten. Die düstere, geheimnisvolle
Stimmung eines Sängers, der von
mythischen Zeiten erzählt, beeindruckt
tief. Die Freundschaft mit Jean Sibelius
wurde nicht zuletzt deswegen so unverbrüchlich,
weil Beacham sich in die Klangwelt des
Finnen so gut hineinversetzen konnte.
Die vierte Symphonie ist ein klangmächtiges
Zeugnis dieser Seelenverwandschaft.
Fazit: Großartige
Musik in mustergültiger Wiedergabe.
***
(11)
In the Hands of the
master VLADIMIR HOROWITZ - The Definitive
Recordings. 3 CDs
Werke von Chopin,
Scriabin, Schumann, Rachmaninow, Listz,
Beethoven, Wagnerz/Liszt, Horowitz,
Clementi.
Sony Classical Legacy,
S3K 93039
***
Nr. 9
Horowitz - Live and
Unedited. The Historic 1965 Carnegie
Hall Return Concert. 2 CDs und 1
DVD.
Werke von Bach/Busoni,
Schumann, Scriabin, Moszkowski, Bonus
DVD: "Outtakes" aus dem Film
"Vladimir Horowitz: The Last Romantic"
Sony Classical Legacy,
S2K 93023
Noch immer setzt Vladimir
Horowitz für das klassische Klavierspiel
höchste Maßstäbe. Da
ist natürlich die überragende
Technik und die fulminante Kraftentwicklung,
die ihm heute keiner nachmachen kann.
Vor allem - und das wird auf diesen
beiden CD-Alben wieder deutlich - ist
er immer noch das große Vorbild
für einen charakteristischen, leuchtenden
Anschlag und die tiefgründige Ausdeutung
der von ihm vorgetragenen Werke. Sony
verdanken wir mit diesen technisch eindrucksvoll
natürlichen Aufnahmen einen wesentlichen
Beitrag zum Gesamtbild des Jahrhundertphänomens
Horowitz. Greifen wir aus der großzügigen
Fülle an Werken die auf der Hands
of the Master-CD einige beispielhafte
Interpretationen heraus. Da ist immer
wieder zu bewundern, wie liebevoll sich
Horowitz der Sonaten von Scarlatti annimmt,
hier der Sonaten E-Dur K 531 und G-Dur
K 455. Sie erscheinen wie eine Frühauflage
der Lieder ohne Worte - schön und
sanglich. Von vollkommener Schönheit
und Innigkeit ist das bekannte Impromptu
in Ges-Dur op. 90/3 von Franz Schubert.
"Isoldes Liebestod"
von Wagner/Liszt vollzieht einen ergreifenden
Übergang vom Todesschmerz zur Erlösung
vom Liebesleiden. Hohen Repertoirewert
bestitzt die Sonate B-Dur op. 25/3 von Muzio
Clementi, eine künstlerische Sympathieerklärung
für einen verachteten Komponisten.
Auf den Carnegie-CDs
sollte man sich unbedingt Bach/Busonis
Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564 -
hier vor allem das zutiefst anrührende
Adagio - und die wahrhaft gefühlvolle,
romantische C-Dur Fantasie op. 17 von Robert
Schumann anhören. Eine
Ballade
im Kleinformat, aber großem emotionalem
Gehalt ist die Etüde cis-Moll op.2/1
von Alexander Scriabin. Als Bonus-Track
dem Zuhörer die "Kinderszenen"
von Robert Schumann zu schenken, ist
einen besonderen Dank wert. Auf der DVD sehen wir Horowitz
als den genialen Pianisten mit den so
menschlichen und offenherzigen Kommentaren
zu seiner Arbeit und musikalische Gestaltung.
Ob man nun schon
Einspielungen von Horowitz teilweise
oder vollständig besitzt, diese
beiden Alben gehören ganz sicher in jede
CD-Sammlung.
***
(13)
Gramola - qWIENtett
Wolfgang Lindenthal
(Flöte), Thomas Machtinger (Oboe),
Alexander Neubauer (Klarinette), Reinhard
Zmölnig (Horn) und Benedikt Dinkhauser
(Fagott) spielen
Maurice Ravel, Le
Tombeau de Couperin (Fassung für
Bläserquintett von Mason Jones).
Jaques Ibert, Trois Pièces brèves.
Wolfgang Amadeus Mozart, Fantasie f-Moll
KV 594 "Ein Stück für
ein Orgelwerk in eine Uhr" (Fassung
von Wolfgang Sebastian Meyer). Samuel
Barber, Summer Music op. 31. Carl Nielsen,
Quintett für Bläser A-Dur
op. 43 FS 100
Gramola 98759 www.gramola.at
Ganz schön kess,
wie die fünf Bläser des qWIENtetts
auftreten. Schon der Eigenname des Ensembles
verrät Sinn für Skurriles,
zudem eine originelle Denkweise. Die
CD und das Booklet haben keinen Titel,
sondern führen nur den Komponisten
und ihre Werke auf. Nach klugen Kommentaren
auf Deutsch, Englisch und Französisch
lassen sich die fünf Herren auf
mehreren Schwarz-Weiß-Fotos sehen
und schließen das Booklet mit
einer kleinen Vita eines jeden Ausführenden
in drei Sprachen und [sic!] mit ihrem
Namen in internationaler Lautschrift.
Das alles zeigt, daß
hier sehr lebendige Musiker am Werk
sind, die beispielsweise in den Drei
Stücken von Jacques Ibert - besonders
im Allegro-Satz - stilsicheren Spielwitz
zeigen. An den vier Sätzen des "Grabmals für Couperin"
von Maurice Ravel,
mit dem diese CD beginnt, besticht nicht
nur die technische Perfektion der Bläser,
welcher die großen
Intervallsprünge mit Leichtigkeit
bewältigen, sondern eine imponierende
Wärme und harmonische Farbigkeit
ihres Timbres.
Dieser Wohllaut durchzieht
erfreulicherweise alle Interpretationen
und macht schon deswegen das Anhören
zu einem Vergnügen. Aber es kommt
noch ein wesentlicher Aspekt ihres
Spiels hinzu, der vor allem der f-Moll-Fantasie
zugute kommt. Es ist die ernste, tiefsinnige
Gedankenwelt Mozarts, die sich hier
außerordentlich beeindruckend
öffnet. Ein ganz großer
Glücksfall ist die Wiedergabe des
Bläserquintetts von Carl Nielsen,
der zwar nicht unterschätzt, aber
immer noch viel zu wenig aufgeführt
wird.
Das Werk gibt jedem Musiker Raum für
eine technisch anspruchsvolle und musikalisch
vielfältige Ausgestaltung. Schon
diese herrlich musikantische Einspielung
des Quintetts lohnt den Erwerb
dieser CD.
Unbedingt erwähnenswert
ist die makellose und natürliche
Räumlichkeit der Aufnahmetechnik.
Fazit: Unbedingt empfehlenswerte
Einspielung auf hervorragendem musikalischem
Niveau, mit Werken, die man selten hört,
jedoch eine hohen Repertoirewert haben.
***
(14)
Thorofon - Trio Bamberg: Vol.
6
Piano Trios von Johannes
Brahms und Bedrich Smetana
Johannes Brahms,
Trio H-Dur op. 8. Bedrich Smetana,
Trio g-Moll op. 15
Trio Bamberg mit
Jewgeni Schuk (Violine), Stephan Gerlinghaus
(Violoncello) und Robert Benz (Klavier).
CTH 2447, ©
2003
Hier werden neue Qualitätsmaßstäbe
gesetzt!
Das Klaviertrio H-Dur
op.
8 von Johannes Brahms und das in g-Moll
op. 15
von Bedrich Smetana sind jedem Musikfreund
wohlbekannt. Beide Werke stehen häufig
auf den Programmen der internationalen
Konzerte. Die Anzahl der Einspielungen
ist Legion. Die renommiertesten Klavier-Trios
haben sich ihnen auf dem Podium und
in den Tonstudios gewidmet. Herausgekommen
sind etliche gute und sehr gute Wiedergaben.
Die Aufnahme mit dem Bamberg-Trio setzt
die Liste der hochrangigen Einspielungen
überzeugend fort.
Das Bamberg Trio entwickelt
die grundlegenden Merkmale des Brahms-Trios
- leidenschaftliche Bewegung, emotionale
Tiefe und teilweise abgedunkelte Schwermut
organisch, d.h. in einer natürlichen
musikalischen Konsequenz.
Das beginnt bereits in den Anfangstakten,
in denen das Cello-Solo mit kernigem,
rundem Strich einen sehr warmherzigen
Eingstieg schafft. Sobald die drei Stimmen
zusammengeführt sind, ergibt sich
ein kraftbetontes, harmonisches Klangbild, das von
einer klaren, zwar durchhörigen,
aber die Instrumente nicht trennenden
Technik unterstützt wird. Selbst
die hellen
Diskantoktaven und die sonoren Bässe
des Klaviers, sowie die extremen Lagen
der Streicher, sind in eine gemeinsam
gestaltete
Dynamik eingebettet. Klang und Kraft
bilden eine ausgewogene Gemeinschaft.
Der tiefsinnige Adagio-Satz
erhält von den drei Musikern ein
gebührend schweres Gewicht und
eine außerordentlich schöne,
dunkle Einfärbung.
Grandios erklingt danach
der aufgewühlte
Finalsatz. Als Hörer
wird man von der energischen und zupackenden
Spielweise nachhaltig mitgerissen.
Der zwar gleichfalls tragische,
aber eher rhapsodische und empfindsame Tonfall des Smetana-Trios
wird vom Bamberg-Trio mit
authentischem Timbre dargestellt.
Sowohl das feinste Pianissimo, als auch
die intime Traurigkeit gelingt den drei
Musikern vorbildlich. Der düstere
Trauermarsch wird ohne Larmoyanz, die
Gegenstimmung, eine lebendige Fröhlichkeit,
wird im Allegrosatz mit hoher Agilität
ausgeführt.
Fazit: Eine
Einspielung der Klavier-Trios op. 8
von Johannes Brahms und op. 15 von Bedrich
Smetana,
die emotionale Tiefe, hinreißendes
technisches Vermögen und sympathische
Wärme hören läßt.
***
(15)
Spyro Gyra - The
Deep End. Jay Beckenstein and
several musicians
Heads Up (Vertrieb:
in-akustik) HUCD 3085 ©
2004
Let your body sway -
to the this feather-light swing jazz
of Spyro Gyra! Since a quarter of a
century Jay Beckenstein and Co.
set markstones of combo jazz that makes
you humming, dancing and singing. Sound
and style underwent marked changes during
that time, but all the time with wonderful
results.
The new "Deep End"
reveales some takes in the familiar
style, some others are far ahead from
their roots. In Nr. 1 "Summer Flings"
the keyboard sound opens to wide electronic
spaces of the studio world, the sonorous
bass moves your stomach and heart, and
the poly-instrumental percussion enjoys
your rhythmic center as ever. At any
time the amazing saxophon of Jay Beckenstein
fills this and every number with soul
and swing.
The drum beats in Nr.
2 "Eastlake Shuffle" are dry
and direct and invite for dancing. "Monsoon"
leads to the exotic world in India with
a ravishing 3D-Volume and a fantastic
sax-solo over a pentatonic scale.
Nr. 6 "The Crossing"
is the ideal "song after...".
It is a melody for happy couples. With
a touch of Lionel Richie and flamenco
which culminates in a veritable hymn
of joy. The "Crossing" ends
in a harmonic mood, to be listened softly
entwined. Nr. 8 "Mind warriors"
shows juvenile, genuine Rock-Jazz. After
another love song and a powerful piece
of Big Band jazz the disk ends in a
relaxed number of world music.
Result: Another fine,
juicy work of excellent jazz from Jay
Beckenstein and collegues.
***
Alba
(16) Johann Sebastian
Bach, The Goldberg Variations - Goldberg-muunnelmat
Mika
Väyrynen, accordion - harmonikka ABCD 191 © 2004
***
(17) Modest Mussorgsky,
Tableaux d'une Exposition - Bilder
einer Ausstellung - Pictures of An Exhibition
- Näyttelykuvia
Peter
Tschaikowsky, Andante cantabile aus
dem Streichquartett
Nr.1 op.11
Trio Fratres - Toni
Hämäläinen, Heikki Jokiaho,
Raimo Vertainen, accordion harmonikka
ABCD 188 ©
2003 Vertrieb: Klassik Center Kassel
***
(18) The Instruments
of Liszt in The Budapist Liszt Ferenc
Museum
Werke für Tastenmusik
von Franz Liszt: Chickering piano (1867)
- Mephisto Waltz No. 1 (Der Tanz in
der Dorfschenke), Funérailles,
Romance oubliée.
Chickering piano
(1879-80) - En rêve, Hungarian
Rhapsody No. 6, Liebestraum Nr. 3, First
Elegy.
Bösendorfer
piano, Wiegenlied
The Bösendorfer
Instrument of the composing desk, carrousel
de Madame P-N
Glass piano (piano-harmonica)
- Die Hirten an der Krippe. Scherzoso
Pianino-harmonium
- Adeste fideles
Mason and Hamlin
harmonium - Consolation Nr. 4 D flat
major
Jenö Jandó,
Klavier, Harmonium, Glass-Piano, Pianino-Harmonium
Hungaroton HCD 31176
© 1994
(19) Lachrimae
- John Dowland, Lachrimae.
J.S. Bach, Transkription der Partita
für Violine solo h-Moll BWV
1002. Silvius Leopold Weiss, Tombeau
sur la mort de Mr.Comte de Logy. J.S.
Bach Transkription der Suite D-Dur BWV
1012, S.L. Weiss, Passacaglia (arrangiert
von Karl Scheit)
Ilona Szeverényi,
cimbalom, Zymbal
Hungaroton HCD 32207
© 2003
Not macht erfinderisch.
Die Krise in der klassischen CD-Welt
führt dazu, mit ausgefallenen Interpretationen
die Kauflust und das Hörvergnügen
der Musikfreunde anzustacheln. Die vier
CDs, die vom Klassik Center Kassel vorgelegt
werden, zeigen überzeugend, welche
Möglichkeiten es bei diesem Trend
gibt.
a) Mika Väyrynen,
ein 1967 in Finnland geborener Akkordion-Virtuose,
hat die Goldberg-Variationen von Johann
Sebastian Bach für sein Instrument
transkribiert und muß sich mit
dieser Einspielung an der hochgradigen
Wiedergabe mit Stefan Hussong messen
lassen. Um es vorwegzunehmen: Väyrynen
erfüllt die höchsten Maßstäbe,
beide Künstler kommen zu jeweils
anerkennswerten Lösungen. Leider
finden wir im Booklet keine näheren
Angaben zum Instrument, auf alle Fälle
vermag Väyrynen eine faszinierende
Vielfalt an Klangfarben und Anschlagsmöglichkeiten
in den Dienst seiner Ausführungen
zu stellen. Die Umfor- mung der Variationen
von einem ursprünglichen Staccato
zu einem ausgesprochenen Legato führt
zu einem originellen Klangergebnis.
Die technische Kompetenz des Solisten
ist exzellent, die Fioraturen und rasenden
Läufe, beispielsweise in der Variation
5 oder 26, gelingen hinreißend.
Die Aufnahmetech- nik ist ohne Makel.
Sie ermöglicht ein klares, unverzerrtes
und frisches Klangbild. Die polyphonen
Strukturen lassen sich deutlich heraushören,
verkommen aber nicht zu einer kalten,
akademischen Veranstaltung. Spielwitz
(Variation 7 oder 17 oder 29!!) und
ein schöner, spannungs- voller
Ton machen diese Einspielung zu einem
großartigen Musikerlebnis.
Fazit: sehr empfehlenswert
b) Für die Wiedergabe
der Goldberg-Variationen reicht, mit
einigen technischen Hilfen, ein einziges
Akkordion. Für die Realisierung
der "Bilder einer Ausstellung"
von Modest Mussorgsky sind die drei
finnischen Akkordeonspieler von Trio
Fratres die optimale Besetzung. Daß
sie meisterhafte Techniker auf ihrem
Instrument sind, wird von Satz zu Satz
immer deutlicher. Das beginnt mit dem
turbulenten Treiben der "Tuilerien",
setzt sich im "Ballett der Küken
in ihrem Eierschalen" fort und
steigert sich imposant in den endlich
einmal fehlerfrei vorgetragenen Vorschlägen
und Triolen bei "Samuel und
Schmule", bis zu der stupend sicher
ausgeführten "Hütte der
Baba Yaga". Vor allem aber musikalisch
ist ihre Interpretation eine meisterhafte
Ensembleleistung. Jedes Stück der
"Promendes" erhält eine
eigene Farbgebung, die von dem vorhergehendem
zum vorausgehenden Stück führt.
Der "Bydlo" wird außerordentlich
differenziert in
seinen Forte-Graden
gespielt. Sehr beeindruckend erscheint
dem Hörer die spannungsreiche,
dramaturgisch gelungene Gestaltung der
"Katakomben", "Cum mortuis
in lingua mortua" und vor allem
des grandiosen "Tor von Kiew".
Fazit: sehr empfehlenswert
c) Auch wenn diese CD
mit Klaviermusik von Franz Liszt schon
im Jahre 1994 erschienen ist, soll sie
hier doch vorgestellt werden. Die Musik
des Großmeisters wird hier nämlich
auf Instrumenten ausgeführt, die
aus seinem Besitz stammen und nun im
1986 gegründeten Franz Liszt Museum
stehen. Jenö Jandó spielt
zwar ein wenig introvertiert, weiß
aber die Eigenart der Instrumente mit
großem Geschick herauszustellen.
Vor allem in den "Funerailles"
werden alte Klangproportionen wieder
hörbar. Die Bässe, die heute
mühelos mit der linken Hand herausgedonnert werden
können, haben auf dem Chickering-Klavier
viel weniger Volumen, gleichen sich
dafür viel besser der Mittellage
an, die, auch beim "Wiegenlied"
auf dem Bösendorfer-Flügel,
ausgeglichen und weicher tönen.
Baß- und Mittellage sind sich
nicht fremd, sondern stehen in einem
wohltuenden Gleichgewicht. Hier kann
jeder Pianist der Gegenwart noch manches
für seine Interpretation lernen.
"Die Hirten an
der Krippe" passen ganz entzückend
zum Klang des Glas-Klaviers. Sie sind
am wenigstens fremd auf einem modernen
Klavier.
Eine der wichtigsten
Einspielungen ist jedoch die "Consolation"
Nr. 4 Des-Dur auf dem Mason und Hamlin
Harmonium. Der melismatische Eigenklang
des Harmoniums ist praktisch das einzig
wirkliche Medium für die "Consolations".
Selbst der perfekteste Konzertflügel
unserer Zeit kommt ihrem musikalischen
Sinn derart nahe.
In diesem Zusammenhang
soll nochmals auf die Interpretation |